Nicolas Winding Refn dreht eine Neuinterpretation von Maniac Cop

Die Wahl des Regisseurs passt wie die Faust aufs Auge!

Von Jonas Reichel am 4 min Lesezeit

Nicolas Winding Refn meldet sich mit einem neuen Filmprojekt zurück! In einem Interview verriet Regisseur William Lustig, dass sich Refn für eine Neuinterpretation seines Slasher-Klassikers "Maniac Cop" verantwortlich zeigen wird.

Ursprünglich sollte "Sick"-Regisseur John Hyams die Neuauflage in Szene setzen und Refn als Produzent fungieren. Doch aus dieser Zusammenarbeit wurde letztlich nichts. Im Jahr 2019 folgte dann die Ankündigung, dass "Maniac Cop" als Serie für HBO umgesetzt werden sollte. Aber auch dieses Vorhaben verlief im Sande. Doch jetzt scheint endlich alles in Sack und Tüten zu sein.

Im Zentrum von "Maniac Cop" steht ein scheinbar unaufhaltsamer, übermächtiger und äußerst brutaler Polizist, der in den nächtlichen Straßen von New York einen blutigen Rachefeldzug führt. In Deutschland stand der Originalfilm bis 2013 sogar auf dem Index.

Die Dreharbeiten sollen aktuellen Informationen zufolge im kommenden Herbst beginnen. Noch offen ist, wer die ikonische Rolle übernehmen wird, die im Original von Robert Z'Dar verkörpert wurde. Ein offizieller Starttermin steht ebenfalls noch aus.

Nicolas Winding Refn: Zwischen Neonästhetik, Gewalt und Serienkunst

Nicolas Winding Refn gehört zu den markantesten und kompromisslosesten Filmemachern der Gegenwart. Der dänische Regisseur hat sich mit einer unverwechselbaren Bildsprache, minimalistischen Dialogen und stilisierter Gewalt einen festen Platz im internationalen Arthouse- und Genrekino erarbeitet. In den vergangenen Jahren hat er seine künstlerische Vision zudem auf das Serienformat ausgeweitet und dort neue erzählerische Möglichkeiten ausgelotet. Sein Werk ist geprägt von Konsequenz, Provokation und einer klaren ästhetischen Handschrift.

Der Durchbruch mit der Pusher-Trilogie

Seine Karriere begann mit "Pusher", einem rauen Gangsterdrama aus Kopenhagen. Der Film erzählt von einem Drogendealer, dessen Leben durch ein missglücktes Geschäft aus den Fugen gerät. Mit nervöser Kamera, direkter Inszenierung und schonungsloser Milieuschilderung schuf Refn ein Werk, das sich deutlich vom Hochglanzkino abhob.

Mit "Pusher 2" und "Pusher 3" setzte er die Geschichte fort und rückte jeweils Nebenfiguren aus dem ersten Teil in den Mittelpunkt. Die Trilogie gilt heute als Meilenstein des europäischen Gangsterfilms und zeigt einen frühen Refn, der stark auf Realismus und rohe emotionale Wucht setzte.

Stilistische Radikalisierung: Bronson und Valhalla Rising

Mit "Bronson" vollzog Refn einen deutlichen Stilwechsel. Das Porträt des britischen Gewaltverbrechers Charles Bronson ist weniger klassische Biografie als theatralische Inszenierung. Gewalt wird zur Performance, der Protagonist zur exzentrischen Kunstfigur. Refn experimentiert hier mit Bühnenbildern, direkter Publikumsansprache und überzeichneter Ästhetik.

Noch minimalistischer wurde es mit "Valhalla Rising". In dem archaischen Wikingerdrama mit Mads Mikkelsen dominieren Stille, Landschaft und spirituelle Symbolik. Die Geschichte entfaltet sich langsam, fast meditativ, während plötzliche Gewaltausbrüche die Ruhe durchbrechen. Hier zeigt sich erstmals in voller Konsequenz Refns Faszination für wortkarge, beinahe mythische Figuren.

Internationaler Kultstatus durch Drive

Den weltweiten Durchbruch erreichte Refn mit "Drive". Der Film mit Ryan Gosling als namenlosem Fahrer wurde zum Kultphänomen. Neonbeleuchtete Straßenzüge von Los Angeles, ein prägnanter Synthesizer-Soundtrack und eine minimalistische Erzählweise prägen das Werk. "Drive" verbindet romantische Melancholie mit brutalen Gewaltausbrüchen und wurde bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet. Der Film machte Refn endgültig zu einem international gefragten Regisseur.

Bild zu DRIVE Trailer German Deutsch (2012)

Ästhetische Extreme: Only God Forgives und The Neon Demon

Nach dem Erfolg von "Drive" schlug Refn mit "Only God Forgives" noch experimentellere Wege ein. In Bangkok angesiedelt, erzählt der Film eine düstere Geschichte über Schuld, Vergeltung und familiäre Abhängigkeiten. Die Handlung tritt zugunsten symbolischer Bilder und strenger Bildkompositionen in den Hintergrund.

Mit "The Neon Demon" widmete sich Refn der Modewelt von Los Angeles. Der Film ist eine verstörende Meditation über Schönheit, Konkurrenz und Selbstzerstörung. Intensive Farbkontraste, Spiegelungen und elektronische Musik verschmelzen zu einer hypnotischen Gesamtkomposition. Es war sein bislang letzter Kinofilm.

Bild zu THE NEON DEMON Teaser Trailer German Deutsch (2016)

Das Serienformat als neue Spielwiese

Nach 2016 verlagerte Refn seinen Schwerpunkt zunehmend auf Serien. "Mit Too Old to Die Young" realisierte er 2019 eine zehnteilige Produktion, die wie ein ausgedehnter Arthouse-Film wirkt. Die Serie erzählt von Korruption und moralischem Verfall in Los Angeles und zeichnet sich durch extrem lange Einstellungen und minimalistische Dialoge aus. Refn nutzte die größere Laufzeit, um seine Bildsprache noch konsequenter auszureizen.

2022 folgte mit "Copenhagen Cowboy" eine weitere Serie, die ihn erzählerisch zurück nach Dänemark führte. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau mit mysteriösen Fähigkeiten, die sich durch die Unterwelt Kopenhagens bewegt. Hier verbindet Refn die Gangstermotive seiner frühen Arbeiten mit der stilistischen Radikalität seiner späteren Filme. Neonlicht, spirituelle Motive und eine beinahe märchenhafte Atmosphäre prägen die Serie.

Eine unverwechselbare Handschrift

Über alle Werke hinweg bleibt Refns Stil unverkennbar. Seine Filme und Serien zeichnen sich durch starke Farbkontraste, insbesondere Neonrot und -blau, eine reduzierte Dialogführung und eine bewusste Inszenierung von Gewalt aus. Seine Protagonisten sind häufig Einzelgänger, die sich in moralischen Grauzonen bewegen.

Ob im Kino oder im Streamingformat, Refn bleibt ein kompromissloser Künstler, der sich gängigen Erzählkonventionen entzieht. Seine Arbeiten sind keine leichte Unterhaltung, sondern intensive audiovisuelle Erfahrungen. Gerade diese Konsequenz macht Nicolas Winding Refn zu einer der faszinierendsten Stimmen des modernen Films und der ambitionierten Serienproduktion.