Gnadenlose Satire mit Squid Game-Star! Unsere Kritik zu No Other Choice von Park Chan-wook

Der Oldboy-Regisseur meldet sich mit seinem neuen Film zurück

Von Konstantin Koos am 3 min Lesezeit

Kult-Regisseur Park Chan-wook kehrt zurück! Nach Meisterwerken wie "Oldboy" oder "Die Taschendiebin" macht er diesmal gemeinsame Sache mit "Squid Game"-Star Lee Byung-hun. "No Other Choice" erzählt von einem Mann, dem schlagartig der Boden unter den Füßen weggezogen wird – und schließlich beginnt, sich radikal zur Wehr zu setzen. Dabei ist der Film jedoch durchaus anders als die letzten Projekte des Koreaners. In unserer Filmkritik erfahrt ihr, was ihr vom Kritikerliebling erwarten könnt.

Die Handlung

Man-su (Lee Byung-hun) hat sich über Jahre hinweg mit Disziplin und Einsatz ein nahezu ideales Leben aufgebaut. Er ist beruflich und privat glücklich und wohnt mit seiner Frau Miri (Son Yejin) und seinen zwei Kindern in einem großen Haus mit Garten. Doch als ein amerikanisches Unternehmen seine Papier-Firma aufkauft und radikal Stellen kürzt, wird der Familienvater arbeitslos.

Man-su möchte weiterhin in der Papier-Branche arbeiten, doch die Arbeitsplätze sind durch den technologischen Fortschritt und Künstliche Intelligenz sehr begrenzt. Je länger der Protagonist mit Arbeitssuche und Bewerbungsprozessen beschäftigt ist, desto brenzliger wird die finanzielle Situation seiner Familie. Die vielen Bewerber für die wenigen Arbeitsplätze stellen ein nahezu unüberwindbares Problem dar. Man-su greift daher zu drastischen Mitteln: Er schmiedet ebenso kreative wie makaber durchdachte Pläne, um seine Konkurrenten auszuschalten!

Park Chan-wooks schwarze Komödie

Mit "Oldboy" verschaffte Park Chan-wook dem koreanischen Kino Anfang der 2000er große internationale Aufmerksamkeit. Nach zahlreichen weiteren gefeierten Filmen widmet er sich nun mit "No Other Choice" einer losen Adaption des Romans "The Ax" von Donald E. Westlake. Im Vergleich zu seinen letzten Filmen – dem fantastischen Neo-Noir "Die Frau im Nebel" oder dem Historiendrama "Die Taschendiebin" – bewegt sich der Filmemacher diesmal vor allem tonal in eine andere Richtung.

Bei "No Other Choice" handelt es sich in erster Linie um eine schwarze Komödie. Die ernste Ausgangslage wird im Handlungsverlauf immer weiter satirisch überspitzt. Man-su gerät von einer absurden Situation in die nächste. Gerade die Idee, seine Mitbewerber auszuschalten, wird überaus kreativ und unterhaltsam umgesetzt. Dabei bleibt einem typisch für eine schwarze Komödie immer wieder das Lachen im Halse stecken.

Mehr als nur Humor...

"No Other Choice" kann ziemlich witzig sein, schafft es allerdings auch, nicht nur zur reinen Komödie zu verkommen. Der Film ist gleichzeitig Charakterstudie wie Gesellschaftskritik. Gekonnt behandelt Park aktuelle Themen wie die Gefährdung von Arbeitsplätzen durch Künstliche Intelligenz. Für Man-su führt das jedoch nicht nur zu einem Verlust von Wohlstand, sondern auch zu einem Verlust seiner Moral. Der Film stellt dabei die Frage: Wie weit können gesellschaftliche Missstände einen Menschen treiben? Typisch satirisch überspitzt sieht die Figur immer wieder "keine andere Wahl" – er muss sich mit Gewalt aus seiner misslichen Lage befreien.

Ein visuelles Highlight und starkes Schauspiel

Eine große Stärke ist dabei die gelungene Inszenierung des Films. Park sucht immer wieder extravagante Kameraeinstellungen und kann mit seinen eleganten Szenenübergängen überzeugen. Der Filmemacher ist und bleibt visuell überaus kreativ, innovativ und experimentell und gehört damit zu den talentiertesten Regisseuren unserer Zeit.

Überzeugend sind auch die schauspielerischen Leistungen. Allen voran Lee Byung-hun geht in seiner Figur auf. Nachdem er als Frontman in "Squid Game" internationale Bekanntheit erlangte, kann er in "No Other Choice" weiterhin sein Können unter Beweis stellen. Bei den Golden Globes wurde er dafür zuletzt als Bester Hauptdarsteller in der Kategorie Komödie/Musical nominiert.

Auch der Film selbst erhielt eine Globes-Nominierung als Bester Film (Komödie/Musical). Unverständlicherweise ging "No Other Choice" bei den Oscar-Nominierungen allerdings leer aus. Für viele Fans ist diese Nicht-Berücksichtigung schon jetzt einer der großen "Snubs" der diesjährigen Academy Awards.

Das könnt ihr erwarten

Einen kleinen Nachteil bringt "No Other Choice" dann allerdings doch mit sich. Der Film schafft es leider nicht die emotionale Wucht von Parks letzten Filmen "Die Frau im Nebel" und vor allem "Die Taschendiebin" zu erreichen. Das lässt sich allerdings leicht mit dem satirischen Ansatz begründen. "No Other Choice" legt schlichtweg einen anderen Schwerpunkt. Das ist nicht verwerflich, sondern gelingt auf seine Art und Weise überaus gut. Der Vergleich mit den Vorgängerfilmen hinkt also und ist vielleicht sogar unfair. Es kann aber durchaus hilfreich sein, wenn einem dieser andere Ansatz vor dem Kinobesuch bewusst ist.

Eine gelungene Satire

"No Other Choice" ist eine kreative, witzige und unterhaltsame schwarze Komödie, die gleichzeitig mehr als nur bloßen Humor zu bieten hat. Überzeugend ist vor allem die gelungene Inszenierung und Hauptdarsteller Lee Byung-hun. Park Chan-wook beweist mit "No Other Choice" also einmal mehr seine großartigen Fähigkeiten als Filmemacher. Doch überzeugt euch selbst: Ab sofort könnt ihr den Film im Kino sehen!

Unser Fazit: "No Other Choice" ist witzig, unterhaltsam und beeindruckend inszeniert – eine kreative Satire!

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