Zurecht der Horror-Hype des Jahres? Unsere META-Filmkritik zu Obsession
Wir verraten, ob der Horrorfilm überzeugt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein
Das Kinojahr 2026 hat schon einige Überraschungen hervorgebracht, aber keine schlägt gerade so hohe Wellen wie der Horror-Hit "Obsession". Bei einem Budget von gerade mal 750.000 Dollar konnte er weltweit an den Kinokassen über 300 Millionen Dollar einspielen – ein Rekord für eine Indie-Produktion. Doch wird der Film dem gigantischen Hype gerecht? In unserer META-Filmkritik erfahrt ihr, was wir von dem Film halten – und wie er bei anderen Kritikern ankommt!
Die Geschichte: Wenn ein Wunsch zum Albtraum wird
Auf den ersten Blick mag der Plot für eingefleischte Genre-Fans vielleicht schon etwas abgegriffen klingen: Bear (Michael Johnston) gelangt in den Besitz eines mysteriösen, übernatürlichen Spielzeugs. Sein sehnlichster Wunsch: Nikki soll sich unsterblich in ihn verlieben. Das Spielzeug erfüllt den Wunsch prompt – und Nikki beginnt, sich zunehmend seltsam zu verhalten.

Doch lasst euch nicht täuschen! Das Drehbuch bringt mehr als genug frische Ideen ein und verwebt das klassische Horrorszenario geschickt mit hochaktuellen Themen. Im Kern ist "Obsession" nämlich ein Film, der sich intensiv mit toxischen Beziehungsverhältnissen, dem Inceltum, Fragen von Consent und den verheerenden Ausmaßen psychischer Krankheiten befasst. Das sieht auch ein Großteil der Kritiker so. Unter anderem schreibt Christian Zilko von IndieWire.
"Die wohl überraschendste und fesselndste Wendung des Films liegt in Barkers Entscheidung, eine Geschichte von etwas objektiv Schrecklichem – in diesem Fall ein Mann, der einer Frau die Seele raubt und sie in ein psychotisches Ebenbild ihrer selbst verwandelt, um mit ihrem Körper Sex zu haben und so zu tun, als wären sie ein Paar – ausschließlich aus der Perspektive des Täters zu erzählen."
Es gibt allerdings auch einige kritische Stimmen. Scott Tobias vom Magazin The Reveal etwa ist der Film nicht tiefgründig genug:
"Falls 'Obsession' überhaupt eine Aussage haben sollte, ist diese wohl im Laufe der Dreharbeiten verloren gegangen."
Der Cast: eine absolute Award-Performance!
Ein Höhepunkt des Films ist ohne Frage die Besetzung. Die Darsteller sind durchgängig fantastisch, doch eine sticht ganz besonders heraus: Inde Navarrette. Sie spielt Nikki unheimlich eindringlich, beängstigend und im nächsten Moment so verletzlich, dass man den Blick nicht von ihr abwenden kann. Was sie hier abliefert, ist schlichtweg phänomenal. Für uns steht fest: Navarrette muss in der kommenden Award-Saison unbedingt eine tragende Rolle spielen! Darauf können sich auch unsere internationalen Kollegen einigen, darunter YouTuber Cody Leach:
"Sie wird definitiv der Star dieses Films sein. Es mag vielleicht übertrieben klingen, aber ihre schauspielerische Leistung sollte ihr eine Oscar-Nominierung einbringen."
Ein YouTuber wird zum Regisseur
Regie und Crew beweisen hier eindrucksvoll, dass es für ein überzeugendes Filmerlebnis weder gigantische Franchises noch weltbekannte Namen benötigt. Alles, was es braucht, ist eine kreative Idee, ein echtes Händchen für Regie und ein hochmotivierter Cast. Clevere Kameraeinstellungen, ein präziser Schnitt und ein markerschütterndes Sounddesign sorgen für Gänsehaut pur. Das Ergebnis sind einige der wohl gruseligsten Momente, die wir seit Jahren im Kino erleben durften. Oder um es in den Worten von Lenny vom YouTube-Kanal Cinema Strikes Back zu sagen:
"Holy Shit, das ist unfassbar gruselig. Und es ist so gut gemacht. Es ist auf einer psychologischen Ebene auch so interessant und wirklich durchtrieben".
Regisseur Curry Barker dürfte also eine goldene Zukunft bevorstehen – kein Wunder, dass er bereits für die kommende Neuauflage des Kultklassikers "Texas Chainsaw Massacre" auf dem Regiestuhl Platz nehmen darf!
Wenn die Eskalationsspirale an der Glaubwürdigkeit rüttelt
Besonders stark ist der Film, wenn sich die psychologische Eskalationsspirale im Laufe der Handlung immer weiter zuspitzt und das erzwungene Liebesglück in puren Terror umschlägt. Um dem Zuschauer zwischendurch etwas Luft zum Atmen zu geben, streut der Film immer wieder eine feine Prise Humor ein. Allerdings fragt man sich dabei: "Soll ich jetzt wirklich lachen oder nicht?".
Ganz fehlerfrei kommt "Obsession" aber nicht daher – und hier gehen die Meinungen auseinander. Die Charakterzeichnung wird immer wieder positiv hervorgehoben. Doch wir finden: Die Figuren verhalten sich streckenweise schlichtweg nicht nachvollziehbar. Wenn sich eine Freundin offensichtlich immer seltsamer, irrer und bedrohlicher verhält, holt man im echten Leben doch mal Hilfe, anstatt seelenruhig zuzusehen, oder?! James Berardinelli von ReelViews ist einer der Kritiker, die das ähnlich sehen:
"Die Erzählung zwingt die Figuren immer wieder in unglaubwürdige Situationen, nur um die Handlung voranzutreiben."
Zudem macht sich auch die Laufzeit mit ihren 108 Minuten gelegentlich bemerkbar – gerade der Anfang benötigt eine Weile, um in Fahrt zu kommen. Und zu guter Letzt kann der Film leider auch nicht auf genretypische Jumpscares verzichten. Diese wirken oft deplatziert und reißen einen immer wieder kurzzeitig aus der eigentlich so mühsam aufgebauten, dichten Atmosphäre heraus.
Fazit: Ein empfehlenswertes Stück Genre-Kino
Alles in allem lässt sich aber sagen, dass "Obsession" ein Film ist, der seinem Hype durchaus gerecht wird und auch bei der Presse überwiegend positiv bis euphorisch ankommt. Was Curry Barker hier mit einem überschaubaren Budget auf die Beine gestellt hat, ist wirklich beeindruckend. Für eine Top-Wertung hat es bei uns aber nicht gereicht. Am Ende bleibt das Ganze aber Jammern auf hohem Niveau: "Obsession" ist ein guter, verdammt intensiver Horrorfilm. Im Kino startet "Obsession" am 25. Juni 2026.
