Milly Alcock als Gegenentwurf zu Superman! Unsere META-Filmkritik zu Supergirl

Wir verraten, ob der neue DC Universe Film überzeugt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein

Von Carlos Corbelle Fraga am 4 min Lesezeit

Superman war gestern. Nun kommt Supergirl. Der neue Film des DC Universe erweitert den Superheldenkosmos um ein interplanetares Science-Fiction-Abenteuer, das ähnlich launig wie die "Guardians of the Galaxy" des Konkurrenten Marvel daherkommt. Doch kann Milly Alcock als Supergirl überzeugen? Was wir und andere Kritiker von dem Film halten, erfahrt ihr in der META-Kritik von KinoCheck!

Darum geht's

Während ihr Cousin Kal-El alias Superman (David Corenswet) auf der Erde für Recht und Ordnung sorgt, hat Supergirl ganz andere Sorgen: Kara Zor-El ist schwer damit beschäftigt, ihren Geburtstag zu feiern. Sie treibt sich auf entlegenen Planeten rum, gibt sich dem Alkoholrausch hin und hat im Grunde nur einen Gegner: den galaktisch gewaltigen Kater am nächsten Morgen. Das ändert sich allerdings, als sie der jungen Ruthye (Eve Ridley) begegnet. Das Mädchen befindet sich auf einem Rachefeldzug – und bittet um Hilfe, um den skrupellosen Schlächter Krem (Matthias Schoenaerts) und dessen Männer ausfindig zu machen. Kara hat zunächst kein Interesse an der ganzen Sache. Bis ihr geliebter Hund Krypto in Mitleidenschaft gezogen wird. Nun hat sie selbst eine Rechnung mit Krem offen.

Supergirl: Ganz anders als der berühmte Cousin

"Supergirl" ist der zweite Film, der im neuen DC Universe von James Gunn und Peter Safran spielt. Inspiriert von der Comic-Miniserie "Supergirl: Woman of Tomorrow" von Tom King und Bilquis Evely geht es hier aber durchaus etwas anders zu als im Vorgänger "Superman". Wenn Krypto bereits in der ersten Szene auf die Zeitung pinkelt, die von Kal-Els neuester Heldentat berichtet, wird klar: Supergirl ist nicht einfach das weibliche Pendant zu Superman – sie ist ein Gegenentwurf. Er zeigt sich gern im Superheldenkostüm, sie bevorzugt ein Blondie-Shirt. Er ist nahezu unverwundbar, sie hadert mit tiefsitzenden Wunden. Er hat auf der Erde eine neue Heimat gefunden, fühlt sich den Menschen verbunden. Sie ist allein.

Gerade diese deutlichen Unterschiede zu "Superman" machen das neue DC-Abenteuer von Regisseur Craig Gillespie so reizvoll. Findet auch Therese Lacson von Collider, die schreibt:

"'Supergirl' ist genauso spritzig und farbenfroh wie 'Superman', bietet jedoch einen kosmischen Twist, der den Ballast abwirft, der mit einer Story auf der Erde einhergeht, und nutzt die Gelegenheit, diese neue Version der Figur wirklich zu entwickeln."

Bei weitem nicht die einzige positive Stimme – insgesamt sind die Reviews zu "Supergirl" aber durchwachsen. Besonders hart geht etwa Tomris Laffly mit dem Film ins Gericht. Die Kritikerin bemängelt auf RogerEbert.com ausgerechnet einige Aspekte der Superheldin, die wir an dem Film besonders schätzen:

"Sie trinkt viel, gibt schlagfertige Sprüche von sich und ist eine kompromisslose Kämpferin – Eigenschaften, die ihre Verletzlichkeit verbergen sollen."

Witz und Tragik

Für Laffly ist das alles bloß ein "Cool-Girl"-Klischee. Das sehen wir anders: Als Heldin strahlt Supergirl eine Punk-Rock-Attitüde aus, die großen Spaß macht. Erst der Exzess, dann die Rettung der Welt. Oder zumindest die Rettung ihres Hundes. Gerade das Trotzige funktioniert bestens. Was nicht nur am coolen Soundtrack von Bands wie Wolf Alice liegt oder daran, dass Kara ihrem Gegner schon mal gern den Mittelfinger zeigt. Sondern auch an den Dialogen von Drehbuchautorin Ana Nogueira liegt, die aus dem Mund ihrer Protagonistin nie aufgesetzt wirken, sondern stets mit einer gewissen Lässigkeit daherkommen. Der Witz kommt offenbar auch bei Molly Freeman von ScreenRant gut an, die den Film insgesamt aber als "mittelmäßig" bezeichnet und damit stellvertretend für viele Kritiker steht, die "Supergirl" nicht schlecht, aber auch nicht herausragend finden – nicht zuletzt angesichts des Vorgängers:

"'Supergirl' bietet jede Menge Humor und Unterhaltung. [...] Insgesamt ist [es] ein gelungener Sommer-Popcorn-Film, auch wenn er die Welt nicht so im Sturm erobern wird wie 'Superman'."

Die Comic-Verfilmung setzt aber nicht nur auf das Augenzwinkernde, sondern auch auf das Tragische. Neben dem zentralen Plot um den Kampf gegen Krem, fließt auch die Origin Story der Heldin mit ein. Wurde ihr Cousin bereits als Baby auf die Erde geschickt, musste Kara einiges durchmachen, bevor sie schließlich auf unserem Planeten landete. Wie sie mit den Traumata ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, ist ein integraler Bestandteil des Films und fügt sich in verdichteten Rückblenden nahtlos ins Gesamtbild ein.

So positiv wird das aber nicht von allen bewertet – auch hier gehen die Meinungen auseinander. Owen Gleiberman von Variety etwa lässt kein gutes Haar an der Origin Story und spricht von einem "schrecklichen Drehbuch". Differenzierter wird das dagegen vom USA-Today-Autor Brian Truitt bewertet:

"Die verschiedenen kryptonischen Rückblenden, die zu Karas und Supermans erstem Treffen führen, bremsen zwar die Dynamik der Haupthandlung etwas, tragen aber dazu bei, Karas Beweggründe zu verdeutlichen und das Bild einer Heldin zu zeichnen, die sich von ihrem Cousin unterscheidet."

Milly Alcock überzeugt als Supergirl auf ganzer Linie

Insgesamt sind wir wesentlicher positiver gestimmt als viele Kollegen. Doch auch wir haben ein paar Dinge zu bemängeln. Etwa, dass der Antagonist Krem nicht allzu vielschichtig daherkommt. Er ist maximal böse und dient in erster Linie dazu, den Plot voranzubringen. Was ihm dafür aber bravourös gelingt. Der Auftritt von Jason Momoa als DC-Kultfigur Lobo ist dagegen eher nebensächlich für die Story, dafür aber ein nettes Geschenk an die Fans. Zudem wirken die CGI-Effekte manchmal artifizieller, als es dem Blockbuster gut tut. Alles in allem fallen diese Aspekte aber kaum ins Gewicht, weil alles von Milly Alcock überstrahlt wird. Mit dem "House of the Dragon"-Star hat man einen Volltreffer bei der Besetzung von Supergirl gelandet. Zumindest in der Hinsicht ist sich ein Großteil der Kritiker einigermaßen einig. Für uns steht fest: Als Kara Zor-El liefert Alcock eine Performance, bei der Witz und Tragik, Lässigkeit und Entschlossenheit perfekt Hand in Hand gehen – und die der Komplexität der Heldin stets gerecht wird. Eine interessantere DC-Superheldin gab es noch nie auf der Leinwand.

Fazit: Von vielen Kritikern wird der Film eher verhalten aufgenommen. Wir finden: Supergirl ist eine fantastische Bereicherung für das neue DC Universe. Milly Alcock überzeugt in einem Sci-Fi-Abenteuer, das trotz kleiner Schwächen ebenso kurzweilig wie der Vorgänger "Superman" ist – aber den reizvolleren Charakter zu bieten hat.

Im Kino startet "Supergirl" am 25. Juni 2026.

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