Gargoyles: Es wird doch keine Live-Action-Serie von Disney+ geben

Das Original aus den 90ern ist ein Zeichentrick-Klassiker

4 min Lesezeit

Nun herrscht Gewissheit: Die geplante Live-Action-Adaption von "Gargoyles – Auf den Schwingen der Gerechtigkeit" wird doch nicht realisiert. Greg Weisman, einer der Macher der ursprünglichen Fantasy-Zeichentrickserie, erklärte im Interview mit ComicsOnline, dass das Projekt vom Tisch sei. Weisman war zwar nicht an der Neuauflage beteiligt, hat aber offenbar Recht. Denn: Nun hat eine dem Projekt nahestehende Quelle dem Branchenblatt Variety das Aus der Live-Action-Serie bestätigt.

Die Neuauflage von "Gargoyles" befand sich in einer frühen Entwicklungsphase bei Disney+. Die Ankündigung des Projekts erfolgte bereits 2023. Damals hieß es, dass der Streamingdienst mit Autor Gary Dauberman zusammenarbeite, um die Live-Action-Serie umzusetzen. Die Original-Zeichentrickserie feierte bereits vor über 30 Jahren Premiere. Darin geht es um die titelgebenden Wesen, die tagsüber zu Stein werden und erst Nachts wieder erwachen. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Gargoyles, die zunächst im Jahr 994 in Schottland lebt. Doch die Wesen werden hintergangen. Nur der noble Goliath und ein paar wenige weitere Gargoyles überleben und werden durch einen Zauber in einen dauerhaften Schlaf versetzt – bis der Bann 1000 Jahre später vom schwerreichen David Xanatos im New York der Gegenwart gebrochen wird. Dort lernen sie schon bald die Polizistin Elisa Maza kennen und beschließen, an ihrer Seite die Stadt zu beschützen.

Große Fußstapfen

Die Live-Action-Adaption hätte sich wohl im Wesentlichen an die Prämisse des Originals gehalten, wie aus der Inhaltsbeschreibung des inzwischen nicht länger geplanten Reboots hervorgeht. Darin heißt es laut Variety:

"Basierend auf der Kult-Zeichentrickserie von Disney ist Goliath der Letzte einer heldenhaften Rasse von Gargoyle-Kriegern, die einst unter den Menschen lebten. Befreit von einem jahrhundertelangen Fluch, der ihn in Stein verwandelt hatte, versucht Goliath, das Geheimnis seiner Vergangenheit zu lüften, während er gemeinsam mit der Polizistin Elisa Maza über das heutige New York City wacht."

Ob das Reboot dem Original gerecht geworden wäre, werden wir nun wohl nie erfahren. In jedem Fall hätte die Live-Action-Variante in große Fußstapfen treten müssen. Die 78 Folgen umfassende TV-Zeichentrickserie von einst wurde ursprünglich von 1994 bis 1997 ausgestrahlt und bestach unter anderem durch spannende Protagonisten und wiederkehrende Nebenfiguren, die sich nicht immer eindeutig in Gut und Böse unterteilen ließen. Zudem wurde die Story immer komplexer. Zwar gab es auch viele Einzelepisoden, die in sich abgeschlossen waren. Gleichzeitig erzählte "Gargoyles" aber auch eine größere Geschichte, griff bestimmte Handlungsstränge immer wieder auf und entwarf so eine zunehmend vielschichtige Welt.

Von Shakespeare beeinflusst

Ein weiteres hervorstechendes Merkmal der Serie: Der Einfluss von William Shakespeare. Die Macher von "Gargoyles" ließen sich immer wieder von seinen Werken inspirieren, griffen Motive aus Stücken wie "Macbeth" auf und variierten Ideen und Figuren Shakespeares auf originelle Weise. Darüber hinaus hatte die Zeichentrickserie im englischsprachigen Original immer wieder hochkarätige Synchronsprecher zu bieten, zu denen unter anderem Keith David, Clancy Brown und Tim Curry gehörten. Besonders spannend für "Star Trek"-Fans: Mehrere Stars des Science-Fiction-Franchise liehen Figuren aus "Gargoyles" ihre Stimme, darunter die "Next Generation"-Darsteller Jonathan Frakes, Marina Sirtis, Michael Dorn und Brent Spiner sowie der einstige "Voyager"-Captain Kate Mulgrew.

Das alles trug dazu bei, dass "Gargoyles" zu den qualitativ hochwertigsten US-Zeichentrickserien gehörte, die in den 90ern im Fernsehen liefen. Einziger Wermutstropfen: Die finale, dritte Staffel. Im Grunde hatte "Gargoyles" mit dem Ende der zweiten Staffel einen würdigen Abschluss erhalten. Die großen Handlungsstränge waren auserzählt, die Serie hätte in Frieden ruhen können. Dementsprechend wirken die 13 Folgen der dritten Staffel, die den Untertitel "The Goliath Chronicles" erhielten, wie ein unnötiger Anhang. Die Qualität der Storys brach deutlich ein und konnte nicht mehr an die Klasse der vorherigen Folgen anknüpfen. Dafür bleiben die ersten beiden Seasons von "Gargoyles" unvergessen.