Hape Kerkelings Kino-Comeback! Unsere META-Filmkritik zu Horst Schlämmer sucht das Glück

Wir verraten, ob sich der neue Schlämmer-Film lohnt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein

Von Carlos Corbelle Fraga am 5 min Lesezeit

"Horst Schlämmer sucht das Glück" ist nicht der erste Kinoauftritt von Hape Kerkelings berühmter Kunstfigur. Bereits 2009 landete er mit dem Film "Horst Schlämmer – Isch kandidiere!" einen Erfolg an der Kinokasse, der bei der Kritik aber durchfiel. Kann nun die neue Schlämmer-Komödie überzeugen? In der META-Filmkritik von KinoCheck verraten wir euch, ob der Film geglückt ist und was andere Kritiker sagen!

Darum geht's

"Horst Schlämmer sucht das Glück" beginnt mit einer Kampfansage. Der Titelheld will der miesen Laune in Deutschland ein Ende setzen. Dafür begibt sich der stellvertretende Chefredakteur vom "Grevenbroicher Tagblatt" auf einen Roadtrip durch das Land. Schlämmer will dabei herausfinden, wie man glücklich wird. Er trifft auf Passanten und Gangster, den ein oder anderen Promi und eine Domina. Wen man auf der Suche nach dem Glück halt so trifft. Ob er am Ende Erfolg hat? Schwer zu sagen. Im Kinosaal will sich die gute Laune jedenfalls nicht einstellen.

Das liegt allerdings nicht an Hape Kerkeling. Der begnadete Komiker spielt die mittlerweile mehr als 20 Jahre alte Kunstfigur, als ob er nie was anderes gemacht hätte. Jede Geste sitzt, jedes Grinsen, jedes Grunzen. Nur nicht jede Grenzüberschreitung. Was nicht etwa daran liegt, dass der Film zu weit geht. Gar "ein fragwürdiges Bild vom Journalismus" zeichnet, wie Theresa Hannig in ihrer vernichtenden FAZ-Filmkritik schreibt und bei ihrer Kreuzigung der Figur dann doch ein wenig außer Acht lässt, dass es sich bei Schlämmer um die Karikatur eines Journalisten handelt.

Nicht witzig

Vielmehr fehlt der Komödie der nötige Biss. Das Ganze ist im Stil einer Mockumentary gedreht, als vermeintliche Doku. Dementsprechend wird Schlämmer auf Schritt und Tritt von der jungen Kollegin Anna begleitet, die alles mit der Kamera festhält – und ihn falls nötig ermahnt. Etwa wenn Horst Schlämmer mal wieder einen anzüglichen Witz macht. Fast scheint es, als ob der Film seinen eigenen Protagonisten vor dem Zuschauer rechtfertigen müsste. Betreutes Fremdschämen.

Ohnehin will die Komödie scheinbar nirgendwo anecken. Der ganze Film kommt unglaublich zahm daher, ein Witz ist harmloser als der nächste. Einerseits wird das Zumutende und damit potentiell Entlarvende an der Figur Horst Schlämmer auf ein Minimum gedrosselt. Andererseits biedert sich der mehr als je zuvor aus der Zeit gefallene Protagonist dann doch hier und da an Zuschauer an, denen Schlämmers Kollegin zu woke sein könnte. Mit billigen Witzen à la: "Bist du primär?" Er meint wohl binär. Oder non-binär. Es geht irgendwie um Annas Geschlecht. Oder ihre sexuelle Orientierung. In jedem Fall einer von vielen Gags, die nicht zünden wollen.

Zum Humor sagt YouTuber Robert Hofmann in seiner weitgehend negativen Bewertung des Films:

"Horst Schlämmer ist so eine Altherrenfigur mit Altherrenhumor. Da kann man sich jetzt auch nicht wirklich wundern nach dem Motto: 'Was hast du denn erwartet?'"

Dennoch hätte auch er sich etwas "Clevereres, ein bisschen was Lustigeres" gewünscht.

Seichtes deutsches Fernsehen

Etwas inspirierter sind dagegen die Szenen mit Horst Schlämmers fiktiver Lieblingsschauspielerin Gaby Wampel, die einst der Star diverser TV-Formate war. Im Laufe seines Roadtrips schaut er sich immer wieder alte Serien der Darstellerin an. Kerkeling schlüpft dabei in unterschiedliche Rollen, während Wampels TV-Figuren stets von der Komikerin Tahnee verkörpert werden. Ob Seifenoper, Traumschiff oder Krimi – hier wird seichtes deutsches Fernsehen genüsslich parodiert. Was vor allem dank der sichtlichen Spielfreude von Kerkeling und Tahnee amüsiert.

André Pitz von Kino-Zeit verweist auf die gesellschaftskritische Dimension, wenn sich der Protagonist "durch hornalte Filme zurück in eine Zeit flüchtet, die es selbst damals so nie gegeben hat." Für ihn steht fest:

"Schlämmer ist damit auch Echo einer gesellschaftlichen und politischen Klasse, die von einer Rückkehr zur Normalität schwafelt und damit eine objektiv ungerechtere Welt meint – nur eben nicht für sie."

Das tröstet ein wenig darüber hinweg, dass die Szenen etwas uninspiriert in die eigentliche Handlung integriert werden, die wiederum selbst aus einer Aneinanderreihung episodenhafter Begegnungen besteht. Wodurch das Ganze wie eine Nummernrevue innerhalb einer Nummernrevue wirkt. Zudem zeigt sich im Schlämmer-Film von Regisseur Sven Unterwaldt Jr., was bereits in dessen Märchenparodie "7 Zwerge – Männer allein im Wald" ersichtlich wurde: Eine dürftig zusammengeschusterte Story ist zu wenig für eine gelungene Komödie – egal, wie begnadet die mitspielenden Comedians sind.

Horst Schlämmer trifft auf Markus Söder

Das Unglücklichste an diesem Film über die Suche nach dem Glück sind aber die Gastauftritte vereinzelter Prominenter, die sich in offenbar improvisierten Gesprächen selbst darstellen dürfen. Den Anfang macht der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Der plaudert mit Schlämmer ein wenig über das Frankenland, über sich und das war's dann auch schon. Filmstarts-Kritiker Markus Tschiedert, der mit seiner einigermaßen wohlwollenden Rezension aus dem Dickicht der eher negativen Stimmen heraussticht, schreibt zwar:

"'Horst Schlämmer sucht das Glück' will in letzter Konsequenz keine gesellschaftsrelevante Politsatire, sondern doch nur ein Potpourri aus schrulligen Szenen und sonderbarer Situationskomik sein."

Aber etwas mehr hätten wir schon erwartet, wenn eine Kunstfigur wie Schlämmer auf einen Politiker wie Söder trifft. Stattdessen bleibt die Begegnung witzlos, belanglos und wirkt wie PR in eigener Sache. Fehlt nur noch der entsprechende Social-Media-Post…

Irritierender Auftritt

Wirklich irritierend ist aber der Auftritt des Kardinals Rainer Maria Woelki, der angesichts seines Umgangs mit Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln wiederholt kritisiert wurde. Auch er darf einen nichtssagenden, harmlosen Plausch mit Horst Schlämmer führen, der im Grunde bloß der Imagepflege dient. Michael Kohler vom Kölner Stadt-Anzeiger beschreibt in dem Zusammenhang eine vorangestellte Szene, in der Woelki vom Fahrrad absteigt und einigen Kindern zuwinkt, die "fröhlich zurückwinken". Der Kritiker muss dabei an die TV-Parodien innerhalb des Films denken, ergänzt jedoch:

"Man kann aber auch an die Missbrauchsfälle im Kölner Erzbistum denken, wegen deren Aufarbeitung Woelki in der Kritik steht und die nichtfilmische Öffentlichkeit weitgehend meidet."

Also doch eine subtile Form der Kritik? Vielleicht. Vielleicht bietet man Woelki aber auch bloß eine dankbare Bühne. Schließlich kennt Witzischkeit keine Grenzen. Oder?

Fazit: Bei vielen Kritikern hat es der Film alles andere als leicht. Und auch wir finden: "Horst Schlämmer sucht das Glück" ist eine Komödie ohne Biss, die leider nicht sonderlich witzig ist.

Auf der Leinwand kann sich jeder ein eigenes Bild davon machen. "Horst Schlämmer sucht das Glück" läuft seit dem 26. März 2026 im Kino.

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