Titanic 2, Men of Steel 2 und Iron Man 4: Das Phänomen der Fake Trailer
Hat die Flut der Fälschungen jetzt endlich ein Ende?
Leonardo DiCaprio in "Titanic" 2, erste Eindrücke zu "Iron Man 4" oder "Man of Steel 2" mit Henry Cavill: Fake Trailer haben sich in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Problem auf YouTube entwickelt. Während einige Zuschauer die selbst erstellten Videos schnell als Fälschung erkennen, lassen sich die meisten davon täuschen – mit weitreichenden Konsequenzen für die Filmbranche. Besonders irritierend: Einige Studios verdienen lieber daran mit, als wie man es erwarten würde gegen diese Fake-Trailer vorzugehen.
Die Verbreitung gefälschter Trailer
Seit den frühen Tagen von YouTube gibt es Fanmade Trailer, bereits 2005 kursierten Videos wie zum Beispiel "Titanic 2: Jack's Back", in dem Leonardo DiCaprio aus einem Eisblock gerettet wird. Heute setzen jedoch einige professionelle YouTube-Kanäle darauf, Trailer zu erstellen, die kaum noch von echten Marketingmaterialien zu unterscheiden sind.
Die steigende 'Qualität' dieser gefälschten Trailer führt letztlich dazu, dass immer mehr Zuschauer getäuscht werden: Manche User bemerken erst in den Kommentaren, dass sie einer Fälschung zum Opfer gefallen sind – doch da hat das Video bereits einen weiteren wertvollen Aufruf gesammelt. Besonders ärgerlich, jeder empörte Kommentar schiebt den Fake Trailer im Youtube-Algorithmus weiter nach oben.
Ein Paradebeispiel für diese Praxis war der Kanal "Screen Culture", der intensiv auf KI setzte, um Trailer für kommende Blockbuster zu produzieren. Oftmals erscheinen diese Videos sogar nach der Veröffentlichung der offiziellen Trailer weiterhin vor dem offiziellen Material in den YouTube-Suchergebnissen.
Die Motivation hinter diesen Fake-Trailern
Die Ersteller solcher Trailer verfolgen unterschiedliche Ziele. Einige Fans produzieren sie zum Spaß und leben sich kreativ aus, andere hingegen haben daraus ein lukratives Geschäft gemacht. Unzählige YouTuber verdienen mittlerweile kräftig daran – der Youtube Monetarisierung sei Dank. Monetarisierung bedeutet, dass ein Kanal Youtube-Werbung zulässt und sich die Einnahmen mit der Platform teilt – umso mehr Views das Video hat, desto mehr Geld springt dabei heraus. Sollte ein Kanal allerdings gegen das Urheberrecht verstoßen und der Rechteinhaber erhebt einen sogenannten Claim auf das Video, kann das Geld auch an den eigentlichen Besitzer der benutzten Marke gehen – in diesem Fall die Filmstudios.
Diese stehen KI-generierten Trailern zwispältig gegenüber: Einerseits wird oft betont, dass der Schutz geistigen Eigentums Priorität hat, andererseits profitieren sie zum Teil von den hohen Aufrufzahlen der Fake-Trailer, da somit auch der potentielle Hype um ihre Marken gestärkt wird (und sie gleichzeitig auch daran mitverdienen können).
Natürlich werden auch die Wünsche und Vorstellungen der Fans bei diesen Trailern berücksichtigt. Wer hat denn nicht schon mal mit dem Gedanken gespielt, dass Henry Cavill ein weiteres Mal als Superman zu sehen ist? Oder vielleicht sogar als James Bond?
Das große Versprechen der Thumbnails
Die Trailer werden in der Regel auch mit KI-generierten Thumbnails beworben. Auf der einen Seite ist es nichts ungewöhnliches, dass Youtube-Videos mit selbst kreierten Motiven arbeiten: Immerhin wird oftmals über noch nicht produzierte Filme gesprochen, zu denen es schlichtweg noch kein offizielles Bildmaterial gibt. Das Perfide ist jedoch die Kombination mit Wordings wie "First Trailer", was dem Zuschauer natürlich vermittelt, es erwarten ihn hier echte und offizielle Aufnahmen aus dem Film. Die Wahrheit versteckt sich dann oft nur im Kleingedruckten am Ende der Videobeschreibung, wo z.B. plötzlich von "Concept Trailer" die Rede ist. Gerne wird auch einfach ein offizielles oder gefälschtes Logo des Films oder sogar des Filmverleihs mit im Bild platziert.
Neben urheberrechtlichen Fragen birgt der Trend auch ethische Probleme. Viele Kanäle nutzen Technologien, um Charaktere in ungewohnten Kontexten darzustellen oder gar sexistisch veränderte Thumbnails zu erstellen, die vordergründig das männliche Publikum ansprechen sollen. So werden Motive oft sehr reißerisch inszeniert, z.B. wenn Schauspielerinnen halb nackt und mit stark vergrößerter Oberweite in Szene gesetzt werden.
Die Zukunft der Filmtrailer
Die Welt der gefälschten Trailer entwickelt sich ständig weiter – angetrieben durch technologische Fortschritte und begünstigt vom YouTube-Algorithmus, der von der regen Aktivität getäuschter Zuschauer profitiert. Denn wer würde nicht auf eine vermeintliche Benachrichtigung wie "Fluch der Karibik 6 Trailer" klicken? Doch vielleicht bahnen sich nun Veränderungen an: Nachdem das Branchenmagazin Deadline über das Phänomen berichtet hat, wurden nun zwei der größen Fake Trailer Kanäle, "KH Studio" und eben "Screen Culture" von Youtube demonetarisiert. Das bedeutet, dass niemand mehr mit ihren Videos Geld über Youtube-Werbung verdienen kann.
Die Reaktion der Kanalbetreiber zeugt von Unverständnis für die Entscheidung von Youtube: Der Betreiber von "KH Studio" beklagt laut Deadline, dass er einfach nur mit "Was wäre wenn"-Szenarien unterhalten und niemanden täuschen wolle. Nikhil P. Chaudhari, der Betreiber von "Screen Culture", beschäftigte ein Team von einem Dutzend Mitarbeitern, welche bis zu 12 Videos pro Woche veröffentlichten.
Fazit
Viele YouTube-Nutzer beklagen sich seit Jahren über irreführende "Fake-Trailer", die von Filmverleihern eigentlich zum Schutz ihrer Marken entfernt werden sollten, statt durch Claiming finanziell davon zu profitieren. Interessanterweise wurde der öffentliche Diskurs dazu laut Berichten von Deadline nicht etwa durch das verärgerte YouTube-Publikum ausgelöst, sondern durch einige Filmstudios selbst. Diese beklagten sich darüber, dass YouTube es ihnen erschwere, an den Werbeeinnahmen zu partizipieren.
Dabei muss man die Plattform jedoch in Schutz nehmen: YouTubes Content-ID-System stellt bereits alle erforderlichen Mittel bereit, um solche Videos zu beanspruchen oder zu entfernen – Mittel, über die auch die betroffenen Studios verfügen. Dennoch wäre es durchaus wünschenswert gewesen, dass YouTube bereits früher proaktiv gegen diese irreführenden Kanäle vorgegangen wäre, da diese den Algorithmus gezielt ausnutzen und Zuschauer mit unfairen Mitteln absichtlich täuschen.
Zusammenfassend lässt sich also festhalten: Jeder Fake-Trailer, der euch ärgert oder in die Irre geführt hat, existiert mit stillschweigender Zustimmung eines Filmstudios – oft mit dem Ziel, selbst finanziell davon zu profitieren.