Dune 2 Vorschau

Was macht Regisseur Villeneuve aus der Buchvorlage?

von Tom Hartig am 26. November 2021

Denis Villeneuves "Dune" war definitiv einer der Hits dieses Kinojahres. Der auf der gleichnamigen Buchreihe von Frank Herbert basierende Blockbuster zeigte aber eigentlich nur einen Teil von dem, was wir aus den Büchern kennen. Wir wollen heute über "Dune: Teil 2" sprechen und bieten euch eine kleine Vorschau zu dem Sequel, das wegweisend für die weitere Entwicklung des "Dune"-Franchise sein wird. Wir behandeln viele Geschehnisse aus den Büchern, aus dem Kinofilm und aus dem alten Film von David Lynch, also gilt natürlich eine entsprechend große Spoilergefahr.

 

Handlung

In "Dune" wurden wir während der knapp zweieinhalb Stunden Laufzeit bereits in das gigantische Universum eingeführt. Die Geschichte spielt im Jahr 10191 und thematisiert den Machtkampf um die Kontrolle über das Galaktische Imperium der Menschheit. Im Mittelpunkt steht Paul Atreides, ein smarter junger Mann, der noch nicht so recht einordnen kann, was sein großes Schicksal sein wird. Der Sohn von Lady Jessica und Herzog Leto Atreides I. findet sich nicht wirklich auf seinem neuen Heimatplaneten Arrakis zurecht und wird schon bald mit dem Tod seines Vaters und der gemeinsamen Flucht mit seiner Mutter vor den Truppen der verfeindeten Familie Harkonnen konfrontiert. Am Ende des Films lernt er das Mädchen Chani kennen, das er bisher lediglich in seinen Träumen gesehen hat und schließt sich den einheimischen Fremen an. 

 

Das Ende von Teil 1 ist angesichts der groß aufgezogenen Geschichte nicht so abrupt, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Der erste Film hat grob die Hälfte von Herberts Buch "Der Wüstenplanet" abgedeckt und hört an dem Punkt auf, als das Haus Atreides quasi nicht mehr existent ist und es nach einem Kampf in Unterzahl aussieht. Ein Ritual, durch das Paul und seine Mutter den Respekt der Fremen erlangen, wurde im Film bereits dargestellt: Paul kämpft gegen Jamis in einem Messerduell – bis zum Tod, so wie es die Gesetze der Fremen verlangen.


Das zweite Ritual kommt hingegen nicht vor, weshalb wir vermuten, dass wir es zu Beginn von "Dune 2" sehen werden. Diesmal ist Pauls Mutter Jessica an der Reihe, denn sie muss vom Wasser des Lebens trinken. Das Wasser des Lebens ist aber entgegen seinem wohlklingenden Namen kein schmackhafter Zaubertrank, sondern die giftige Ausscheidung eines in Wasser ertränkten, jungen Sandwurms. Die Prozedur hat mit dem Glauben der Fremen zu tun, denn dort spielen Würmer eine große Rolle. Sie sind von einer großen Dualität geprägt, denn der Wurm kann sowohl Gott als auch Satan repräsentieren. Durch das Trinken des Wassers wird sie zur Ehrwürdigen Mutter der Fremen, also einer Art spirituellen Anführerin. Als Ehrwürdige Mutter muss sie das Wasser des Lebens dann zu einer ungefährlichen Droge umwandeln, die die Fremen gerne bei ihren Versammlungen konsumieren.

 

Aber wie geht es dann in "Dune 2" weiter? Kenner der Bücher werden wissen, dass nach dem Ritual mit Jessica erst einmal ein recht großer Zeitsprung erfolgt. Hier dürfte Regisseur Villeneuve besonders darauf bedacht sein, die Geschichte nicht zu überhastet zu erzählen, denn das war schließlich eine der großen Schwächen der ersten Verfilmung aus dem Jahre 1984. Es ist also gut möglich, dass man sich Zeit nimmt, die Ankunft und das weitere Leben von Paul und Jessica bei den Fremen darzustellen. Insbesondere denken wir da an die Geburt von Pauls Schwester Alia, die durch das Wasser-Ritual bereits im Bauch ihrer Mutter das Bewusstsein erlangt hat und über sonderbare Kräfte verfügt. Sie ist auch das Mädchen mit den blauen Augen, von der Paul einige Visionen hat. Aufgrund seines erfolgreichen Kampfes gegen Jamis wird Paul von Stammes-Anführer Stilgar übrigens Usul genannt. Frei übersetzt heißt das soviel wie "Säulensockel". Stilgar wird später ein treuer Begleiter und wichtiger Berater der Hauptfigur werden. Die endgültige Akzeptanz bei den Fremen äußert sich dann auch in einem komplett neuen Namen für Paul, und zwar Muad'Dib. Im Gegensatz zu Usul ist dies sein bekannter Name, mit dem ihn von nun an alle anreden. Im Arabischen bedeutet ein ähnliches Wort übrigens soviel wie Lehrer.

 

Ein zweiter Story-Aspekt, der im Buch leider viel zu kurz kommt, ist die anfängliche Liebesbeziehung zwischen Paul und Chani, die ebenfalls während des großen Zeitsprungs ihren Lauf nahm. Man könnte sicherlich Stunden mit dem Entstehen der Beziehung zwischen Paul und Chani bis zur Geburt ihres ersten Kindes füllen. Die große Kunst wird es aber sein, die Balance zwischen ausschweifender Liebesgeschichte und interessanten Storydetails zu finden.

 

So oder so setzt das Buch nach dem Zeitsprung erst recht spät wieder an. Neben seinem persönlichen Familienglück wächst Paul immer mehr in eine Anführer-Position bei den Fremen hinein und auch seine anfangs noch nicht ausgeprägten Kräfte werden immer stärker. Die Fremen sehen in ihm den großen Erlöser, der ihnen immer wieder prophezeit wurde und auch viele der Visionen, die Paul seit langem heimsuchen, werden sich früher oder später zusammenfügen. Besonders durch das ganze Spice, das die Fremen konsumieren, nehmen Pauls Kräfte weiter zu. Infolgedessen wird Paul quasi übermächtig und kann in die Vergangenheit und Zukunft blicken sowie alle Geschehnisse des Universums gleichzeitig sehen.

Ein besonderer Augenschmaus wird es sein, Paul im späteren Verlauf des Films auf den wahren Fan-Lieblingen reiten zu sehen, nämlich auf den Sandwürmern. Als er dann auch noch das Wasser des Lebens trinkt, was eigentlich nur von Frauen überlebt werden kann, vollenden sich seine Kräfte und er wird bereit sein, endlich Baron Harkonnen gegenüberzutreten.

 

Schicksal der Nebenfiguren

Interessant ist die Zukunft des Charakters Gurney Halleck, der von Thanos-Darsteller Josh Brolin verkörpert wird. Der Waffenmeister des Herzogs ist gleichzeitig Pauls Trainer und hat ihn auf die widrigen Bedingungen des Wüstenplaneten vorbereitet. Ähnlich wie bei dem Mentaten Thufir Hawat ist unklar, ob und wie sie den heimtückischen Angriff der Harkonnen überlebt haben. Im Buch wird der Mentat später von Baron Harkonnen zum Dienst genötigt, da sein eigener Mentat Peter de Vries ja aufgrund einer Verwechslung von Herzog Leto getötet wurde.

Ein anderes Schicksal widerfährt Gurney, denn er überlebt überraschenderweise die große Schlacht und widmet sich einem Leben als Spice-Schmuggler. Im Verlauf der Geschichte trifft er auch wieder auf Paul und Jessica, auf die er, sagen wir mal, nicht ganz so gut zu sprechen ist. Vor allem mit letzterer hat er so seine Differenzen. Es gibt natürlich noch mehr Totgeglaubte mit zweifelhaftem Schicksal. Da wäre zum einen die planetare Ökologin Liet Kynes, die in Villeneuves Verfilmung erstmals eine Frau ist, anders als im Buch und im Film von 1984. Laut dem Buch ist sie tatsächlich tot, aber auf der anderen Seite kann man sich natürlich die Frage stellen, ob Villeneuve die Neubesetzung vielleicht aus dem Grund vorgenommen hat, sie auch noch im zweiten Teil auftreten zu lassen. So viel künstlerische Freiheit bei der sich ansonsten sehr nah am Buch bewegenden Verfilmung mag man dem Regisseur auf jeden Fall zutrauen.

Noch wahrscheinlicher ist ein erneuter Auftritt von Duncan Idaho, der beim Angriff auf Arrakis möglicherweise nur verwundet, aber nicht getötet wurde. Der sympathische Charakter, der auch noch vom beliebten Jason Momoa gespielt wird, hat nämlich zumindest in der von Frank Herbert erdachten Welt eine Zukunft. Im alten Film "Der Wüstenplanet" kommt er zwar nicht mehr vor, dafür feiert er im zweiten Buch seine Rückkehr als Ghola. Streng genommen ist Duncan aber nicht mehr am Leben, denn ein Ghola ist ein künstlich geschaffener Mensch, der die Erinnerungen eines Individuums erhält und es somit auf eine gewisse Art und Weise weiterleben lässt.


Wen Kenner des Buchs quasi komplett vermisst haben, ist Imperator Shaddam IV. Er ist der Kaiser des ganzen Universums und zweifelsohne eine der mächtigsten Figuren. Womöglich enthält Villeneuve ihn uns bewusst vor, um ihn dann schlagartig als neuen Bösewicht auf Paul und seine Gefährten zu hetzen. Interessant ist hier der Vergleich zu David Lynchs Film, denn dort wird der Imperator ganz normal gezeigt. Im Netz kursieren jedenfalls etliche Cast-Möglichkeiten, von Michael Fassbender, Jared Harris bis hin zu Mads Mikkelsen oder Ralph Fiennes. Der im Buch beschriebene schlanke, elegante Mann mit den kalten Augen wäre jedenfalls für viele Schauspieler wie maßgeschneidert, es gibt jedoch noch keine verlässlichen Informationen zu einer Besetzung.

 

Unterm Strich kann man also sagen, dass "Dune: Teil 1" sich im Vergleich zu der möglichen Handlung von Teil 2 in einer relativ kurzen Zeitspanne abspielt. Die Schwierigkeit beim Nachfolger ist die sinnvolle Verknüpfung zwischen dem Ende des ersten und dem Anfang des zweiten Films. Zwischen Pauls und Jessicas Anschluss an die Fremen und dem großen Angriff auf den Baron bzw. später sogar den Imperator vergeht einiges an Zeit. Dazwischen muss Villeneuve eine gigantische Fülle an Ereignissen unterbringen oder zumindest so zurechtschneiden, dass sie dem Umfang des Buches und einem adäquaten Leinwand-Abenteuer gleichzeitig gerecht wird. Jessica muss sich dem Ritual stellen, Paul wird zum Muad'Dib, lernt das Reiten auf Sandwürmern und gleichzeitig muss man auch noch das große Finale des zweiten Teils vorbereiten bzw. viele der vorhin genannten Charaktere einbeziehen. Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt auf "Dune: Teil 2" und freuen uns auf die geplante Veröffentlichung in knapp zwei Jahren am 19. Oktober 2023.

Bild zu DUNE 2: Pauls Rache (2023) Filmvorschau