Zurück in die Apokalypse: Unsere Kritik zu 28 Years Later: The Bone Temple
Die legendäre Horrorreihe geht in die nächste Runde!
Mit "28 Years Later: The Bone Temple" meldet sich eine der prägendsten Horror-Serien der letzten Jahrzehnte zurück – und das kaum ein Jahr nach dem Erscheinen von "28 Years Later". Erneut tauchen wir ein in eine vom Wut-Virus verwüstete Welt, in der Gewalt zum Alltag gehört. Doch gelingt es dem Sequel, an die Qualität seiner Vorgänger anzuknüpfen? Und auf welche Neuerungen müssen wir uns einstellen? All das erfahrt ihr in unserer neuen Filmkritik!
Die Story
Die Geschichte von "28 Years Later: The Bone Temple" wird in zwei parallelen Handlungssträngen erzählt, die zunächst unabhängig voneinander verlaufen. Im Mittelpunkt steht zum einen Dr. Kelson, der sich nicht damit zufriedengibt, das Wut-Virus als bloße Seuche zu betrachten. Stattdessen versucht er, es wissenschaftlich und psychologisch zu begreifen – ja, sogar zu kontrollieren. Sein ungewöhnlichster Ansatz dabei ist der Versuch, eine Beziehung zum Alpha-Infizierten Samson aufzubauen.
Der zweite Strang folgt Spike, der nach den Ereignissen aus "28 Years Later" in die Fänge einer okkulten Gruppierung gerät. Dort wird er Teil grausamer Rituale und kämpft ums Überleben. Allerdings gilt es hier schon zu betonen, dass Spike in dieser Fortsetzung lediglich eine Nebenrolle spielt. Die eigentliche Handlung dreht sich um ganz andere Charaktere. Natürlich stoßen beide Geschichten später aufeinander – alles Weitere wäre aber ein zu großer Spoiler.
Dieser Film ist unberechenbar!
Was "The Bone Temple" von den vorherigen Filmen abhebt, ist seine erzählerische Unvorhersehbarkeit. Man weiß nie so richtig, was als Nächstes passiert – und das ist gleichzeitig seine Stärke und Schwäche. Er bricht bewusst mit Erwartungen, ignoriert klassische Genre-Regeln und setzt auf surreale Bilder und absurde Momente. Das kann faszinieren – oder vor den Kopf stoßen.
Besonders problematisch ist der Umgang mit dem Wut-Virus selbst. Wo früher Angst vor einer plötzlichen Ansteckung herrschte, wird das Virus als wissenschaftlich und psychologisch erklärbares Phänomen gezeichnet. Dadurch verliert es einen großen Teil seiner Bedrohlichkeit – und damit auch das Fundament, auf dem die Reihe einst stand. Ein weiterer Stolperstein ist der Humor. Immer wieder bricht der Film mit seiner Bedrohlichkeit und baut absurde, ja fast schon slapstickartige Momente ein, die wie eine Parodie auf den Vorgänger wirken.
Der Mensch als wahres Monster
Konsequent dazu treten die Infizierten deutlich in den Hintergrund. Wer kompromisslose Zombie-Action im Stil der Vorgänger erwartet, dürfte enttäuscht werden. Stattdessen richtet der Film den Fokus auf menschliche Abgründe: Fanatismus, Machtmissbrauch und moralische Verrohung stehen im Zentrum. Der Mensch ist hier eindeutig das größere Monster – so wirklich neu ist diese Erkenntnis allerdings nicht.
In Sachen Gewalt hingegen macht der Film keine Gefangenen – hier bleibt wirklich alles beim Alten. So ganz explizit wie im Vorgänger wird es zwar nicht, aber die FSK-18-Freigabe ist mehr als gerechtfertigt.
Schauspiel und Inszenierung als große Pluspunkte
Getragen wird "The Bone Temple" aber vor allem von seinen Darstellern. Allen voran Ralph Fiennes, der Dr. Kelson mit beeindruckender Präsenz verkörpert. Sein Spiel verleiht der Figur Tiefe und macht sie zum emotionalen Anker des Films. Kelson ist ein Mann, der vom wissenschaftlichen Ehrgeiz getrieben wird und dennoch versucht, so etwas wie Moral in einer gnadenlosen Welt zu bewahren. Im Gegensatz dazu steht Jack O'Connell als Sir Lord Jimmy Crystal, für den Moral ganz offensichtlich ein Fremdwort zu sein scheint. Der Anführer der Gang ist kein missverstandener Antagonist, sondern ein charismatisches Monster in Menschengestalt – wahnsinnig, grausam und faszinierend zugleich.
Auch handwerklich überzeugt der Film: Die Bilder sind ästhetisch, die praktischen Effekte gelungen, und die fast schon surreale Inszenierung hebt ihn klar von seinen Vorgängern ab. In den letzten Momenten kommt der Film sogar mit einer schönen Überraschung um die Ecke, die definitiv Lust auf den bereits bestätigten dritten Film macht. Mehr wollen wir aber an dieser Stelle nicht verraten.
Ein eigenwilliges Experiment
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass "28 Years Later: The Bone Temple" ein eigenwilliges Experiment mit Stärken und Schwächen ist. Der Film stößt vor den Kopf, untergräbt Erwartungen und entfernt sich vom Ursprung der Reihe. Das kann man als mutig, aber auch als beirrend empfinden. Trotz starker schauspielerischer Leistungen, einer soliden Inszenierung und intensiven Momenten wirkt das Gesamtbild irgendwie unausgeglichen. Unterm Strich bleibt ein Film, der Neues versucht, aber dadurch auch für Diskussionen sorgen dürfte. Überzeugt euch selbst: Ab dem 15. Januar 2026 läuft der Film in den Kinos.
Unter Fazit: "28 Years Later: The Bone Temple" ist ein eigenwilliges Experiment mit solider Präsentation – aber nichts für die breite Masse. Vor allem die Fans der alten Filme werden vermutlich enttäuscht.
