Kommentar zu den Oscars 2026: Grandiose Gewinner – und ein großer Verlierer
Darum hat die Academy (fast) alles richtig gemacht
Bei den Oscars 2026 lief alles auf das große Duell zwischen den Top-Favoriten "One Battle After Another" und "Blood & Sinners" hinaus. Und zwar zu Recht! Die beiden Filme gehören zweifellos zum Besten, was die Verleihung der 98. Academy Awards zu bieten hatte. Doch was zeichnet die beiden Abräumer aus? Und was ist mit den anderen Filmen, die im Rennen waren? So viel sei schon mal verraten: Die Academy hat in diesem Jahr vieles richtig gemacht. Beim besten Animationsfilm hätte die Oscar-Jury aber dem Huntr/x-Hype widerstehen sollen. Und: Es gibt einen großen Verlierer, der Besseres verdient hätte.
Der große Oscar-Gewinner: One Battle After Another
Der ganz große Gewinner der Oscars 2026 ist "One Battle After Another". Sechs Oscars gab es im Laufe des Abends, darunter für den besten Film, Regisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson sowie Nebendarsteller Sean Penn. Es war ein Sieg, der ähnlich zwingend erschien wie der Preisregen für Christopher Nolans Oscar-Abräumer "Oppenheimer" vor zwei Jahren. Warum? Weil auch hier drei unwiderstehliche Faktoren zusammenkamen. Ein Film, der von Kritik und Publikum gefeiert wird. Gedreht von einem der renommiertesten Regisseure, der seit Jahren eine Oscar-Auszeichung verdient hätte, aber bis zum heutigen Abend immer leer ausging. Mit einer Story, die zeitgeistiger kaum sein könnte.
Im Mittelpunkt steht ein untergetauchter, abgehalfterter Ex-Revolutionär (Leonardo DiCaprio), der mit seiner Tochter (Chase Infiniti) vor einem rassistischen Soldaten (Sean Penn) fliehen muss. Mit viel Witz und noch mehr Wahnwitz erzählt der Action-Thriller vom Kampf gegen zunehmend faschistoide Verhältnisse – und hält dabei den derzeitigen politischen US-Verhältnissen einen angemessen grotesken Spiegel vor.

Weiterer Oscar-Abräumer: Blood & Sinners
Nicht weniger verdient wäre der Preis für den besten Film allerdings auch für "Blood & Sinners" gewesen, der mit 16 Nominierungen bereits vorab Geschichte schrieb – kein anderer Film war zuvor für so viele Oscars im Rennen. Der Mix aus Musik-, Gangster- und Horrorfilm führt uns in ein Nachtlokal der Schwarzen Community in den US-Südstaaten der 1930er, das eines Abends von Vampiren attackiert wird. Regisseur Ryan Coogler inszeniert das Ganze ungeheuer stilsicher, atmosphärisch und – wie es sich für einen Vampirfilm gehört – auch blutig.
Zudem ist "Blood & Sinners" betörend fotografiert von Autumn Durald Arkapaw, die als erste weibliche Person of Color für den Oscar in der Kategorie Beste Kamera nominiert wurde – und gewann. Ein Genre-Juwel, das vor fast 100 Jahren spielt, aber nicht weniger gegenwärtig als "One Battle After Another" den anhaltenden Rassismus beklagt und zugleich die Generationen überdauernde Kraft der Musik zelebriert. Am Ende gab es dafür vier Oscars, darunter den Award für das beste Original-Drehbuch und den besten Hauptdarsteller Michael B. Jordan.

Der große Oscar-Verlierer: Marty Supreme
Damit setzte sich Jordan, der die Doppelrolle zweier krimineller Zwillingsbrüder eindrucksvoll verkörpert, gegen den lange als Favoriten gehandelten Timothée Chalamet durch. Keine Frage: Der Award für Jordan ist verdient. Aber: Was Chalamet in "Marty Supreme" abzieht, wäre mehr als nur Oscar-würdig gewesen. Vielschichtig, mitreißend und einnehmend spielt er einen ehrgeizigen Profi-Tischtennisspieler der 1950er Jahre, bei dem Charme und Großkotzigkeit Hand in Hand gehen.
Die zeitlose Performance einer Filmfigur, die sich so ihrer Zeit voraus zu fühlen scheint, dass selbst der Soundtrack drei Jahrzehnte überspringen muss, um den Protagonisten zum New-Wave-Sound der 80er durch den Film zu begleiten. Für den Oscar hat es leider trotzdem nicht gereicht. Mehr noch: "Marty Supreme" ist generell der große Verlierer der Oscars 2026. Mit neun Nominierungen ins Rennen gegangen, geht das turbulente Sportdrama von Josh Safdie letztlich vollkommen leer aus.

Erfolgreicher lief es dagegen für Guillermo del Toros "Frankenstein". Die Verfilmung des klassischen Horrorromans von Mary Shelley wurde dreifach ausgezeichnet und gewann damit nach "One Battle After Another" und "Blood & Sinners" die meisten Awards des Abends. Die berühmte Story um die Erschaffung von Frankensteins Monster wurden selten so einfühlsam wie von del Toro erzählt und sieht obendrein prächtig aus. Der Lohn der Mühe: Oscars für das beste Produktionsdesign, die Kostüme sowie Make-Up und Hairstyling.
Weitere Oscar-Favoriten setzen sich durch
Keinerlei Zweifel gab es daran, wer den Oscar als beste Hauptdarstellerin bekommen würde: Jessie Buckley kam, sah und siegte. Da hatte selbst die ebenfalls nominierte Emma Stone keine Chance. Auch wenn Stones galaktisch gute Darstellung einer von Verschwörungstheoretikern entführten Businessfrau im bitterbösen "Bugonia" ihresgleichen sucht. Als William Shakespeares Ehefrau Agnes spielt Buckley in "Hamnet" einfach dermaßen kraftvoll, herzzerreißend und bewegend, dass Tränen im Kinosaal garantiert sind. Auch wenn das Ende von Chloé Zhaos Drama über die Ehe der Shakespeares und die Entstehung von "Hamlet" den emotionalen Bogen ein klein wenig überspannt.

Zu den stärksten Hauptdarstellerinnen der diesjährigen Oscar-Season gehört auch Renate Reinsve. In "Sentimental Value" spielt sie die Tochter eines berühmten Filmregisseurs (der ebenfalls nominierte Stellan Skarsgård), der ein schwieriges Verhältnis zu seinen Töchtern pflegt. Die großartigen Darsteller gingen angesichts der starken Konkurrenz leer aus. Der Film holte für Norwegen aber den Oscar als bester internationaler Film. Das Familien- und Künstlerdrama von Joachim Trier war ohnehin der Favorit, von daher gab es auch in dieser Kategorie keine Überraschung.
Auch wenn mit "The Secret Agent" ein starker Konkurrent aus Brasilien im Rennen war, dem ebenfalls gute Chancen eingeräumt wurden. Der politische Thriller von Kleber Mendonça Filho wäre womöglich die interessantere Wahl gewesen, weil er auf so ungewöhnliche Weise mit den Regeln des Genres spielt, dass man das Gefühl hat, eine ganz neue Form von politischem Thriller zu sehen. "Sentimental Value" wirkt dagegen konventioneller, ist aber dank herausragender Darsteller und einer unaufgeregten, ungemein nuancierten Erzählweise ebenso gut.

Auch die Oscars erliegen den KPop Demon Hunters
Bei der Kategorie Bester Animationsfilm hätte allerdings durchaus ein anderer Film gewinnen sollen. Ausgezeichnet wurde jedoch "KPop Demon Hunters". Hat jeder prognostiziert, ist auch so eingetreten, hätte aber nicht sein müssen. Klar, das Fantasy-Animationsabenteuer über die K-Pop-Girlgroup Huntr/x, die auf Dämonenjagd geht, hat einen riesigen Impact gehabt. Es ist der erfolgreichste Netflix-Film aller Zeiten. Alle haben darüber geredet, die Songs wurden Hits. Vor allem "Golden", der auch unabhängig vom Film ein Ohrwurm ist und ebenfalls bei der diesjährigen Oscar-Verleihung als bester Song ausgezeichnet wurde. Ansonsten ist der Film aber relativ simpel gestrickt, überschaubar witzig und von einer etwas seltsamen Haltung geprägt, die Selbstakzeptanz predigt, aber Gefälligkeit einfordert. Denn gehen die Fans, geht auch die Welt unter. In der Welt der "KPop Demon Hunters" wortwörtlich.

Dem größten Konkurrenten "Zoomania 2" kann man dagegen bloß vorwerfen, dass es dasselbe macht wie in Teil 1: einen klugen, witzigen, sorgfältig konstruierten Kriminalfall der etwas anderen Art zu erzählen, der obendrein mit seinem visuellen Reichtum glänzt. Aber gut, offenbar konnte auch die Oscar-Jury dem Huntr/x-Hype nicht widerstehen.
Die Spielfilme mit den meisten Oscar-Auszeichnungen 2026
- One Battle After Another (6 Oscars)
- Blood & Sinners (4)
- Frankenstein (3)
- KPop Demon Hunters (2)
- Hamnet (1)
- Weapons – Die Stunde des Verschwindens (1)
- Sentimental Value (1)
- F1 (1)
- Avatar: Fire and Ash (1)

Die Oscar-Auszeichnungen 2026 im Überblick
Bester Film: One Battle After Another
Beste Regie: Paul Thomas Anderson ("One Battle After Another")
Beste Hauptdarstellerin: Jessie Buckley ("Hamnet")
Bester Hauptdarsteller: Michael B. Jordan ("Blood & Sinners")
Bester Nebendarsteller: Sean Penn ("One Battle After Another")
Bester Nebendarstellerin: Amy Madigan ("Weapons – Die Stunde des Verschwindens")
Bestes Casting: One Battle After Another
Bestes Original-Drehbuch: Blood & Sinners
Bestes adaptiertes Drehbuch: One Battle After Another
Bester internationaler Film: Sentimental Value
Bester Animationsfilm: KPop Demon Hunters
Bester Dokumentarfilm: Ein Nobody gegen Putin
Beste Kamera: Blood & Sinners
Bester Schnitt: One Battle After Another
Bestes Produktionsdesign: Frankenstein
Bester Sound: F1
Bester Original-Score: Blood & Sinners
Bester Original-Song: Golden ("KPop Demon Hunters")
Bestes Kostüm-Design: Frankenstein
Bestes Make-Up und Hairstyling: Frankenstein
Beste visuelle Effekte: Avatar: Fire and Ash
Bester Live-Action-Kurzfilm: The Singers und Two People Exchanging Saliva (beide Filme gewannen aufgrund eines Unentschiedens)
Bester animierter Kurzfilm: Das Mädchen, das Perlen weinte
Bester Dokumentar-Kurzfilm: All die leeren Zimmer
