The Death of Robin Hood: Hugh Jackman stellt erneut seine Klasse unter Beweis
Zum Kinostart des neuen Films nehmen wir den Star unter die Lupe
So müde, niedergeschlagen und desillusioniert hat man Hugh Jackman wohl noch nie auf der Leinwand gesehen. In "The Death of Robin Hood" spielt er einen gealterten Titelhelden, der vom Leben gezeichnet ist. Und vom Töten. Der Robin Hood dieses Films ist meilenweit entfernt vom heldenhaften Bogenschützen sonstiger Verfilmungen. Regisseur und Drehbuchautor Michael Sarnoski, der zuvor mit "Pig" und "A Quiet Place: Tag Eins" von sich reden machte, porträtiert seinen Protagonisten als einen Einzelgänger, der eine blutige Spur hinterlassen hat. Robin Hood ist hier kein Held, sondern ein Killer.
Wie Jackman dieser schwierigen Figur Leben einhaucht, ist durchaus bemerkenswert – und zeigt einmal mehr, dass er ein geschätzter, aber irgendwie auch unterschätzter Darsteller ist. Klar, Hugh Jackman hat bereits zahlreiche Auszeichnungen gewonnen, war 2013 für seine Rolle in Tom Hoopers Musical "Les Misérables" als bester Hauptdarsteller für den Oscar nominiert. Der 57-Jährige ist ein gefragter Star. Dennoch wird er nicht in dem Maße als Charakterdarsteller wahrgenommen, wie er es eigentlich verdienen würde.
Hugh Jackman: Mehr als "nur" ein Marvel-Star
Das dürfte nicht zuletzt mit seiner bekanntesten Rolle zu tun haben. Als "X-Men"-Superheld Wolverine feierte der Australier vor über 25 Jahren seinen internationalen Durchbruch. Seitdem hat er die Rolle etliche weitere Male verkörpert. Zuletzt vor zwei Jahren im extrem erfolgreichen Blockbuster "Deadpool & Wolverine", der weltweit die gigantische Summe von 1,3 Milliarden US-Dollar eingespielt hat. Der grimmige Marvel-Held begleitet ihn also schon ein Vierteljahrhundert lang – was Segen und Fluch zugleich ist. Jackman verdankt der erfolgreichen Rolle sehr viel, droht aber auch, auf die Figur reduziert zu werden. Sie prägt seine schauspielerische Laufbahn wie keine andere Rolle. In der Wahrnehmung vieler dürfte Jackman damit vor allem eines sein: ein Marvel-Darsteller.
Das ist nicht zwangsläufig negativ. Auch in den "X-Men"-Filmen stellt Jackman immer wieder seine Klasse unter Beweis. Wolverine gehört neben Spider-Man zu den beliebtesten Figuren, die das Marvel-Universum zu bieten hat. Allein die Tatsache, dass er eine derartige Ikone der Popkultur über so viele Jahre verkörpert und dafür gefeiert wird, zeugt vom immensen Charisma Jackmans. Er wird nur so sehr mit der Rolle des Blockbuster-Actionhelden assoziiert, dass man schon mal seine schauspielerischen Großtaten in komplexen Kino-Highlights wie Christopher Nolans "The Prestige" und Denis Villeneuves "Prisoners" vergisst. Und nur allzu leicht übersieht, wie sehr er auch die leisen Töne beherrscht.
Präziser Darsteller
Bestes Beispiel ist seine Rolle in "Der Spitzenkandidat". Das 2018 erschienene Polit-Drama von Jason Reitman, das im Original "The Front Runner" heißt, ging mehr oder weniger komplett unter. Jackman spielt einen amerikanischen Senator, der in den 1980ern der Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden will – und auf einmal mit kompromittierenden Fotos konfrontiert wird, die alles ins Wanken bringen. Wie nuanciert der Darsteller die sukzessive Verzweiflung des Protagonisten verkörpert, ist beachtlich. Es ist die Art von kleiner, unscheinbarer Performance, die kaum jemand auf dem Schirm hat, wenn von Hugh Jackman die Rede ist. Die aber zeigt, was für ein präziser, hochkarätiger Darsteller er ist.
Dabei konnte er auch schon kurz davor in einem seiner vielen Superheldenfilme als Wolverine beweisen, wie gut er es versteht, seinen Figuren eine verblüffende Tiefe zu verleihen. Die Rede ist von "Logan", James Mangolds Comicverfilmung von 2017, in der er einen gealterten, vom Leben gezeichneten Helden spielt. So müde, niedergeschlagen und desillusioniert hat man Wolverine noch nie auf der Leinwand gesehen. Im Prinzip ist es ein Vorgeschmack auf Jackmans Performance in "The Death of Robin Hood" – obwohl die nochmal zehn Spuren härter, brutaler und unkonventioneller ist. Und wer weiß: Vielleicht bietet seine Dekonstruktion des Robin-Hood-Mythos ja ebenfalls einen Vorgeschmack. Auf eine Zukunft, in der Hugh Jackman nicht mehr vorrangig als Marvel-Star wahrgenommen wird. Sondern als Charakterdarsteller.
Im Kino startet "The Death of Robin Hood" am 18. Juni 2026.
