Tom Cruise kämpft gegen Brad Pitt: KI-generiertes Video sorgt für Wirbel
Deadpool-Autor ist alarmiert: "Es ist wahrscheinlich vorbei für uns"
Ein Video mit KI-generierten Versionen von Tom Cruise und Brad Pitt geht derzeit auf Social Media viral – und versetzt Hollywood in Alarmbereitschaft. Im Clip stehen sich die täuschend echt aussehenden Versionen der beiden Stars auf einer ramponierten Brücke gegenüber. Sie laufen aufeinander zu und schon fliegen die Fäuste. Ein harter Schlagabtausch beginnt. Zwei ebenbürtige Gegner. 15 Sekunden lang. Dann bricht es abrupt ab.
Das kurze Video wurde komplett mit künstlicher Intelligenz kreiert. Gepostet wurde es vom irischen Filmemacher Ruairí Robinson, der zuvor vor allem mit Kurzfilmen auf sich aufmerksam machte und vor Jahren für eine Realverfilmung des Anime-Klassikers "Akira" im Gespräch war. In seinem Social-Media-Post erklärt er, dass zur Realisierung des Clips lediglich die Eingabe eines zwei Zeilen langen Prompts in Seedance 2.0 nötig gewesen sei. Der KI-Videogenerator gehört zum chinesischen Technologieunternehmen ByteDance, der Firma hinter der Videoplattform TikTok.
Harsche Kritik
Robinsons Social-Media-Post verbreitete sich rasend schnell, verzeichnet bislang über 1,3 Millionen Views. Harsche Kritik an Seedance 2.0 kam prompt von der Motion Picture Association (MPA), wie Hollywood Reporter berichtet. Der US-amerikanische Filmverband befürchtet, dass eine unregulierte Nutzung der Technologie eine Gefahr für die Filmbranche darstellt. "Durch die Einführung eines Dienstes, der ohne wesentliche Schutzmaßnahmen gegen Rechtsverletzungen eingesetzt wird, missachtet ByteDance das etablierte Urheberrecht, das die Rechte der Künstler schützt und Millionen amerikanischer Arbeitsplätze sichert", heißt es von MPA-CEO Charles Rivkin. "ByteDance sollte seine rechtsverletzenden Aktivitäten sofort einstellen."
Wozu noch Tom Cruise oder Brad Pitt, wenn realistisch wirkende Filmszenen in Windeseile per KI erzeugt werden können? Wozu noch Regisseure oder Drehbuchautoren? Das fragt sich auch "Deadpool"-Autor Rhett Reese, der ebenfalls besorgt auf das Video reagierte. "Ich sage es nur ungern," kommentierte er den KI-generierten Kampf zwischen Tom Cruise und Brad Pitt. "Doch es ist wahrscheinlich vorbei für uns." Und mit "uns" meint er offensichtlich die Kreativen Hollywoods, wie er in weiteren Kommentaren deutlich macht. Als ein User andeutete, dass die Qualität eines solchen KI-Videos nach wie vor zu wünschen übrig lasse, antwortete Reese mit einer pessimistischen Prognose:
In kürzester Zeit wird eine Person in der Lage sein, am Computer zu sitzen und einen Film zu kreieren, der nicht von dem zu unterscheiden ist, was Hollywood jetzt veröffentlicht. Stimmt, wenn diese Person nicht gut ist, wird der Film mies werden. Aber wenn diese Person das Talent und den Geschmack von Christopher Nolan besitzt (und so jemand wird schnell auftauchen), wird er gewaltig werden.
In einem weiteren Post betonte Reese, dass ihm diese Entwicklung große Angst mache:
So viele Menschen, die ich liebe, stehen vor dem Verlust ihrer geliebten Karriere. Ich selbst bin gefährdet. Als ich schrieb "Es ist vorbei", wollte ich nicht, dass es lässig oder leichtfertig klang. Das Pitt-gegen-Cruise-Video hat mich umgehauen, weil es so professionell ist. Genau deshalb habe ich Angst. Meine pessimistische Ansicht ist, dass Hollywood im Begriff ist, revolutioniert/dezimiert zu werden. Wenn ihr wirklich denkt, dass das Pitt-gegen-Cruise-Video ein wenig beeindruckender Dreck ist, braucht ihr euch keine Sorgen zu machen. Aber ich bin erschüttert.
Gemeinsamer Film mit Tom Cruise und Brad Pitt
Ob der Kampf zwischen den KI-Versionen von Tom Cruise und Brad Pitt tatsächlich das Ende des klassischen Filmemachens einläutet, wird man abwarten müssen. Zwischen dem echten Tom Cruise und dem echten Brad Pitt kam es jedenfalls auch schon mal zum Duell vor der Kamera – auch wenn es schon eine ganze Weile her ist. 1994 waren die beiden Hollywoodgrößen gemeinsam in "Interview mit einem Vampir" zu sehen. In Neil Jordans Leinwandverfilmung von Anne Rice' gleichnamigem Horror-Roman spielte Cruise den genusssüchtigen Vampir Lestat de Lioncourt und Pitt den melancholischen Blutsauger Louis de Pointe du Lac. Die beiden ungleichen Figuren schlugen sich zwar nicht die Köpfe ein, lieferten sich aber immerhin den ein oder anderen verbalen Schlagabtausch. Bislang blieb "Interview mit einem Vampir" der einzige gemeinsame Film der beiden Stars.
Wie KI bereits jetzt Hollywood verändert, könnt ihr in unserem Video sehen:
