The Bookie and the Bruiser: Vince Vaughn im neuen Film von S. Craig Zahler
Der umstrittene Regisseur kehrt mit einem neuen Projekt zurück!
Lange mussten Fans des kompromisslosen Genrekinos warten, nun gibt es endlich konkrete Neuigkeiten: Regisseur S. Craig Zahler arbeitet offiziell an seinem nächsten Spielfilm. Wie World of Reel berichtet, soll Vince Vaughn die Hauptrolle in "The Bookie and the Bruiser" übernehmen.
Vaughn gilt als einer der engsten Vertrauten von Zahler und war bereits in "Brawl In Cell Block 99" und "Dragged Across Concrete" zu sehen. Zudem ist auch "The Gentlemen"-Darsteller Theo James Teil der Besetzung.
"The Bookie And The Bruiser" spielt im Jahr 1959 in New York und erzählt die Geschichte zweier Kriegsveteranen, die nach dem Zweiten Weltkrieg versuchen, im normalen Leben wieder Fuß zu fassen. Zurück in ihrer Heimat stellen sie allerdings fest, dass sie keinen Platz mehr in der Gesellschaft haben. Perspektivlosigkeit und Entfremdung treiben sie schließlich in das illegale Glücksspielmilieu. Dort arbeiten sie als Team: Rivner fungiert als Buchmacher, während Boscolo die Rolle des gewalttätigen Vollstreckers übernimmt. Anfangs scheint das riskante Geschäft lukrativ zu sein, doch die Situation eskaliert, als die beiden zwischen die Fronten einer irischen Gangsterbande und der italienischen Mafia geraten. Die Dreharbeiten sollen im März in Toronto beginnen. Ein offizielles Startdatum steht bisher noch aus.
S. Craig Zahler: Der kompromisslose Außenseiter des amerikanischen Genrekinos
S. Craig Zahler gehört zu den eigenwilligsten Regisseuren des modernen US-Kinos. Mit nur drei Spielfilmen hat er sich einen Ruf als kompromissloser Auteur erarbeitet, der sich konsequent über Konventionen hinwegsetzt. Seine Filme sind brutal, langsam erzählt und moralisch herausfordernd – und genau deshalb so polarisierend. Zahler inszeniert Genre-Kino ohne Zugeständnisse an Mainstream-Erwartungen und hat sich damit eine treue Fangemeinde aufgebaut.
Bone Tomahawk (2015): Der Western als Albtraum
Zahlers Spielfilmdebüt "Bone Tomahawk" erschien 2015 und überraschte Publikum wie Kritiker gleichermaßen. Was zunächst wie ein klassischer Western beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einem gnadenlosen Horrorfilm. Im Mittelpunkt steht eine kleine Gruppe von Männern, die sich auf eine Rettungsmission durch die Wildnis begeben, um entführte Dorfbewohner aus den Fängen eines mysteriösen Stammes zu befreien.
Der Film zeichnet sich durch einen ungewöhnlich ruhigen Erzählrhythmus aus. Lange Dialogpassagen, trockener Humor und detaillierte Figurenzeichnung prägen die erste Hälfte, bevor die Geschichte in erschütternde Gewalt eskaliert. Besonders die berüchtigte Schlüsselszene machte "Bone Tomahawk" berühmt – oder berüchtigt. Zahler bewies hier erstmals sein Gespür für harte Kontraste und seine Bereitschaft, dem Publikum Unbehagen zuzumuten. Gleichzeitig überzeugte der Film durch starke schauspielerische Leistungen, insbesondere von Kurt Russell.

Brawl In Cell Block 99 (2017): Abstieg in die Hölle
Mit "Brawl In Cell Block 99" aus dem Jahr 2017 verlagerte Zahler sein Interesse vom Western ins Gefängnisdrama. Vince Vaughn spielt darin einen ehemaligen Boxer, der nach einer Reihe fataler Entscheidungen im Gefängnissystem landet und immer tiefer in eine Spirale aus Gewalt gezogen wird. Der Film ist eine brutale Studie über Verzweiflung, Opferbereitschaft und die zerstörerische Logik institutioneller Gewalt.
Auffällig ist Zahlers Inszenierungsstil: Die Kamera bleibt oft statisch, die Schnitte sind minimalistisch, und die Gewalt wird nicht stilisiert, sondern roh und schmerzhaft gezeigt. Vaughn überrascht in einer radikal gegen sein sonstiges Image arbeitenden Rolle und etabliert sich hier erstmals als idealer Zahler-Darsteller. "Brawl In Cell Block 99" ist zugleich eine Charakterstudie und ein kompromissloses Exploitation-Drama, das klassische Gefängnisfilm-Motive auf extreme Weise zuspitzt.
Dragged Across Concrete (2018): Moralischer Abgrund im Polizeifilm
Nur ein Jahr später folgte mit "Dragged Across Concrete" Zahlers bislang ambitioniertester Film. Das düstere Crime-Drama begleitet zwei Polizisten, gespielt von Mel Gibson und erneut Vince Vaughn, die nach einer Suspendierung in illegale Machenschaften verwickelt werden. Parallel erzählt der Film die Geschichte eines ehemaligen Sträflings, der verzweifelt versucht, seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen.
Thematisch setzt sich Zahler hier mit Rassismus, sozialer Ungleichheit und moralischem Verfall auseinander. Der Film verweigert einfache Antworten und zeichnet seine Figuren bewusst ambivalent. Kritiker warfen "Dragged Across Concrete" vor, provokante Positionen nicht ausreichend einzuordnen, während Befürworter gerade diese moralische Offenheit als Stärke lobten. Unbestritten ist jedoch die formale Konsequenz: Der Film ist lang, dialoglastig und voller spannungsgeladener Pausen, die schließlich in eruptiver Gewalt münden.
Wiederkehrende Motive und Stilmerkmale
Zahlers Filme verbindet eine klare Handschrift. Er bevorzugt langsames Erzählen, detaillierte Charakterzeichnungen und eine Gewaltästhetik, die schockieren soll, nicht unterhalten. Seine Welten sind von Hoffnungslosigkeit, männlicher Verzweiflung und gesellschaftlichem Zerfall geprägt. Oft stehen Figuren im Mittelpunkt, die von Systemen zermalmt werden oder sich bewusst außerhalb moralischer Normen bewegen. Auch die Zusammenarbeit mit wiederkehrenden Schauspielern, insbesondere Vince Vaughn, ist ein Markenzeichen. Zahler nutzt deren physische Präsenz gezielt, um Bedrohlichkeit und emotionale Härte zu vermitteln.
Ein kleines Werk mit großer Wirkung
Obwohl S. Craig Zahler bislang nur drei Spielfilme realisiert hat, ist sein Einfluss auf das moderne Genre-Kino beachtlich. Seine Werke spalten, provozieren und bleiben im Gedächtnis. Zahler erzählt keine komfortablen Geschichten – er zwingt sein Publikum, hinzusehen. Genau das macht ihn zu einer der spannendsten, wenn auch unbequemsten Stimmen des zeitgenössischen Films.
