The Boys Finale: Kritik zur letzten Folge – darum ist das Ende ein würdiger Abschluss der Serie
Wir verraten in unserer Review, wodurch sich die Staffel 5 Episode Blut und Knochen auszeichnet
Nun ist es soweit: Nach fünf Staffeln ist es an der Zeit, sich von "The Boys" zu verabschieden. Ein letztes Mal ziehen Butcher, Hughie, Starlight, Mother's Milk, Frenchie und Kimiko in die Schlacht gegen Homelander. Ein Serienende ist jedoch immer eine heikle Angelegenheit – so auch hier. Schließlich muss die finale Folge "Blut und Knochen" nicht nur die letzte Staffel zu einem würdigen Abschluss bringen, sondern die gesamte Serie. Und damit auch die lange Reise der Helden, die uns im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind. Um es gleich vorwegzunehmen: Die letzte Folge von "The Boys" ist nicht perfekt, aber alles in allem überzeugend. Womit sie auch ein wenig über die Schwächen der vergangenen Staffeln hinwegtröstet.
"The Boys" war auch in den vorangegangenen Jahren nicht schlecht. Allerdings machten sich langsam, aber sicher Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Blicken wir zurück auf die Prämisse der Serie: Basierend auf den Comics von Garth Ennis und Darick Robertson entwarf Showrunner Eric Kripke einen ungemein stimmigen Kosmos, in dem Superhelden völlig selbstverständlich zum Alltag gehören und als Celebritys vermarktet werden. Es ist eine zynische Welt. Statt für das Gute zu kämpfen, missbrauchen viele dieser übermenschlichen Stars ihre Macht, um sich selbst Geltung zu verschaffen. Oder nutzen die Superkräfte für extrem kuriose Sexualpraktiken. Dass der Lifestyle der selbst ernannten Superhelden immer wieder dem ein oder anderen Normalsterblichen zum Verhängnis wird, wenn er zufällig im Weg steht, wird schulterzuckend als Kollateralschaden in Kauf genommen.
Homelander wird zum Problem
Dementsprechend blutig, brutal und maßlos geht es in "The Boys" zu. Erschien das zu Beginn noch als zwingende Konsequenz der Prämisse, wurden die bewusst übertriebenen Gewalteinlagen und Perversitäten aber zunehmend zum Selbstzweck. So als müsste man mindestens einmal pro Folge einen kalkulierten Moment der Irritation einbauen, um die Zuschauer bei der Stange zu halten.
Was ebenfalls zum Problem wurde: Homelander. Der von Antony Starr brillant gespielte Antagonist ist im Grunde eine größenwahnsinnige, soziopathische Version von Superman. Unverwundbar, übermächtig, unberechenbar. Sobald Homelander auftauchte, hatte man das Gefühl, dass er Butcher und dessen Widerstandstruppe jederzeit zerquetschen könnte. Tat er aber nicht. Obwohl es genug Gelegenheiten gegeben hätte. Die Macher der Serie ließen sich immer wieder neue Wendungen einfallen, um das Schlimmste abzuwenden. Klar, the Show must go on, aber spätestens ab der dritten Staffel verpuffte dadurch viel von dem enormen Bedrohungspotential, das Homelander zu Beginn der Serie ausstrahlte.
Der Vorteil der fünften Staffel: Es ist die letzte – womit der Kampf gegen Homelander nicht mehr unnötig in die Länge gezogen werden muss. Von Beginn an ist spürbar: Diesmal geht es um alles. Leben und Tod, Sieg oder Niederlage. Kein "Fortsetzung folgt": Egal, wie es ausgeht, diesmal ist es endgültig. Dementsprechend steht in den letzten Folgen der fünften Staffel noch mehr auf dem Spiel, als ohnehin schon. Homelanders Größenwahn ist grenzenloser denn je: Der Superschurke im Gewand eines Superhelden hält sich nun für Gott. Wortwörtlich. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, könnte er einen Weg gefunden haben, unsterblich zu werden. Also setzen Butcher und Co. alles daran, um das zu verhindern.

Blut und Knochen: Die letzte Folge von The Boys
Kurze Anmerkung vorweg: Es folgen keine Spoiler zum Ende der fünften Staffel – wer sich aber selbst durch Andeutungen oder vereinzelte Aspekte der Story nichts vorwegnehmen lassen will, sollte sich zuerst die finale Folge anschauen und hinterher weiterlesen.
Noch da? Gut! Denn nun ist es an der Zeit, den gelungenen Abschluss der Serie zu würdigen. In "Blut und Knochen" kulminieren nicht nur die offenen Handlungsstränge der fünften Staffel, sondern auch der Serie im Allgemeinen – und es kommt zum erwarteten Showdown zwischen Butchers Crew und Homelander. Wir verraten natürlich nicht, wie es ausgeht. Aber so viel sei gesagt: Nahezu alles, was sich zuvor angekündigt hatte, fügt sich im Finale nahtlos zusammen. Was irgendwie befriedigend, aber nicht gerade elektrisierend ist. Dafür ist der Showdown dann doch etwas zu gefällig geraten.
Doch dann kommt das letzte Drittel: Und das hat es in sich! Auf einmal wird die Folge leiser, tragischer, trauriger. Und man versteht: Der eigentliche, schmerzhaftere Showdown hatte noch nicht gar nicht stattgefunden. Auf einmal geht es nicht mehr um die Frage: Gewinnt Butcher oder Homelander? Sondern um zwei Weltanschauungen, die sich gegenüberstehen: die des desillusionierten Pragmatikers Butcher und die des ewigen Idealisten Hughie. Und damit um die Frage: Tut man das Notwendige oder das Richtige?
Damit erinnert uns das Ende noch einmal daran, was "The Boys" seit jeher ausgemacht hat. Die Serie erzählt von einer zynischen Welt, die unserer eigenen sehr ähnlich ist, vor allem angesichts der zunehmend radikalen, rechten Tendenzen in der US-Politik, die von Kripke und seinen Autoren immer unverhohlener aufgespießt wurden. Alles andere als zynisch ist allerdings die Haltung der Serie, die in ihrem Kern schon immer davon handelte "in einer gleichgültigen Welt nicht gleichgültig zu sein", wie Mother's Milk in einer der letzten Folgen zu Starlight sagt.
Ein Gedanke, der selbst in der allerletzten Einstellung von "The Boys" zur Geltung kommt – und der Serie einen verdienten, würdigen Abschluss beschert.

