"Once Upon a Time in Hollywood" Fortsetzung von David Fincher!

Tarantino wird das Drehbuch schreiben

Von Jonas Reichel am 5 min Lesezeit

Damit hätte wohl niemand gerechnet: Eine Fortsetzung für Quentin Tarantinos "Once Upon a Time in Hollywood"! Der Film von 2019 erfreut sich großer Beliebtheit und brachte Brad Pitt den Oscar als bester Nebendarsteller ein. Nun soll ein Sequel entstehen und die Regie übernimmt laut The Hollywood Reporter niemand Geringeres als David Fincher!

Laut ersten Insider-Informationen soll die bisher unbetitelte Fortsetzung auf Netflix erscheinen und könnte bereits im Spätsommer 2025 in Produktionen gehen. Brad Pitt wird erneut die Rolle des Cliff Booth verkörpern. Eine Beteiligung von Leonardo DiCaprio steht hingegen noch in den Sternen – immerhin ist der Darsteller aktuell in eine Reihe von Produktionen wie "Evil Knievel on Tour" von Damien Chazelle eingespannt.

Einen weiteren Höhepunkt hat der Film bereits jetzt zu bieten: Quentin Tarantino schreibt höchstpersönlich das Drehbuch! Sony besitzt zwar die Rechte an "Once Upon a Time in Hollywood", doch Tarantino hat sich ein einzigartiges Vertragsmodell gesichert: Er besitzt die Figuren aus dem Film. Daher kann das neue Projekt Booth und möglicherweise weitere Charaktere verwenden, ohne als offizielles Sequel zu gelten.

Pitt selbst soll die Idee eingebracht haben, David Fincher als Regisseur ins Boot zu holen, was Tarantino nach einigem Zögern akzeptierte. Nun bleibt abzuwarten, in welche Richtung Teil 2 geht und welche Überraschungen er bereithält. Ein Startdatum für "Once Upon a Time in Hollywood 2" steht bisher aber noch aus.

Quentin Tarantino: Ein Meister des modernen Kinos

Quentin Tarantino zählt zu den einflussreichsten Filmemachern der letzten Jahrzehnte. Mit seinem einzigartigen Stil, der sich durch nicht-lineare Erzählweisen, ausgedehnte Dialoge und exzessive Gewaltdarstellungen auszeichnet, hat er das moderne Kino nachhaltig geprägt. Seine Filme sind eine Hommage an das klassische Hollywood, den B-Movie, den Spaghetti-Western und den Grindhouse-Film, angereichert mit einer unverkennbaren Mischung aus Humor und Brutalität.

Frühe Jahre: "Reservoir Dogs" und "Pulp Fiction"

Tarantino begann seine Karriere mit "Reservoir Dogs" (1992), einem Heist-Movie, das sich weniger auf den eigentlichen Raubüberfall als auf die Folgen eines schiefgelaufenen Plans konzentriert. Der Film wurde für seine scharfzüngigen Dialoge und seine brutale Inszenierung gelobt. Mit einem kleinen Budget gedreht, wurde er schnell zu einem Kultfilm und öffnete Tarantino die Türen zu Hollywood.

Bild zu RESERVOIR DOGS: Wilde Hunde Trailer German Deutsch (1992)

Sein Durchbruch kam mit "Pulp Fiction" (1994), der als einer der besten Filme aller Zeiten gilt. Der Film erzählt mehrere miteinander verwobene Geschichten in nicht-chronologischer Reihenfolge und vereint eine brillante Besetzung, darunter John Travolta, Uma Thurman und Samuel L. Jackson. Der Soundtrack, die popkulturellen Referenzen und die ikonischen Szenen – etwa der legendäre Tanz von Travolta und Thurman – machten den Film zu einem Meisterwerk und sicherten Tarantino den Oscar für das beste Drehbuch.

Bild zu PULP FICTION Trailer German Deutsch (1994)

Späte 90er und frühe 2000er: "Jackie Brown" und "Kill Bill"

Nach "Pulp Fiction" drehte Tarantino "Jackie Brown" (1997), eine Hommage an das Blaxploitation-Genre der 70er Jahre. Der Film, basierend auf dem Roman "Rum Punch" von Elmore Leonard, wurde von der Kritik geschätzt, blieb jedoch im Vergleich zu seinem Vorgänger eher unterschätzt.

Mit "Kill Bill: Volume 1" (2003) und "Kill Bill: Volume 2" (2004) bewies Tarantino erneut seine Vielseitigkeit. Der Zweiteiler erzählt die Rachegeschichte von Beatrix Kiddo, gespielt von Uma Thurman. Während der erste Teil stark vom japanischen Samurai- und Kung-Fu-Kino beeinflusst ist, erinnert der zweite an klassische Italo-Western. Die "Kill Bill"-Reihe vereint Tarantinos Affinität zu stilisierter Gewalt, markanten Charakteren und einer visuell beeindruckenden Ästhetik.

Historische Neuausrichtungen: "Inglourious Basterds" und "Django Unchained"

Mit "Inglourious Basterds" (2009) wagte sich Tarantino an das Kriegsfilm-Genre, allerdings auf seine ganz eigene Weise. Der Film spielt während des Zweiten Weltkriegs und erzählt die Geschichte einer jüdischen Widerstandsgruppe, die es auf hochrangige Nazis abgesehen hat. Besonders Christoph Waltz als charismatischer, aber grausamer SS-Standartenführer Hans Landa erhielt große Anerkennung und gewann den Oscar als bester Nebendarsteller.

"Django Unchained" (2012) ist Tarantinos Version eines Westerns und behandelt das Thema Sklaverei in den USA. Jamie Foxx spielt den ehemaligen Sklaven Django, der sich mit dem Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (wieder gespielt von Christoph Waltz) zusammenschließt, um seine Frau aus den Händen eines brutalen Plantagenbesitzers (Leonardo DiCaprio) zu befreien. Der Film wurde für seine mitreißende Geschichte, die schauspielerischen Leistungen und den kraftvollen Soundtrack gefeiert und brachte Tarantino seinen zweiten Oscar für das beste Drehbuch ein.

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"The Hateful Eight" und "Once Upon a Time in Hollywood"

Mit "The Hateful Eight" (2015) kehrte Tarantino zum Kammerspiel zurück. Der Western spielt fast ausschließlich in einer verschneiten Hütte, in der sich eine Gruppe zwielichtiger Charaktere versammelt. Der Film ist ein intensives, dialoglastiges Werk mit einer herausragenden Besetzung, darunter Samuel L. Jackson, Kurt Russell und Jennifer Jason Leigh. Die musikalische Untermalung von Ennio Morricone brachte dem legendären Komponisten seinen ersten Oscar für die beste Filmmusik ein.

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"Once Upon a Time in Hollywood" (2019) ist Tarantinos bisher letztes Werk und eine Liebeserklärung an das alte Hollywood der späten 60er Jahre. Der Film folgt dem abgehalfterten Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und seinem Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt), die in einer sich wandelnden Filmindustrie ihren Platz suchen. Parallel dazu wird die Geschichte der Manson-Morde behandelt, wobei Tarantino erneut mit der historischen Realität spielt. Der Film wurde für seine detailgetreue Inszenierung und seinen melancholischen Blick auf eine vergangene Ära gefeiert und brachte Brad Pitt seinen ersten Oscar als Schauspieler ein.

Bild zu ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD Trailer 2 German Deutsch (2019)

Tarantinos Vermächtnis

Mit nur zehn Filmen (wenn man "Kill Bill" als einen zählt) hat Quentin Tarantino das Kino nachhaltig geprägt. Sein Stil ist unverkennbar: lange Dialoge voller popkultureller Referenzen, übertriebene Gewalt, epische Soundtracks und eine Liebe zum Detail, die seine Werke zu einzigartigen cineastischen Erlebnissen macht. Zudem betont er immer wieder, dass er nur zehn Filme drehen möchte – was die Frage aufwirft, was sein endgültiges Meisterwerk sein wird.

Ob er sich tatsächlich vom Filmgeschäft zurückzieht oder doch noch ein weiteres Projekt verwirklicht, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass Tarantino bereits jetzt zu den größten Filmemachern der Filmgeschichte zählt und seine Werke auch in den kommenden Jahrzehnten unvergessen bleiben werden.