Dieser Film spaltet! Unsere META-Filmkritik zu Digger
Wir verraten, ob der Film mit Tom Cruise überzeugt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein
Es gab im Vorfeld wohl kaum eine eigensinnigere Werbekampagne als die zu Alejandro González Iñárritus neuestem Film "Digger". Monatelang kursierten im Netz die wildesten Spekulationen darüber, was für ein Film hier eigentlich auf die Beine gestellt wurde. Handelt es sich um ein klassisches Drama, eine überdrehte Komödie oder vielleicht doch um ein geheimes Musical? Die ersten richtigen Trailer brachten dann zwar etwas Licht ins Dunkel, sorgten beim Publikum aber vor allem für gemischte Reaktionen. Nun startet der Film regulär in den Kinos – und die ersten Reaktionen sind alles andere als eindeutig. In unserer neuen KinoCheck-META-Kritik verraten wir euch, was "Digger" mit Tom Cruise zu bieten hat und auch was andere Kritiker dazu sagen.

Überladen, laut und anstrengend
Im Zentrum der Geschichte steht der skrupellose Ölmagnat Digger Rockwell, der eine gewaltige Umweltkatastrophe auslöst. Doch anstatt die Verantwortung zu übernehmen oder auf Wissenschaftler zu hören, schmiedet er einen wahnwitzigen PR-Plan, um sich als Retter der Menschheit zu inszenieren.
Inhaltlich ist der Film völlig überladen. Klimakatastrophe, politische Korruption sowie der Gegensatz zwischen Profitdenken und wissenschaftlicher Vernunft werden im Minutentakt abgefeuert. Zudem wird der Zuschauer mit visuellen und akustischen Eindrücken förmlich zugeschüttet. "Digger" ist laut, hektisch und wahnsinnig anstrengend. YouTuber Robert Hofmann beschreibt seine Eindrücke folgendermaßen:
"Oft, wenn ich irgendwie aus dem Kino komme und dann noch mal wirklich einen langen Heimweg habe, dann versinke ich manchmal gerne noch und schaue mir irgendwas an. Aber ich merkte nach 'Digger': Das war einer dieser wenigen Filme, wo so viel Visuelles auf mich hereinprasselte, dass ich einfach nur noch aus dem Fenster gucken wollte.
Dazu kommt, dass die Laufzeit mit ihren knapp 120 Minuten deutlich zu lang geraten ist. Welt-Redakteur Jan Küveler sehnt sich deshalb sogar direkt besondere Abspielfunktionen herbei:
"Es wäre schön, wenn man als Zuschauer die gleiche Möglichkeit hätte, die Laufzeit von Alejandro G. Iñárritus vermeintlichem Herbst-Hit 'Digger' radikal abzukürzen. Offiziell dauert der Film zwei Stunden, gefühlt eher sechs. Auf YouTube kann man Videos in zweifacher Geschwindigkeit abspielen. Im Kino geht das leider noch nicht."
Dieser Film spaltet!
Für viele Kritiker ist klar: "Digger" spaltet! Obwohl der Film beim Großteil der Presse eher auf durchwachsene bis negative Reaktionen stößt, zeigen sich einige Stimmen aber auch begeistert von Iñárritus neuem Werk. Eine dieser Stimmen ist Brandon Zachary vom Magazin Screen Rant:
"Die engagierten Schauspieler, das gelungene Produktionsdesign und das messerscharfe Drehbuch machen den Film zu einer der fesselndsten und vielschichtigsten Komödien des Jahres."
BBC‑Redakteur Nicholas Barber lobt neben den satirischen Elementen auch die Unvorhersehbarkeit des Drehbuchs:
"Rein als Satire betrachtet, ist 'Digger' also ungemein eindringlich. Doch der Film bietet mehr. Er wartet mit zwei überraschenden Wendungen auf, die alles bisher Gesehene infrage stellen."
Unserer Meinung nach ist das Drehbuch aber tatsächlich der größte Schwachpunkt des Films. "Digger" ist ein Meta-Film durch und durch – allerdings auf eine sehr anstrengende Art und Weise. In jeder einzelnen Sekunde will der Film clever und maximal drüber sein, ist letztlich aber einfach nur plump. Man fragt sich beim Schauen unweigerlich: Warum braucht es überhaupt diese Art von Film, wenn die Realität ohnehin schon jeden Tag absurd genug ist? Owen Gleiberman von Variety schreibt dazu:
"Ich bin mir nicht sicher, ob 'Digger' wirklich ankommt, denn er ist so selbstverliebt – so überbetont."
Eines kann man dem Film aber sicher nicht vorwerfen: Vorhersehbarkeit. Das Skript nimmt im Laufe der Zeit einige sehr wilde Wendungen. Manche werden das feiern, andere könnten aber von den absurden Entwicklungen sogar genervt sein.
Handwerkliche Lichtblicke und ein Tom Cruise in Bestform
Auf der handwerklichen Seite lässt sich dem Film aber kaum etwas vorwerfen. Das Szenenbild ist detailverliebt und die Kameraführung virtuos. Letzteres haben wir erneut Emmanuel Lubezki zu verdanken, der mit Iñárritu bereits für "Birdman" und "The Revenant" zusammenarbeitete. Ein weiterer Pluspunkt: die Performance von Tom Cruise. Obwohl der Hollywood-Star hinter seiner Maske kaum wiederzuerkennen ist, holt er das Beste aus seiner Rolle raus. Oder wie es Sebastian von Film Bastion ausdrückt:
"'Digger' ist die beste Performance von Tom Cruise, die er seit 10 Jahren Jahren abgeliefert hat, weil er hier wirklich einfach mal all in gehen muss."
Ansonsten hat der Film noch eine Reihe weiterer hochkarätiger Namen zu bieten. So bekommen wir unter anderem John Goodman, Sandra Hüller und "House of the Dragon"-Darstellerin Emma D'Arcy zu sehen. Im Vergleich zu Cruise wirken die Schauspieler allerdings ziemlich blass.
Unser Fazit
Am Ende bleibt "Digger" hauptsächlich eins: eine der größten Enttäuschungen des Kinojahres 2026. Statt einer bissigen Satire serviert uns Alejandro G. Iñárritu einen lauten, anstrengenden und inhaltlich überfrachteten Meta-Kommentar, der sich für schlauer hält, als er tatsächlich ist. Ihr wollt euch dennoch eine eigene Meinung bilden? Im Kino läuft der Film am 1. Oktober 2026.
