Kerle, Knarren und 'ne Menge Kohle! Unsere META-Filmkritik zu In the Grey von Guy Ritchie

Wir verraten, ob der Film mit Henry Cavill und Jake Gyllenhaal überzeugt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein

Von Carlos Corbelle Fraga am 4 min Lesezeit

Im Action-Thriller "In the Grey" werden Henry Cavill, Jake Gyllenhaal und Eiza González zu Schuldeneintreibern der etwas anderen Art. Um an das Geld zu gelangen, lassen sie sich einen besonders ausgeklügelten Plan einfallen. Ob sie damit Erfolg haben, kann man sich im Kino anschauen. Wie wir den neuen Film von Regisseur Guy Ritchie bewerten und was andere Kritiker sagen, erfahrt ihr in der META-Filmkritik von KinoCheck!

Darum geht's

Manny Salazar (Carlos Bardem) ist ein skrupelloser Despot. Und er hat Schulden. Hohe Schulden. Er denkt aber gar nicht daran, das Geld zurückzuzahlen. Um die Schulden einzutreiben, wird die gewiefte Anwältin Rachel Wild (Eiza González) auf ihn angesetzt. Während sie Salazar mit allerlei juristischen Tricks in die Enge treibt, arbeitet ihr Team von treu ergebenen Eliteagenten einen ausgeklügelten Plan aus, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Denn eins ist klar: Wer Salazar die Daumenschrauben ansetzt, muss mit einer entsprechend gewalttätigen Antwort rechnen. Unter der Federführung von Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal) bereiten die Männer jeden Schritt minutiös vor. Der Plan scheint aufzugehen. Doch möglicherweise haben sie Salazar unterschätzt. Auf der streng bewachten Privatinsel des Despoten kommt es zum Showdown.

Für die filmische Umsetzung dieser ebenso actionreichen, wie durchdachten Schuldeneintreibung wählt Regisseur und Drehbuchautor Guy Ritchie einen interessanten Ansatz. Die Planung der Mission ist nicht bloß das Vorspiel der eigentlichen Handlung – die Planung ist die Handlung. Zumindest über weite Strecken des Films. Die Crew um Sid und Bronco erklärt fortwährend, welcher Mittel man sich bedienen will, um nichts dem Zufall zu überlassen und die Schlinge um Salazar enger zu ziehen – während wir gleichzeitig sehen, wie die Truppe die Vorbereitungen in die Tat umsetzt. Das Problem: Zu Beginn ist das noch reizvoll, mit der Zeit wird das aber ziemlich ermüdend.

Etwas anders sieht das Matt Zoller Seitz von RogerEbert.com. In der Breite sind die Kritiken zu "In the Grey" durchwachsen – seine Besprechung ist dagegen überaus positiv, wobei er unter anderem die Art der Informationsvermittlung im Film besonders hervorhebt:

"Es gibt einen ständigen Informationsstrom, der der Gewalt gegenübergestellt werden muss, doch man ist selten verwirrt. Alles ist so übersichtlich angeordnet wie Kleidung auf einem Bett."

Gar nicht mal so cool

Wir finden: Es ist eher so, als hätte jemand den Audiokommentar eingeschaltet, bevor man den eigentlichen Film gesehen hätte. Was leider nicht die einzige Schwäche des Action-Thrillers ist. Guy Ritchie ist darum bemüht, seine Helden betont cool und schlagfertig in Szene zu setzen. Stets einen lockeren Spruch auf den Lippen, scheint keine noch so brenzlige Situation sie auch nur ansatzweise aus der Fassung zu bringen. Was besonders lässig daherkommen soll, wirkt aber zunehmend affektiert: Das gilt für die kleinen, überschaubar witzigen Sticheleien zwischen Sid und Bronco ebenso wie für die toughen Sprüche, mit denen Rachel ihren Kontrahenten begegnet. Zumal die drei Stars Henry Cavill, Jake Gyllenhaal und Eiza González in ihren Rollen relativ blass bleiben.

Auch YouTuber Robert Hofmann betont in seiner wenig schmeichelhaften Review, dass "In the Grey" versuche, cool und lässig zu sein. Und bemängelt dabei:

"Hier ist so ein typisches Guy-Ritchie-Problem: zu viel Style over Substance."

Die Helden kommen kaum ins Schwitzen

Zumal auch die Spannung darunter leidet, dass Rachels tapfere Männertruppe kaum ins Schwitzen kommt. Die Jungs sind ihren Gegnern nicht nur mehrere Schritte, sondern auch mehrere Kugeln voraus. Mühelos nieten sie alles und jeden um. Clevere Kerle mit Knarren. Um diese Helden braucht man sich keine Sorgen zu machen – wodurch sich aber auch nie ein Gefühl der Bedrohung einstellt.

Das sieht auch Frank Scheck vom Hollywood Reporter so:

"Manchmal sind sie jedoch fast schon zu effizient: Sid, Bronco und ihr Team führen jedes Manöver makellos aus, kommunizieren über Kopfhörer, die nie ausfallen, und keiner von ihnen zieht sich auch nur einen Kratzer zu."

Dass die Figurenzeichnung generell zu wünschen übrig lässt, geht auch aus Robert Brian Taylors kritischer Beurteilung bei Collider hervor:

"Etwas mehr Zeit hätte nicht nur all die Planungen von Sid und Bronco eindrucksvoller zur Geltung bringen können, sondern hätte den Figuren auch mehr Raum gegeben, damit sie sich wie echte Charaktere anfühlen, statt bloß wie standardmäßige, archetypische harte Kerle."

Dabei kann sich der Film handwerklich durchaus sehen lassen: Das Timing stimmt, die Action ist schnörkellos. Bei der Inszenierung seines Thrillers geht Guy Ritchie ähnlich routiniert vor, wie seine Filmhelden bei der Durchführung ihres Auftrags. Und doch nimmt "In the Grey" erst gegen Ende etwas an Fahrt auf, als auf einmal mehr auf dem Spiel steht, als bloß ein Haufen Kohle und der Erfolg einer Mission. Allerdings erweist sich auch der Showdown als enttäuschend: Die Spannung verpufft am Ende ebenso schnell wie sie aufgekommen ist.

Fazit: Reizvoller Ansatz, ermüdende Umsetzung: Guy Ritchies "In the Grey" ist leider nicht besonders packend.

Im Kino startet "In the Grey" am 21. Mai 2026.

Bild zu IN THE GREY Trailer German Deutsch (2026) Henry Cavill, Jake Gyllenhaal