John Woo trifft auf die Coen-Brüder: Unsere META-Filmkritik zu Normal

Wir verraten euch, was der neue Action-Kracher mit Bob Odenkirk zu bieten hat!

Von Jonas Reichel am 4 min Lesezeit

Ein verschneites Kaff irgendwo im Nirgendwo, ein Sheriff, der eigentlich nur seine Ruhe will, und ein Haufen böser Jungs, die den denkbar schlechtesten Tag für ihren Besuch gewählt haben. "Meg 2"-Regisseur Ben Wheatley nimmt uns in seinem neuen Actionfilm "Normal" mit in das vermeintlich beschauliche Minnesota – und Bob Odenkirk lässt einmal mehr die Fäuste fliegen. Doch hat der Streifen neben seinem prominenten Hauptdarsteller noch mehr zu bieten? Wir haben uns den Film angesehen und verraten euch in unserer KinoCheck-META-Kritik, ob sich das Kinoticket lohnt. Zudem ordnen wir das Urteil der Presse ein.

Worum geht es?

Im Zentrum der Geschichte steht Ulysses, ein Mann, der vor seiner eigenen gewaltvollen Vergangenheit geflohen ist und nun im verschlafenen Örtchen Normal als Ersatz-Sheriff anheuert. Ulysses will eigentlich nur die Füße hochlegen und die Einsamkeit der schneebedeckten Landschaft genießen. Als jedoch eine örtliche Bank überfallen wird, stößt er auf einen Sumpf aus Korruption, Drogengeschäften und einer kriminellen Organisation, die die gesamte Stadt im Würgegriff hat.

Bild zu NORMAL Trailer German Deutsch (2026) Bob Odenkirk

Odenkirk liefert – aber das Rezept ist bekannt

Fangen wir zunächst mit dem Positiven an: Bob Odenkirk ist erneut in absoluter Bestform. Mit mittlerweile 63 Jahren zeigt er eine physische Präsenz, vor der man nur den Hut ziehen kann. Er spielt Sheriff Ulysses mit genau der richtigen Mischung aus Müdigkeit, Unsicherheit und Gnadenlosigkeit.

Laut Antje Wessels von Wessels-Filmkritik ist es die Unbeholfenheit Odenkirks, die ihn von Genre-Größen wie Bruce Willis oder Sylvester Stallone unterscheidet:

"Während diese – bei aller Unterschiedlichkeit – meist als bereits gefestigte, physisch überlegene Kämpfer auftreten, lebt Odenkirks Präsenz gerade von seiner vermeintlichen Simplizität. Wenn Odenkirk schließlich zuschlägt, dann nicht mit der stoischen Unaufhaltsamkeit eines John Wick oder der abgeklärten Routine eines späten Liam Neeson, sondern oft aus der improvisierten Situation heraus."

Allerdings hat man unserer Meinung nach beim Schauen ein gewisses Déjà-vu-Erlebnis: Odenkirks Figur erinnert nämlich stark an Hutch Mansell aus den "Nobody"-Filmen. Auch dieser war ein unscheinbarer Normalo, der es locker mit einer Horde von Gegnern aufnehmen konnte.

Für Tim Grierson von ScreenDaily macht Odenkirk zwar einen soliden Job, doch das schwache Drehbuch von Autor Derek Kolstad behauptet die emotionale Vergangenheit der Figur höchstens.

"Leider verleiht Kolstads Drehbuch der Figur keine interessante Tiefe, und Ulysses' schändliche Vergangenheit wirkt, sobald sie enthüllt wird, ziemlich banal."

Odenkirks Schauspiel konnte also den Großteil der Kritiker überzeugen, wenn auch mit einigen Einschränkungen.

Ein Mix aus Fargo-Humor und John Woo-Action

Tonal ist der Film ein wildes Auf und Ab: "Normal" wirkt stellenweise wie eine krude Mischung aus der skurrilen, schwarzhumorigen Welt der Coen-Brüder, insbesondere "Fargo", und der kompromisslosen Action eines John Woo. Die Funken sprühen, Blut spritzt und Leute fliegen, von den Geschossen getroffen, durch die Gegend. Hier kommen Erinnerungen an beispielsweise "The Killer" hoch.

Daniel Schröckert von Kino+ fühlte sich sogar noch an zwei andere große Reihen erinnert:

"Es ist eine Mischung aus, sage ich mal, so ein bisschen 'John Wick'-Geballer und gleichzeitig 'Final Destination'-Unfall. Ja, also es gibt immer wieder Situationen, wo Menschen halt einfach vielleicht einen Schritt zu viel machen, und das war halt der falsche Schritt."

Einziger Wermutstropfen: Bei den Nahkämpfen übertreibt es die Kamera leider mit der Dynamik. Die Choreografien sind zwar wuchtig, wirken aber durch die zu verwackelte Kameraführung oft unübersichtlich.

Oliver Kube von Filmstarts kritisiert hingegen, dass die Action in der düsteren Farbgestaltung des Films untergeht:

"So ist es schade, dass einige der großen Action-Szenen im wahrsten Sinne unterbelichtet sind und wir im Dunkeln nur schemenhaft erkennen können, was in diesen Momenten passiert."

Wo der Film ins Stolpern gerät

Trotz der tollen Action und einem gut aufgelegten Odenkirk ist "Normal" aber auch nicht frei von Fehlern. Die eigentliche Geschichte ist unterm Strich ziemlich mau und dient eigentlich nur als Grundgerüst, um sich von einer Gewaltspitze zur nächsten zu hangeln. Bedauerenswert ist auch der Umgang mit dem restlichen Cast: Beispielsweise "Game of Thrones"-Star Lena Headey wirkt völlig überflüssig. Ihre Figur kommt nur für wenige Minuten vor und hat kaum Einfluss auf das Geschehen.

Zudem kämpft der Film mit einigen Pacing-Problemen. Obwohl "Normal" mit knapp 90 Minuten eigentlich eine knackige Laufzeit hat, fühlt er sich phasenweise deutlich länger an. Das liegt vorwiegend daran, dass sich der Anfang sehr viel Zeit lässt, um das Setting und die Figuren zu etablieren. Der Film braucht mindestens 45 Minuten, um überhaupt erst einmal in Fahrt zu kommen.

Das sieht auch YouTuber Robert Hofmann so:

"Trotzdem komme ich nach 90 Minuten raus und denk so, er fühlt sich länger an, weil er dann nicht so viel zu so viel zu erzählen hat"

Fazit: Ein solider Action-Snack für zwischendurch

"Normal" ist kein Meisterwerk, dafür ist die Story zu dünn und der Einstieg schlicht zu zäh. Wer aber über die erste, langatmig erzählte Hälfte hinwegsieht, bekommt in der zweiten Hälfte einen soliden Action-Snack geboten. Alles in allem kommt Ben Wheatleys Film bei den Kritikern überwiegend positiv an. Kino läuft "Normal" seit dem 16. April.

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