Ein echtes Epos! Unsere META-Filmkritik zu Christopher Nolans Die Odyssee

Wir verraten, ob Nolans Action-Epos überzeugt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein

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Endlich ist es soweit: Der neue Film von Christopher Nolan kommt ins Kino! Mit der Verfilmung von Homers "Odyssee" widmet sich der Meister-Regisseur einem wahrlich ambitionierten Projekt. Hat Nolan mit seinem Action-Epos ein weiteres Meisterwerk geschaffen? Was wir und andere Kritiker von dem Film halten, erfahrt ihr in der META-Kritik von KinoCheck!

Darum geht's

Nach dem Ende des Trojanischen Krieges machen sich Odysseus (Matt Damon) und seine Männer auf die Heimreise nach Ithaka. Doch die Heimfahrt wird zur Irrfahrt und schwieriger und länger als erwartet. Odysseus und seine Crew werden dabei mit so einigen mythischen Herausforderungen konfrontiert und treffen auf einen Zyklopen, die Zauberin Kirke (Samantha Morton) oder die Nymphe Kalypso (Charlize Theron).

In der Heimat hört man unterdessen Geschichten von Odysseus' Triumph in Troja – doch sein Schicksal bleibt unbekannt. Seine Ehefrau Penelope (Anne Hathaway) und Sohn Telemachos (Tom Holland) warten seit vielen Jahren vergeblich auf seine Rückkehr, mit der in Ithaka kaum noch jemand rechnet. Zahlreiche Freier werben daher nun um die Hand von Penelope, unter anderem der ambitionierte Antinoos (Robert Pattinson). Telemachos macht sich schließlich selbst auf die Suche nach seinem Vater, um den Freiern Einhalt zu gebieten.

Bild zu DIE ODYSSEE Trailer German Deutsch (2026) Matt Damon & Tom Holland

Wie erzählt Nolan Die Odyssee?

Wenig überraschend erzählt Nolan "Die Odyssee" keineswegs linear. Vielmehr beginnt er seine Erzählung rund acht Jahre nach dem Trojanischen Krieg. Durch Flashbacks bzw. Erzählungen von Figuren wie Odysseus bewegen wir uns allerdings immer wieder in die Vergangenheit – unter anderem zum Ende des Trojanischen Krieges oder zu den verschiedenen Etappen auf der Irrfahrt.

Diese nonlineare Struktur ist dabei (wie so oft bei Nolan) nicht nur ein Gimmick, sondern hat ihren Sinn. Wir blicken mit Odysseus gemeinsam in die Vergangenheit, verknüpfen die Zeitebenen und bekommen erst zu einem späteren Zeitpunkt konkret mitgeteilt, woran der Film primär interessiert ist. Doch mehr braucht man über die Struktur von "Die Odyssee" nicht vorwegzunehmen. Entscheidend ist, dass trotz des komplexen Konstrukts "Die Odyssee" nie zu kompliziert ist.

Ein echter Nolan

Thematisch widmet sich Nolan erneut einigen seiner typischen Kernthemen. Amy Nicholson (L.A. Times) bezeichnet den Film gar als "trojanisches Pferd für seine thematischen Obsessionen". Themen wie Zeit, Erinnerung und Erzählungen spielen wie so oft bei Nolan eine wichtige Rolle. Der Regisseur stellt auch hier eine Figur in den Mittelpunkt, "deren Heimkehr unmöglich geworden ist", wie der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger in seiner Kritik bei epd-film anmerkt. Nolan erzähle eine tragische Geschichte:

"'Die Odyssee' [...] lebt trotz aller Monster und Wunder von Sehnsucht. Sie ist die Geschichte eines Mannes, der nach Hause will, und einer Frau, die nicht aufhört zu warten."

Ein bildgewaltiges Epos

Vor allem in einem Punkt sind sich nahezu alle Kritiker einig: "Die Odyssee" ist visuell unheimlich beeindruckend – ob in Actionsequenzen, Landschaftsaufnahmen oder in der Darstellung der mythischen Wesen. Stellvertretend für die vielen Lobeshymnen auf das audiovisuelle Erlebnis, beschreibt es David Fear (Rolling Stone) folgendermaßen:

"Nolan entfesselt eine Frontaloffensive auf Augen, Ohren und das Nervensystem. Gemeinsam mit seinem Oscar-prämierten Kameramann Hoyte van Hoytema nutzt er die schiere Wucht der IMAX-Bilder [...] bis an ihre Grenzen aus. Alles, von der klaustrophobischen Perspektive aus dem Inneren des dicht gefüllten Trojanischen Pferdes bis hin zum Schiff, das durch Poseidons Zorn ins Wanken gerät, erscheint in überwältigenden Dimensionen."

Nolan schafft mit "Die Odyssee" ein opulentes Epos, bei dem gleich mehrere Kameraeinstellungen und Bilder (u.a. das Trojanische Pferd am Strand!) besonders im Gedächtnis bleiben. Eine derart gewaltige Geschichte in dieser Form auf die Leinwand zu bringen, verdient in der Tat großen Respekt, wie auch Empire-Kritiker John Nugent betont.

"Das Ausmaß und die Dimensionen sind, offen gesagt, schlicht atemberaubend. Das ist Filmemachen in einer Größenordnung, die sich heutzutage nur die wenigsten Regisseure überhaupt vorstellen, geschweige denn einfordern oder umsetzen könnten."

Bild zu DIE ODYSSEE Trailer 2 German Deutsch (2026) Matt Damon, Anne Hathaway

Das audiovisuelle Erlebnis

Nicht zu kurz kommen darf dabei Ludwig Göranssons Score. Mit seiner Musik erweist er sich einmal mehr als würdiger Nachfolger von Hans Zimmer, der bekanntlich vor Göransson der Stammkomponist Nolans war. Wie man es von dem Schweden kennt, wählt er nicht unbedingt den typischen Weg, sondern mischt in seiner Komposition klassische und moderne Elemente. Seine Musik ist dabei insgesamt etwas weniger präsent und bombastisch als in "Tenet" oder "Oppenheimer". Doch Göransson findet sowohl für die kleinen als auch großen Momente genau den richtigen Ton.

Einige der besten Momente des Films entstehen, wenn Nolans Inszenierung und Göranssons Score miteinander verschmelzen. Hier sind vor allem die mitreißenden Actionszenen des Films hervorzuheben. Zu den absoluten Highlights zählen beispielsweise die Flashback-Sequenzen in Troja, die in klassischer Nolan-Manier inszeniert sind. Das audiovisuelle Erlebnis sowie einzelne Set Pieces der "Odyssee" sind schlichtweg beeindruckend.

Ein Cast voller A-Lister

Für viele Kritiker ist auch die Besetzung eine Stärke des Films. Hier sammelt sich ein echtes "Who is who" Hollywoods an. Dazu zählen neben den genannten Hauptdarstellern auch Zendaya als Göttin Athene, Jon Bernthal als König Menelaos, Lupita Nyong'o in einer Doppelrolle als Helena und ihre Schwester Klytämnestra und Elliot Page als Soldat Sinon.

Von vielen Kritikern besonders hervorgehoben werden dabei Anne Hathaway, Robert Pattinson oder John Leguizamo, der Odysseus' treuen Untergebenen Eumaios verkörpert. Doch vor allem Matt Damons Performance wird immer wieder gelobt. Die euphorischsten Stimmen sehen hier sogar eine der besten Schauspielleistungen in Damons Karriere, so auch IndieWire-Kritiker David Ehrlich:

"Mal liebevoll, mal arrogant, sensibel, von Schuldgefühlen geplagt, dann wieder schuldlos, sturköpfig (fast im wörtlichen Sinne), brillant und töricht – Damons Odysseus ist ein Monument für die Vielseitigkeit seines schauspielerischen Könnens."

Eine Odyssee mit Stärken und Schwächen

Allerdings werden in einigen Kritiken auch immer wieder ähnliche Negativpunkte genannt. Für manch einen ist der etwas holprige Start zu unrund. Doch auch der Mittelteil wird kritisiert, so auch vom Portal Moviejones:

"Die großen Momente der Reise und die Begegnungen mit den mythologischen Wesen werden eher wie Punkte auf einer Checkliste abgearbeitet, anstatt ihnen den Raum zu geben, ihre volle Faszination und Bedeutung zu entfalten."

Auch wir finden, dass die unterschiedlichen Etappen mal mehr und mal weniger überzeugen. Nicht jeder dieser Etappen kann Nolan etwas Interessantes abgewinnen, manchmal wirkt es zu sehr wie eine einfache Nacherzählung der Ereignisse in Homers Vorlage.

Doch nach einem Mittelteil mit leichten Schwächen, zieht der Film in seinem dritten Akt gehörig an. Hier kommt die nonlineare Erzählstruktur am besten zum Zug und Nolan kann durch die Montage von Vergangenheit und Gegenwart ein stimmiges Gesamtbild erzeugen. Das Ende lädt geradezu dazu ein, den Film ein weiteres Mal zu schauen. Auch Marco Risch hebt in seiner Videokritik auf dem Kanal Nerdkultur das Ende hervor:

"Mit dem Schluss und alles, was dazu gehört, wusste ich: Das ist einer der besten Nolan-Filme für mich. [...] All diese Flashbacks, die man sieht, die mit dem Ende des trojanischen Krieges zu tun haben, die werden erst gegen Ende eine komplett andere Bedeutungsebene erreichen."

Dieses Konzept wirkt zwar etwas unorthodox, wertet den Film allerdings auf. Die Verbindung verschiedener Zeitebenen und Erzählstränge ist eine bekannte Stärke Nolans. Zuletzt ist ihm dieser Ansatz in "Oppenheimer" meisterhaft gelungen – und funktioniert nun auch ähnlich in "Die Odyssee".

Ein bekannter Kritikpunkt

In Bezug auf die emotionale Komponente gibt es verschiedene Meinungen. Manche Kritiker sehen in der "Odyssee" einen der emotionalsten Nolan-Filme, doch einige kritisieren eine gewisse emotionale Distanz zu den Figuren. Es ist ein nur allzu bekannter Kritikpunkt, der Nolan schon bei einigen seiner Filme vorgeworfen wurde.

Auch wir finden: So ganz will der Funke emotional nicht überspringen. In "Interstellar" ist dies Nolan beispielsweise besser gelungen. Der Variety-Kritiker Guy Lodge schreibt dazu, dass "Die Odyssee" "seine Wirkung eher auf sinnlicher als auf emotionaler Ebene" entfalte. Sprich: Der Film wirkt eher über seine Bilder, die Atmosphäre oder die audiovisuelle Erfahrung. "Die Odyssee" erreicht daher nicht in all ihren Facetten das Topniveau, das Nolan in manch anderen Filmen erreicht hat. Doch diese Messlatte liegt bei seiner Filmografie schlichtweg sehr hoch.

Fazit

Unser Urteil: "Die Odyssee" ist ein mitreißendes und atemberaubendes audiovisuelles Filmerlebnis mit einem gelungenen erzählerischen Konzept, spannenden Themen, aber auch kleineren Schwächen.

Wir freuen uns schon darauf, den Film ein zweites Mal zu schauen! Doch überzeugt euch selbst: Ab sofort könnt ihr "Die Odyssee" im Kino sehen. Wir wünschen viel Spaß!

Übrigens: Anlässlich des Kinostarts von "Die Odyssee" haben wir unsere Community auf unserem WhatsApp-Kanal gefragt, was ihr Lieblingsfilm von Christopher Nolan ist. Hier findet ihr das Ranking der KinoCheck-Community.

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