Der erste Horrorfilm im DCU: Unsere META-Filmkritik zu Clayface
Wir verraten, ob das neue DCU-Projekt überzeugt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein
Das neue DC-Filmuniversum befindet sich derzeit in einer schwierigen Situation. Mehrfach geänderte Pläne, verworfene Projekte und zuletzt der enttäuschende Kinostart von "Supergirl" haben den Druck auf das Studio deutlich erhöht. Ausgerechnet jetzt wagt man mit "Clayface" einen ungewöhnlichen Schritt: Der Film ist der erste waschechte Horrorbeitrag des neuen DCU und rückt eine Figur ins Zentrum, die nicht unbedingt zur A-Liga der Batman-Schurken gehört. Ob uns "Clayface" überzeugen kann und was andere Kritiker sagen, verraten wir euch in unserer KinoCheck-META-Filmkritik.
Darum geht es in Clayface
"Clayface" erzählt die Geschichte von Matt Hagen, einem aufstrebenden Schauspieler, der kurz vor seinem großen Durchbruch steht. Doch nach einer folgenschweren Begegnung mit der Mafia wird er schwer entstellt und seine Karriere steht vor dem Aus. In seiner Verzweiflung wendet er sich an die Biotechnologin Dr. Caitlyn Corr, die ihm mit einer experimentellen Behandlung neue Hoffnung gibt. Doch der Eingriff entwickelt sich anders als erwartet.

Eine altbekannte Geschichte
Die Reaktionen nach den ersten Screenings waren euphorisch. Die finalen Reviews hingegen zeichnen ein deutlich gemäßigteres Bild. Vor allem in Sachen Storytelling tun sich einige Kritiker schwer. Für Rodrigo Perez von The Playlist besitzt die Geschichte von Drehbuchautor Mike Flanagan zwar Potential, doch an der Ausführung scheitert es:
"Man spürt Flanagans ambitionierte Auseinandersetzung mit Selbstwertgefühl und der Frage, was uns ausmacht [...]. Darin schlummert eine tiefgründige psychologische Tragödie, doch dem finalen Drehbuch und [James] Watkins' Regie fehlen die dramatische Raffinesse, um sie vollends zur Geltung zu bringen."
Thilo Gosejohann fügt in einem Instagram-Video hinzu:
"Es ist die millionste Version von dem Pakt mit dem Teufel, und das kennen wir bereits seit Doktor Faustus, und das ist schon verdammt lange her."
Und auch wir finden: Das Drehbuch gehört leider zu den größten Schwächen von "Clayface". Die Geschichte greift immer wieder auf Klischees zurück und präsentiert Dialoge, die auch aus einer Nachmittags-Soap stammen könnten. Das Erzähltempo ist hoch, führt aber dazu, dass sich die ersten 30–45 Minuten unfassbar gehetzt anfühlen. So entsteht immer wieder der Eindruck, als wolle man die vorgeschriebenen Eckpunkte der Hintergrundgeschichte so schnell wie möglich abhaken, um den Fans endlich das zu liefern, worauf sie warten.
Hinzu kommen einzelne Szenen und Motive, bei denen Erinnerungen an "Joker" mit Joaquin Phoenix wach werden. Der Versuch, die Geschichte eines zunehmend gebrochenen Mannes als düstere Charakterstudie zu erzählen, scheint zumindest stellenweise deutlich von Todd Phillips' Film beeinflusst worden zu sein. Etwas mehr Mut und Kreativität auf erzählerischer Ebene hätten dem Film daher durchaus gutgetan. David Fear vom Rolling Stone-Magazin findet deutlich drastischere Worte.
"Was letztendlich übrig bleibt, ist eine ziemlich generische, billige Version einer mittlerweile bekannten Formel, die sich immer noch wie ein Platzhalter für ein Franchise anfühlt."
Tom Rhys Harries kann überzeugen
Die Darsteller hingegen können überzeugen: Tom Rhys Harries macht als Matt Hagen einen guten Job und holt das Beste aus seiner Figur heraus. Besonders die bodenständige Art des Schauspiels ist Jim Vejvoda von IGN positiv aufgefallen:
"Er übertreibt die Szenen nie, obwohl es durchaus Gelegenheiten gäbe, dick aufzutragen."
Besonders ist unserer Meinung nach, dass Hagen nicht krampfhaft sympathisch gemacht wird. "Clayface" versucht also gar nicht erst, die Figur als Antihelden zu verkaufen. Frank Scheck vom Hollywood Reporter empfand die Figur hingegen als recht sympathisch:
"Trotzdem bleibt er eine sympathische und liebenswerte Figur, was vor allem Harries' charismatischer und einnehmender Leinwandpräsenz zu verdanken ist."
Auch Naomi Ackie kann als Dr. Caitlyn Corr überzeugen. Gerade in den gemeinsamen Szenen funktioniert das Duo wirklich gut, auch wenn die Liebesgeschichte etwas behauptet wirkt.
Bodyhorror als große Stärke
Seine wahre Stärke entfaltet "Clayface" hingegen in seinen Horrormomenten. Die Trailer deuteten ja bereits an, dass sich der Film in Sachen Ekel und Gewalt nicht sonderlich zurückhalten würde – und so ist es auch. Gebrochene Knochen, offene Wunden und viel Blut gehören zum Programm – empfindlich sollte man also definitiv nicht sein. Julius Vietzen von Filmstarts schreibt:
"Da werden Gesichter und andere Körperteile in Nahaufnahme zerschnitten, Hautstreifen abgehobelt und Köpfe zermatscht. Und wenn sich Matt nach einer Verwandlung die zugewachsenen Augenlider aufschneidet, mit einer Nagelschere (!) im Flugzeugklo (!!) bei Turbulenzen (!!!), kann man sich im Kinosessel so richtig schön hin- und herwinden."
Besonders stark sind dabei die praktischen Effekte. Die körperlichen Veränderungen fühlen sich greifbar und unangenehm an. Teilweise geht es sogar so heftig zur Sache, dass man sich durchaus fragen kann, wie "Clayface" noch mit einer FSK 16 davongekommen ist. Die Vergleiche mit David Cronenbergs "Die Fliege" sind jedenfalls nicht aus der Luft gegriffen. Greg Alba vom YouTube-Kanal Reel Rejects lobt vorrangig den B‑Movie-Vibe des Films:
"Der Film hat definitiv so eine Art "Pulp"- oder B-Movie-Charakter, der mir gut gefallen hat. Er ist gewalttätig, unterhaltsam und bisweilen herrlich übertrieben."
Licht und Schatten
Ob "Clayface" am Ende der große Erfolg wird, den das DCU aktuell gut gebrauchen könnte, bleibt abzuwarten. Die extrem positiven Stimmen nach den ersten Test-Screenings können wir jedenfalls nicht vollständig teilen. Und auch die finalen Urteile der Kritiker fallen unterschiedlich aus. Am Ende ist "Clayface" ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite stehen fantastische praktische Effekte, kreativer Bodyhorror und einige wunderbar eklige Momente. Allerdings bekommt man auch eine ziemlich vorhersehbare Geschichte mit schwachen Dialogen und einem Erzähltempo, das sich ruhig etwas mehr Zeit hätte nehmen dürfen.
Unser Fazit
Wer auf einen kompromisslosen Horrorfilm im DC-Universum gehofft hat, der sich deutlich von der Tonalität seiner Vorgänger unterscheidet, dürfte auf seine Kosten kommen. Wer hingegen eine starke und vor allem kreative Origin-Story erwartet, könnte am Ende enttäuscht das Kino verlassen. Wir sind trotzdem gespannt, was die Zukunft von Matt Hagen noch zu bieten hat. "Clayface" startet am 22. Oktober 2026 in den deutschen Kinos.
