Schon jetzt der Film des Jahres? Unsere Kritik zu Marty Supreme mit Oscar-Kandidat Timothée Chalamet
Darum lohnt sich der neue Film von Uncut Gems-Regisseur Josh Safdie!
Mit großen Vorschusslorbeeren kommt der gefeierte Oscar-Kandidat "Marty Supreme" endlich auch hierzulande in die Kinos. In der Hauptrolle: Timothée Chalamet, heißer Anwärter für den Award als bester Schauspieler. Kann der Film seine hohen Erwartungen erfüllen? Und spielt Chalamet Oscar-würdig? Darüber sprechen wir in unserer neuen KinoCheck-Filmkritik!
Die Handlung
In den Hinterhöfen von Manhattan der 50er Jahre sehnt sich der junge Schuhverkäufer Marty Mauser (Timothée Chalamet) nach einem Leben jenseits des Schuhladens seines Onkels. Sein großes Ziel: Tischtennis-Weltmeister werden. Dafür misst er sich nachts in Tischtennis-Hallen mit so einigen Gegnern, um sich ein paar Scheine dazuzuverdienen. Doch für die Teilnahme an internationalen Turnieren reicht das nicht, weshalb sich Marty kurzerhand Geld aus dem Safe seines Onkels "leiht".
Für seine Ambitionen überschreitet Marty immer weitere Grenzen. Er täuscht seine Mutter (Fran Drescher) und seine Freundin Rachel (Odessa A'zion) und versucht in die glamouröse Welt von Schauspiel-Ikone Kay Stone (Gwyneth Paltrow) und Geschäftsmann Milton Rockwell (Kevin O'Leary) zu gelangen. Damit begibt sich Marty auf eine abenteuerliche Odyssee, um seine Ziele zu erreichen – um jeden Preis.

Der neue Safdie-Film
"Marty Supreme" basiert lose auf der Biografie des Tischtennisspielers Marty Reisman. Doch Regisseur Josh Safdie hat sich dabei viele Freiheiten bei der Adaption genommen. Für den Filmemacher ist es die erste große Produktion ohne seinen Bruder Benny. Das Duo hatte zuvor unter anderem mit "Der Schwarze Diamant" ("Uncut Gems") mit Adam Sandler oder "Good Time" mit Robert Pattinson für Aufmerksamkeit gesorgt.
Ein intensives Filmerlebnis
Doch schnell wird klar: Auch ohne Bruder Benny ist "Marty Supreme" ein Film im typischen Safdie-Stil. Beschrieben werden ihre Filme gerne als eine Art Panikattacke in Film-Form, wie ein dauerhafter Adrenalinschub. Genau das trifft auch wieder auf "Marty Supreme" zu. Die Figuren reden, schreien und diskutieren durcheinander, die Kamera ist unruhig, der Elektro-Score dreht auf – "Marty Supreme" ist ein überaus intensives Filmerlebnis.
Die Handlung ist dabei episodisch angelegt und eine echte Odyssee. Marty gerät von der einen abstrusen Situation in die nächste, immer auf dem Weg, seine großen Ziele zu verfolgen. Das heißt meist: Marty braucht irgendwoher Geld und muss seiner Kreativität freien Lauf lassen. Er gerät in einen Strudel aus Fehlentscheidungen, Zeitdruck und eskalierenden Situationen. Zur Folge hat das eine Vielzahl an erinnerungswürdigen einzelnen Szenen. Gleichzeitig treibt einen die gelungene Inszenierung regelrecht durch den Film. Sowohl simple Dialoge als auch die Tischtennis-Matches sind überaus mitreißend.
Der pulsierende Elektro-Score
Insgesamt führen viele Zutaten zu diesem intensiven Erlebnis. An dieser Stelle soll insbesondere auch der gelungene Soundtrack hervorgehoben werden. Angesiedelt ist der Film zwar in den 50er Jahren, musikalisch baut man aber auf 80er-Jahre-Synthie-Pop-Songs und einen Elektro-Score von Daniel Lopatin. Die pulsierende Elektro-Musik unterstreicht perfekt das Erlebnis des Films und treibt einen atemlos durch das Geschehen. Die außergewöhnliche Mischung aus 50ern und 80ern passt erstaunlicherweise ideal zusammen. Die Verschmelzung der unterschiedlichen Epochen gibt dem Film dabei ein zeitloses Gefühl.

Timothée Chalamets Oscar-würdige Performance
Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht vor allem Timothée Chalamet. Bei den diesjährigen Oscars geht er als einer der Favoriten für den Award als bester Hauptdarsteller ins Rennen – und das ist unserer Meinung nach durchaus verdient. In "Marty Supreme" liefert Chalamet die bisher beste Performance seiner Karriere ab. Damit sollen seine Leistungen in Filmen wie "Dune" oder "Call Me By Your Name" keinesfalls geschmälert werden. In "Marty Supreme" geht Chalamet jedoch in die Vollen und beweist seine Vielseitigkeit.
Als Marty Mauser ist er gleichermaßen exzentrisch, charmant, redegewandt, impulsiv und manipulativ. Die Figur steht ständig unter Strom, ist rastlos und verfolgt große Ambitionen. Mauser ist ein narzisstischer Unsympath, dessen Reise man dennoch gebannt verfolgt. Viel davon ist Chalamet zu verdanken. Genau wie der Rest des Films sprüht Chalamet nur so vor Energie. Der Schauspieler macht sich die anspruchsvolle Rolle komplett zu eigen und liefert eine denkwürdige Performance ab, die einen Oscar verdient hätte.
Überzeugende Besetzung und starkes Skript
Auch der restliche Cast weiß zu überzeugen. Gwyneth Paltrow feiert ein starkes Kino-Comeback und vor allem auch Newcomerin Odessa A'zion ist ein echtes Highlight des Films. Besetzt hat Safdie außerdem bekannte Persönlichkeiten wie den Rapper Tyler, the Creator oder den US-Regisseur Abel Ferrara ("Bad Lieutenant"). Insgesamt profitiert der Cast auch von Safdies Skript, das er gemeinsam mit seinem langjährigen Drehbuch-Partner Ronald Bronstein geschrieben hat. "Martry Supreme" hat zahlreiche tolle Dialoge, das Drehbuch ist originell und auch humorvoll.
Unser Urteil
Mit "Marty Supreme" hat es Josh Safdie geschafft, seinen eigenwilligen Stil zu perfektionieren. Noch nie sind seine Ideen besser verschmolzen, noch nie war das Erlebnis seiner Filme intensiver. Für uns ist klar: "Marty Supreme" ist ohne Frage schon jetzt einer der Filme des Jahres! Wir können es kaum erwarten, den Film ein zweites oder drittes Mal zu sehen. Am 26. Februar startet "Marty Supreme" in den Kinos.
Unser Fazit: "Marty Supreme" ist intensiv, mitreißend, unterhaltsam, emotional, elektrisierend – kurzum ein nahezu perfekter Film.
