Michael Jackson im Kino: Eine Enttäuschung! Unsere META-Filmkritik zu Michael
Wir verraten, wie das Biopic mit Jaafar Jackson ist – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein
Mit "Michael" kommt der lang erwartete große Film über Michael Jackson ins Kino. Das Biopic wird kontrovers diskutiert – und hat bei Filmkritikern einen schweren Stand. Auch bei uns. Doch woran liegt das? Und kann Michael Jacksons Neffe Jaafar Jackson in der schwierigen Rolle des King of Pop überzeugen? In der META-Filmkritik von KinoCheck erfahrt ihr, was wir von "Michael" halten und was andere Kritiker sagen!
Darum geht's
Ein großer Auftritt steht bevor. Vor der Bühne jubelt die Menge, wartet sehnsüchtig darauf, dass ihr Musikidol das Rampenlicht betritt. Michael Jackson steht mit dem Rücken zu uns, auf den Auftritt müssen wir bis zum Ende des Films warten. Was folgt, ist ein Rückblick auf die Geschehnisse, die bis zu diesem Moment führten. Alles beginnt in den 1960ern, in Michaels Heimat Gary, Indiana. Wir sehen, wie er bereits als Kind darauf getrimmt wird, eine perfekte Show an der Seite seiner älteren Brüder abzuliefern. Stets unter dem strengen Blick seines Vaters und Managers Joseph Jackson, gespielt von Colman Domingo. Widerworte beantwortet der Patriarch mit unbarmherziger Härte – mitunter auch mit dem Gürtel.
Als Frontsänger der Jackson 5 wird der kleine Junge zum Star. Als er älter wird, will er auf eigenen Beinen stehen – und feiert auch als Solo-Künstler gewaltige Erfolge. Mit dem Produzenten Quincy Jones realisiert er Ende der 70er das Album "Off the Wall": Ein kreativer Befreiungsschlag, der für Furore sorgt. Anfang der 80er folgt "Thriller" – und wird zur erfolgreichsten Platte aller Zeiten. Michael hat es geschafft: Er ist der größte Popstar des Planeten. Doch gegen seinen übermächtigen Vater kann er sich weiterhin kaum behaupten.
Eine der größten Schwachstellen
Der Konflikt zwischen Vater und Sohn ist das Herzstück des Biopics – und eine der größten Schwachstellen. Der Werdegang Michael Jacksons wird hier im Grunde als Resultat eines Emanzipationsversuchs dargestellt. Womit der Blick auf den Künstler extrem verengt wird. Dass Michael unter seinem tyrannischen Vater gelitten hat, ist unbestritten. Hier wird diese Leidensgeschichte, so herzzerreißend sie in manchen Szenen auch ist, aber auch zum willkommenen Korsett eines dramaturgisch durch und durch konventionellen Biopics made in Hollywood.
In einer der zahlreichen kritischen Reviews zu "Michael" drückt es David Fear vom Rolling Stone so aus:
"Das ist eigentlich kein Biopic. Es ist die Passion des Heiligen Michael."
Eine klassische Erfolgsgeschichte mit erbauendem Charakter: Trotz aller Rückschläge und Widerstände des Vaters gelingt es dem Sohn, sich zu befreien. Und am Ende steht die Erfüllung des anfänglichen Versprechens: Der große Auftritt vor einer jubelnden Menge.
Oder um es mit den ebenso wenig begeisterten Worten von YouTuber Robert Hofmann zu sagen: "Michael" ist ein Film, der seinen Protagonisten "glorifiziert". Und:
"Einfach nur eine wunderbar liebevolle Person zeigt, der übel mitgespielt wird."
Jaafar Jackson überzeugt als Michael Jackson
Wie bei so vielen Biopics seit dem Erfolg des Queen-Films "Bohemian Rhapsody" werden auch hier biographische Meilensteine des erzählten Zeitraums brav nacheinander abgehakt. Mit möglichst großem Aufwand. Live-Auftritte wirken täuschend echt, Musikvideos werden perfekt imitiert. Wobei man sagen muss: Die reichlichen Musik- und Tanzeinlagen sind bei "Michael" besonders beeindruckend. Man sieht jeder noch so kleinen Bewegung von Jaafar Jackson an, wie akribisch er sich auf die Performances vorbereitet haben muss. Der Newcomer liefert eine überzeugende Leistung ab, vor allem, wenn man bedenkt, dass es sein Filmdebüt ist.
Sein Spiel beeindruckt auch Liz Declan von ScreenRant, eine der wenigen Kritikerinnen, die den Film auch ansonsten euphorisch beurteilt:
"Näher als Jaafar Jackson als Michael kann man einer Wiederbelebung des King of Pop in einem Film nicht kommen, und man vergisst leicht, dass er eigentlich gar nicht Michael Jackson ist."
Die Füße können nicht stillstehen
Und doch ist diese Liebe zum Detail auch symptomatisch für eine Verfilmung, die trotz aller Perfektion an entscheidender Stelle scheitert. Der Stoff, der sich aus dem Leben und Schaffen von Michael Jackson speist, wird fleißig abgebildet – aber kaum durchdrungen. Es gibt ein paar kleine Momente, die zeigen, in welche Richtung es hätte gehen können. Wenn etwa Michael, zu dem Zeitpunkt noch ein Kind, zum ersten Mal eine Platte im Studio aufnimmt und seine Füße beim Singen nicht stillhalten kann – ein grandios inszenierter Vorgeschmack darauf, wie zwingend die Symbiose aus Tanz und Gesang in Jacksons künstlerischem Schaffen sein würde. Letztlich lässt sich in dem Biopic aber nur erahnen, wie Michael Jackson zu einem der größten Popkünstler des 20. Jahrhunderts wurde. Warum seine Songs nicht einfach gut sind. Sondern sensationell.
Da reicht es leider auch nicht, was David Rooney vom Hollywood Reporter am Schluss seiner wohlwollenden Review über den Sound des Films schreibt:
"Die Musik hat noch nie lauter oder besser geklungen."

Kontroverse Änderung
Im Dunkeln bleibt aber vor allem ein ganz anderer Aspekt, der dazu führte, dass "Michael" bereits im Vorfeld kontrovers diskutiert wurde. Eine ursprüngliche Fassung des Films thematisierte auch die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen Michael Jackson. Konkret ging es um einen Fall von 1993. Allerdings wurden die betreffenden Szenen wieder entfernt – wie sich hinterher herausstellte, soll der einstige gerichtliche Vergleich jedwede Verfilmung des Falls untersagen. Es kam zu teuren Nachdrehs. Nun fällt zu den besagten oder weiteren Vorwürfen kein Wort mehr. Was immer wieder besonders kritisch beurteilt wird. Jake Coyle von der Associated Press drückt es so aus:
"Das Ergebnis ist eine Art Fantasy-Film, der die außergewöhnlichen Höhenflüge von Michael Jackson wiederaufleben lässt, während er die Tiefpunkte ignoriert."
Wie Regisseur Antoine Fuqua inzwischen verriet, hätte man in der eigentlich vorgesehenen Version gesehen, wie man Jackson bei der Razzia in seiner Neverland Ranch "wie ein Tier" behandelt hätte. Klingt also so, als hätte man den Star eher als Opfer dargestellt. Zumal mit dem "Estate of Michael Jackson" die Nachlassverwaltung des 2009 verstorbenen Musikers in die Produktion des Films involviert ist. Womit eine allzu kritische Darstellung von Michael Jackson ohnehin nicht zu erwarten war – ob nun in der ursprünglichen oder der jetzigen Fassung. Angesichts dessen muss sich der Film die Kritik der Filmjournalisten gefallen lassen. Auch wenn der Kinosaal kein Gerichtssaal ist: Ein bitterer Beigeschmack bleibt.
Fazit: Das Biopic über Michael Jackson wird in vielen Reviews überaus kritisch bewertet. Auch wir finden: "Michael" enttäuscht – trotz der starken Musik-Performances.
Im Kino startet "Michael" am 22. April 2026.
