Allegro Pastell im Kino: Zeiten ändern sich

Darum geht es in der Verfilmung von Leif Randts gefeiertem Roman

Von Carlos Corbelle Fraga am 3 min Lesezeit

Vor kurzem noch auf der Berlinale, ab nächster Woche bundesweit im Kino: "Allegro Pastell". Bei der Regiearbeit von Anna Roller handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Leif Randt aus dem Jahr 2020. Das Buch wurde zum gefeierten Bestseller, schaffte es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises und erhielt generell viel Kritikerlob. Ob die Verfilmung nach dem Kinostart ähnlich einschlagen wird? Das wird man natürlich abwarten müssen. An dieser Stelle wollen wir euch den Film aber schon mal vorstellen.

Darum geht's in Allegro Pastell

"Allegro Pastell" handelt von der Beziehung zwischen Jerome Daimler, verkörpert von Jannis Niewöhner, und Tanja Arnheim, die von Sylvaine Faligant gespielt wird. Der 35-jährige Jerome arbeitet als freiberuflicher Webdesigner und ist in sein hessisches Heimatdorf gezogen. Tanja ist wiederum als Schriftstellerin in Berlin tätig. Mit anderen Worten: Die beiden wohnen an völlig verschiedenen Orten und müssen dementsprechend eine Fernbeziehung führen. Als Tanja 34 wird, überkommt sie eine Ahnung der gemeinsamen Zukunft. Doch sie fragt sich: Entspricht das überhaupt dem, wonach sie sucht?

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Aus heutiger Sicht

Im Zentrum der Story steht demnach die Liebesgeschichte zweier Charaktere, über die Regisseurin Anna Roller im Presseheft zum Film sagt:

"Anfänglich waren mir die Figuren erstaunlich unsympathisch. Ich wollte mich nicht mit ihnen identifizieren, fand sie arrogant und unpolitisch. Doch je länger ich las, desto mehr erkannte ich mich oder Menschen aus meinem Umfeld in ihnen wieder – auf unbequeme Art vielleicht, aber doch geradezu sezierend genau beobachtet."

Ein entscheidender Aspekt des Stoffes ist der Zeitpunkt der Handlung. Die Geschichte spielt 2018. Das mag gar nicht so lange her sein. Aus heutiger Sicht betrachtet, lebten wir damals allerdings in vielerlei Hinsicht in einer anderen Welt – was nicht zuletzt an den vielen Krisen liegt, die seitdem auftraten. Dieser Aspekt beschäftigt auch den Romanautor Leif Randt, der bei der Verfilmung für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. In der Pressemitteilung zum Film sagt er:

"Durch all das ist der Film auch ein Blick in die Zeit vor den großen Zäsuren – vor der Pandemie, vor dem Ukrainekrieg, vor dem 7. Oktober, vor ChatGPT."

Eine Zeitkapsel

Im Grunde geht es bei "Allegro Pastell" also auch um den Alltag zweier Protagonisten, die zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen können, wie sehr sich die Welt in den folgenden Jahren verändern wird. Bei Randts Roman wurde seinerzeit immer wieder betont, dass es sich dabei um ein treffendes Porträt der Millenial-Generation handle. Doch wie verändert sich der Blick auf diese Millenials und ihr Leben Ende der 2010er Jahre mit dem Wissen von heute? Das ist sicherlich eine der spannenden Fragen, die sich in Anbetracht der aktuellen Verfilmung stellen. In einer Rezension von epd Film heißt es:

"Denn Randt behandelt mit den Jahren 2018 und 2019 exakt die Zeit vor der Corona-Pandemie, die viele im Rückblick als letzten unbeschwerten Abschnitt vor dem Beginn eines dauerhaften Krisenzustands wahrnehmen. Dass die Protagonisten in 'Allegro Pastell' von 'vorauseilender Wehmut' sprechen, hat da schon etwas Prophetisches."

In jedem Fall war der zeitliche Aspekt auch bei der Umsetzung des Films von enormer Bedeutung. Drehbuchautor Leif Randt erklärt im Presseheft zu "Allegro Pastell":

"Unser Ziel war es, diese Zeitkapsel so genau wie möglich zu übertragen – zum Beispiel in den Kostümen: Stammt dieses Kleidungsstück wirklich aus einer Kollektion vor 2019? Gab es diesen Sneaker schon? Die Kostümbildnerin Belle Santos hat diese Fragen sehr ernst genommen, und trotzdem mehr als bloßen Naturalismus geschaffen. Die Leute sehen durchaus nach 2018 aus, aber nicht auf eine unschön überholte Weise, sondern so wie 2018 vielleicht hätte sein sollen, einen Hauch bigger than life."

Inwiefern die Realisierung dieser "Zeitkapsel" geglückt ist, kann man sich schon bald auf der Leinwand anschauen. "Allegro Pastell" startet am 16. April 2026 im Kino.

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