Eine schwierige Odyssee! Unsere META-Filmkritik zu Vaiana

Wir verraten, ob Disneys Real-Verfilmung mit Catherine Laga'aia & Dwayne Johnson überzeugt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein

Von Carlos Corbelle Fraga am 5 min Lesezeit

Als Animationsheldin segelte Vaiana schon vor zehn Jahren übers Meer. Nun wiederholt sich ihre Odyssee – in Form eines Live-Action-Remakes von Disney. Doch wie wird sich Vaiana (die im US-Original Moana heißt) diesmal schlagen? Kann der Realfilm mit Catherine Laga'aia und Dwayne Johnson überzeugen? In der META-Kritik von KinoCheck erfahrt ihr, wie wir "Vaiana" finden und wie andere Kritiker den Film beurteilen!

Darum geht's

Vaiana (Catherine Laga'aia) wächst auf der Insel Motunui auf, verbringt dort eine glückliche Kindheit. Als Jugendliche spürt sie jedoch, dass das nicht alles sein kann, dass ihr Schicksal jenseits ihrer Heimat liegt. Als die Ressourcen auf Motunui mysteriöserweise knapp zu werden drohen, fasst Vaiana einen Entschluss: Sie folgt dem Ruf des Ozeans und wagt sich aufs weite Meer hinaus. Was sie zu tun hat, um ihr Volk zu retten, weiß sie von ihrer ebenso liebevollen wie weisen Großmutter (Rena Owen): Sie muss den gestaltwandelnden Halbgott Maui (Dwayne Johnson) finden. Tatsächlich gelingt ihr das auch schon bald – doch damit hat ihr Abenteuer gerade erst begonnen.

Mit "Vaiana" bringt Disney die nächste Live-Action-Adaption eines Animations-Musicals ins Kino. Die Devise lautet in den meisten Fällen: Songs, Story, Look und Feel sollen im Wesentlichen nah am Original sein – was bei "Vaiana" besonders deutlich der Fall ist. Trotz der Nähe zur animierten Vorlage bergen die Real-Verfilmungen von Disney jedoch stets die Gefahr, dass Charme und Witz auf der Strecke bleiben. Dass letztlich die Magie verloren geht, die sich eben nicht so leicht eins zu eins übertragen lässt. Was angesichts der großen Ähnlichkeit zum beliebten Original der Mehrwert der "Vaiana"-Neuauflage sein soll, ist eine Frage, die viele Kritiker bei der Besprechung des Remakes besonders umtreibt – und maßgeblich dazu beiträgt, dass der Film insgesamt eher mittelmäßig bewertet wird. Jake Coyle von The Associated Press etwa schreibt:

"Die neue [Verfilmung von] 'Vaiana' ist ein oft Szene für Szene, Note für Note nachgestelltes Remake des Originals, das nur hier und da neues Material enthält. […] Doch vom ganzen Einfallsreichtum ist nichts mehr übrig."

Grüne Göttinnen und riesige Vulkanmonster

Was wir "Vaiana" zugutehalten wollen: Die Macher um Regisseur Thomas Kail profitieren von der maritimen Kulisse, die sich auch in der Realverfilmung sehen lassen kann – auch wenn sich die CGI-Elemente nicht immer perfekt integrieren. Vor allem das Insel-Setting zu Beginn des Films ist hübsch anzuschauen und auch die phantastischen Wesen, denen Vaiana im Laufe ihrer Odyssee begegnet – grüne Göttinnen und riesige Vulkanmonster, die aus dem Ozean aufsteigen – sind prächtig in Szene gesetzt. Doch auch was den Look angeht, gibt es geteilte Meinungen. Mitunter wird der Mix aus realen Szenen und CGI kritisiert. Besonders angetan ist dagegen Nell Minow von RogerEbert.com:

"[Der Kameramann Oscar Faura] setzt die Kamera gekonnt ein, um uns die Weite des Ozeans zu verdeutlichen und uns spüren zu lassen, wie sich Moana dabei fühlt. Das Produktionsdesign von John Myhre ist wunderbar einladend, wobei jeder Raum bis ins kleinste Detail unverwechselbar gestaltet ist."

Catherine Laga'aia und Dwayne Johnson stehen im Mittelpunkt

Für uns stimmt zudem die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Catherine Laga'aia und Dwayne Johnson. Letzterer war auch schon im animierten Original der Synchronsprecher von Maui und trägt maßgeblich dazu bei, dass der schlagfertige Halbgott auch in der Live-Action-Version halbwegs funktioniert – im Gegensatz zu anderen berühmten Disney-Reinkarnationen wie etwa Dschinni aus Guy Ritchies "Aladdin"-Verfilmung. Gerade Laga'aias Performance wird von Kritikern positiv bewertet – selbst von denen, die den Film an sich eher negativ beurteilen. David Rooney, der zu denen gehört, die dem "Vaiana"-Remake wahlgesonnen sind, bringt seine Begeisterung über die Performance der beiden Stars im Hollywood Reporter prägnant zum Ausdruck:

"Johnson und Laga'aia harmonieren hervorragend als ungleiches Duo, egal ob sie sich einer Katastrophe oder einem Abenteuer stellen müssen […]."

Der Funke will nicht überspringen

Insgesamt lässt der Film uns aber seltsam kalt. Wirkliche Spannung kommt nicht auf, ganz gleich, wie groß die Gefahren sind, denen Vaiana und Maui begegnen. Was auch mit den Figuren zu tun hat, die insgesamt recht profillos daherkommen – trotz trauriger Backstory von Maui. Gerade bei der Protagonistin Vaiana nimmt sich der Film zu Beginn durchaus Zeit, um sie dem Publikum vorzustellen, bevor sie sich auf ihre abenteuerliche Ozeanreise begibt. Dennoch gelingt es den Machern nicht, der Heldin die nötige Tiefenschärfe zu verleihen. Auch dann nicht, wenn sie ihre Gefühe in Form von Songs zum Ausdruck bringt.

Antje Wessels von Wessels Filmkritik schreibt, dass sich der Zauber des animierten Originals "nur noch punktuell" einstelle. Fügt aber hinzu:

"Umso wertvoller sind jene Momente, in denen die Musik das Ruder übernimmt. Denn die von Lin-Manuel Miranda geschriebenen Songs haben auch nach fast einem Jahrzehnt nichts an ihrer Wirkung eingebüßt."

Diesen Aspekt sehen wir etwas anders. Bezeichnend ist die Szene im ersten Drittel des Films, in der Vaiana Abschied von der geliebten Großmutter nehmen muss. Der vermeintlich emotionale Impact dieses Augenblicks verblasst vollkommen, als Vaiana gleich darauf einen ihrer vielen Songs zum Besten gibt – in perfekt produzierter Smash-Hit-Manier. Wieso trauern, wenn man auch die Charts stürmen kann? Gerade an der Stelle wird deutlich: "Vaiana" ist ein Hochglanzprodukt ohne Ecken und Kanten – jeder Ton sitzt und doch klingt alles harmlos.

Fazit: Insgesamt hat es das Remake bei vielen Kritikern nicht leicht. Und auch wir können uns mit dem Film nur bedingt anfreunden: "Vaiana" punktet mit der maritimen Kulisse und den Darstellern – so richtig will der Funke aber nicht überspringen.

Im Kino startet "Vaiana" am 9. Juli 2026

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