Startdatum für das Possession-Remake von Parker Finn preisgegeben
Die Dreharbeiten laufen bereits
Mit den beiden "Smile"-Filmen konnte Parker Finn seinen Status im Horror-Genre zementieren. Nun wird sich der Regisseur einem Remake des Horrorklassikers "Possession" widmen – und ein Startdatum gibt es auch schon.
Wie das Branchenmagazin Deadline berichtet, soll uns die Neuauflage am 11. Juni 2027 in den Kinos erwarten – ein deutscher Starttermin steht noch aus. Wir rechnen allerdings mit einer Veröffentlichung am 10. Juni.
Für die beiden Hauptrollen wurden Callum Turner und "The Substance"-Star Margaret Qualley verpflichtet, die somit in die Fußstapfen von Sam Neill und Isabelle Adjani treten. Auch die Nebenrollen sind prominent besetzt. Mit dabei sind unter anderem Diego Calva, "The Handmaid's Tale"-Darstellerin Madeline Brewer, Emory Cohen, Nicholas Alexander Chavez und Paul Dano. Die Dreharbeiten sind bereits in vollem Gange – inklusive erster Leaks vom Set.
"Possession" von Andrzej Żuławski aus dem Jahr 1981 gilt als Meilenstein des psychologischen Horrors. Im Mittelpunkt steht ein Ehepaar, dessen Beziehung kurz vor dem Zusammenbruch steht. Während die Scheidung immer unausweichlicher erscheint, beginnt die Frau ein zunehmend paranoides und unberechenbares Verhalten an den Tag zu legen. Schließlich entdeckt ihr Mann, dass sie in einer heruntergekommenen Wohnung ein schreckliches Geheimnis verbirgt.
Im Original war die Handlung eng mit dem geteilten Berlin und einem Spionage-Setting verknüpft. Für das Remake soll dieser historische Hintergrund allerdings verändert werden. Parker Finn wird die Geschichte offenbar in ein neues Umfeld übertragen, während die grundlegenden Themen – der Zerfall einer Beziehung, Wahnsinn, Besessenheit und körperlicher Horror – erhalten bleiben sollen.
Possession: Warum dieser Horrorfilm bis heute einzigartig ist
Es gibt Horrorfilme, die mit Schockeffekten, Monstern oder Blutbädern arbeiten – und dann gibt es "Possession". Der Film des polnischen Regisseurs Andrzej Żuławski aus dem Jahr 1981 gilt heute als einer der verstörendsten und außergewöhnlichsten Horrorfilme aller Zeiten. Jahrzehntelang war das Werk nur schwer erhältlich und entwickelte sich zum Kultfilm unter Cineasten und Horrorfans. Was "Possession" so besonders macht, ist jedoch nicht nur sein legendärer Ruf, sondern die Tatsache, dass er sich jeder eindeutigen Einordnung entzieht. Der Film ist Horror, Psychodrama, Beziehungsstudie, Body Horror und surrealer Albtraum zugleich.
Eine Ehe wird zum Albtraum
Im Mittelpunkt stehen Mark und Anna, gespielt von Sam Neill und Isabelle Adjani, deren Ehe in Berlin kurz vor dem Zusammenbruch steht. Mark kehrt von einer geheimnisvollen Tätigkeit zurück und bemerkt, dass Anna sich zunehmend seltsam verhält. Was zunächst wie eine Geschichte über Untreue und Trennung beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einem surrealen Horrorszenario, in dem Realität und Wahnsinn kaum noch voneinander zu unterscheiden sind.
Gerade diese Mischung macht "Possession" so faszinierend. Der Film verweigert dem Publikum einfache Antworten. Das Monster, das im Verlauf der Handlung auftaucht, ist nicht bloß ein klassischer Antagonist, sondern wirkt wie eine Manifestation unterdrückter Gefühle, sexueller Begierden, Schuld und emotionaler Zerstörung. Die Ehekrise der Hauptfiguren wird nicht realistisch erzählt, sondern in extreme, körperliche und groteske Bilder übersetzt. Dadurch entsteht ein Horror, der weniger auf äußeren Bedrohungen basiert als auf inneren Abgründen.
Isabelle Adjani liefert eine Jahrhundertleistung
Besonders berühmt ist Isabelle Adjanis Darstellung. Ihre Performance gehört zu den intensivsten Schauspielleistungen der Filmgeschichte. Vor allem die legendäre U-Bahn-Szene, in der ihre Figur einen emotionalen und körperlichen Zusammenbruch erleidet, hat Filmgeschichte geschrieben. Adjani spielt nicht einfach eine Frau, die den Verstand verliert – sie verkörpert Schmerz, Wut, Verzweiflung und völlige Entgrenzung mit einer Intensität, die selbst erfahrene Horrorfans erschüttert. Für ihre Leistung wurde sie bei den Filmfestspielen in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet.
Horror als Ausdruck emotionaler Zerstörung
Ein weiterer Grund für die außergewöhnliche Wirkung des Films liegt in Żuławskis Inszenierung. Die Kamera ist ständig in Bewegung, Figuren rennen, schreien, gestikulieren und wirken, als stünden sie permanent unter Strom. Es gibt kaum Momente der Ruhe. Diese übersteigerte Theatralik ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts. "Possession" fühlt sich an wie ein Fiebertraum, in dem Emotionen jede rationale Ordnung zerstören.
Hinzu kommt der historische Kontext. Der Film spielt im damals geteilten Berlin, und viele Interpretationen sehen in der Mauer sowie der politischen Spaltung eine zusätzliche Bedeutungsebene. Trennung, Isolation und Identitätsverlust spiegeln sich nicht nur in der Beziehung der Figuren, sondern auch in der Umgebung wider. Żuławski selbst verarbeitete in "Possession" offenbar seine eigene Scheidung, weshalb viele Szenen eine ungewöhnlich persönliche und schmerzhafte Intensität besitzen.
Ein Kultfilm, der bis heute nachwirkt
Trotz seiner Bedeutung war "Possession" lange Zeit ein problematischer Film. In mehreren Ländern wurde er zensiert oder gekürzt, weil seine Mischung aus Sexualität, Gewalt und psychischer Extreme als verstörend galt. Erst in den letzten Jahren erhielt der Film durch Restaurierungen und Wiederveröffentlichungen die Aufmerksamkeit, die ihm viele Kritiker schon lange zuschreiben.
Heute gilt "Possession" als Meilenstein des psychologischen Horrors und als Vorläufer vieler moderner Arthouse-Horrorfilme. Werke wie "Hereditary", "The Babadook" oder "Titane" stehen in einer Tradition, die "Possession" entscheidend geprägt hat. Der Film zeigt, dass Horror weit mehr sein kann als Spannung oder Schock – nämlich ein radikaler Ausdruck menschlicher Gefühle.
Genau deshalb bleibt "Possession" bis heute einzigartig. Der Film erschreckt nicht nur durch seine Bilder, sondern durch seine emotionale Wucht. Wer ihn sieht, vergisst ihn meist nicht mehr – und das ist vielleicht das größte Kompliment, das man einem Horrorfilm machen kann.