Wirklich ein Neuanfang? Unsere META-Filmkritik zu Spider-Man: Brand New Day
Wir verraten, ob das neue Abenteuer mit Tom Holland überzeugt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein
Tom Holland schlüpft erneut in das ikonische rot-blaue Kostüm, um in New York für Recht und Ordnung zu sorgen. Mit "Spider-Man: Brand New Day" erwartet uns das bis dato ernsteste Abenteuer der freundlichen Spinne. Doch wird der Film seinen hohen Erwartungen gerecht – und was sagen andere Kritiker dazu? Das verraten wir euch in unserer KinoCheck-META-Kritik.
Worum geht es?
Vier Jahre nach den weltverändernden Ereignissen von "No Way Home" und dem Zauber, der seine Existenz ausgelöscht hat, lebt Peter Parker völlig isoliert. Er beschützt New York City nun als anonymer Vollzeit-Spider-Man, während seine einstigen Freunde MJ und Ned ihr Leben am MIT weiterführen. Als eine mysteriöse neue Bedrohung auftaucht und Peters Superkräfte plötzlich eine gefährliche, aggressive Wandlung durchlaufen, gerät seine fragile Welt endgültig aus den Fugen.

Zu viel auf einmal
Alles in allem kommt der Film recht positiv bei der Presse an. Bei einigen Aspekten gehen die Meinungen jedoch auseinander. Das geht schon beim Titel los: "Brand New Day" verspricht einen radikalen Neuanfang (soweit man das in der Welt von Marvel überhaupt sagen kann). Doch bereits hier scheiden sich die Geister. Während einige Kritiker den veränderten Status Quo begrüßen, sind andere eher enttäuscht. Auch wir haben uns vom erwarteten Neuanfang mehr versprochen – wobei wir nicht ganz so hart mit dem Film ins Gericht gehen wie David Ehrlich von IndieWire:
"Ich war von Anfang bis Ende unruhig und habe mich erst gegen Ende richtig über 'Brand New Day' geärgert, als mir klar wurde, wie wenig diese Fortsetzung die Geschichte von Peter Parker vorangebracht hat. Der Film hätte genauso gut ein Kurzfilm sein können."
Was wir besonders kritisch sehen: Die Story will zu viel auf einmal. "Brand New Day" wirkt oft unausgeglichen, will gleichzeitig humorvoll, düster, dramatisch und ruhig sein. Dem Film hätte es gutgetan, sich auf ein oder zwei Storyaspekte zu konzentrieren, anstatt zu viele Handlungsstränge parallel aufzumachen. Zumal inhaltlich am Ende gar nicht so viel auf dem Spiel steht, wie der Titel vermuten lässt. Mit einer satten Lauflänge von knapp zweieinhalb Stunden zieht sich das Ganze deshalb auch spürbar.
Der Cast als absoluter Höhepunkt
Worauf sich die meisten Kritiker einigen können, sind die schauspielerischen Stärken des Casts. Allen voran Tom Holland, der hier seine beste und erwachsenste Spider-Man-Darstellung überhaupt abliefert. Für Ren Kühn vom YouTube-Kanal FilmFlash steht fest: Tom Holland ist Spider-Man durch und durch!
"Und hier muss man sagen: Tom Holland hat es geschafft, mit diesem Film nicht mehr irgendwie sich hinter Tobey oder Andrew verstecken zu müssen. Er ist Peter Parker, er ist Spider-Man."
Und natürlich wäre da noch Sadie Sink als geheimnisvolle Antagonistin (über die wir an dieser Stelle nichts verraten wollen). Nur so viel: Sie ist eine echte Bereicherung und nimmt gerade in der zweiten Hälfte des Films enorm viel Raum ein. Das sorgt mitunter dafür, dass Spider-Man stellenweise zur Nebenfigur wird.
Eine weitere Stärke: die ruhigen Momente. Die Story punktet vor allem dann mit emotionaler Tiefe, wenn die Figuren einfach nur miteinander reden. Gerade in den Szenen zwischen MJ und Peter entfaltet "Brand New Day" sein volles Potential. Auch David Hain zeigt sich von der gefühlvollen Note des Films begeistert:
"Da war ich total dabei. Ich habe richtig gemerkt, wie mir diese Momente am meisten gegeben haben, auch weil sie so richtig schön auserzählt werden."
Visuelle Einfälle sorgen für Nostalgie
Fans von klassischer Spidey-Action kommen aber ebenfalls auf ihre Kosten. Regisseur Destin Daniel Cretton, der im MCU bereits für "Shang-Chi" und "Wonder Man" tätig war, drückt dem Film optisch seinen eigenen Stempel auf und sorgt mitunter für die visuell kreativsten Einstellungen der gesamten Reihe. Wenn sich Peter in POV-Sicht durch die Häuserschluchten New Yorks schwingt oder in Slow-Mo seine Gegner ausschaltet, fühlt man sich ein wenig an die letzten "Spider-Man"-Spiele und die alten Tobey Maguire-Filme erinnert. Das CGI schwankt zwar in seiner Qualität, sticht jetzt aber auch nicht besonders negativ ins Auge. YouTuber Chris Stuckmann zieht hier Parallelen zu "The Amazing Spider-Man 2":
"Die Schwingszenen sind großartig. Sie gehören wahrscheinlich zu den besten, die ich seit 'The Amazing Spider-Man 2' gesehen habe."
Viele Cameos und das Problem des Punishers
Weniger gelungen sind für uns allerdings die zahlreichen Gastauftritte. "Brand New Day" setzt erneut stark auf Cameos, doch nur wenige davon haben tatsächlich einen Mehrwert für die Handlung. Viele davon wirken eher wie klassischer Fanservice. Das sehen einige Kritiker anders, so unter anderem Charlie Ridgely von Collider. Für ihn haben sich die Gastauftritte sehr organisch in die Handlung eingefügt:
"Das klingt zunächst ungewöhnlich, doch in 'Spider-Man: Brand New Day' wirken ihre Auftritte ganz natürlich, fast so, als würden Charaktere nur kurz in einem Comic auftauchen."
Ein besonders zweischneidiges Schwert ist unserer Meinung nach aber der Auftritt des Punishers. Frank Castle sorgt zwar für Spaß und coole Sprüche, aber mit Blick auf sein letztes Solo-Abenteuer "One Last Kill" wirkt er eher wie eine FSK 12-Version seiner selbst. Für Nick Schlager von The Daily Beast war aber gerade das Zusammenspiel von Spider-Man und dem Punisher ein Highlight:
"Nach 'The Odyssey' bilden Holland und Bernthal ein perfekt harmonierendes Paar. [...] Ihre Neckereien gehören zu den vielen Höhepunkten des Films."
Unser Fazit
"Spider-Man: Brand New Day" kommt bei der Kritik überwiegend positiv an, wobei die Meinungen in einigen Aspekten stark auseinandergehen. Spider-Man-Fans werden hier definitiv gut unterhalten. Wer jedoch einen echten Neuanfang für Peter Parker erwartet, dürfte das Kino mit gemischten Gefühlen verlassen. Am Ende bleibt "Brand New Day" ein solider, routinierter MCU-Beitrag – nicht mehr und nicht weniger. "Spider-Man: Brand New Day" läuft seit dem 29. Juli in den deutschen Kinos.
