Austin Butler als Lance Armstrong im neuen Film von Edward Berger
Darüber hinaus arbeitet Berger noch an zwei weiteren Projekten
Edward Berger meldet sich mit einem vielversprechenden Projekt zurück! Wie das Branchenmagazin Deadline berichtet, plant der "Konklave"-Regisseur einen bislang titellosen Spielfilm über den umstrittenen US-Radprofi Lance Armstrong. In der Hauptrolle: Austin Butler.
Berger wird dabei nicht nur auf dem Regiestuhl Platz nehmen, sondern das Projekt auch als Produzent begleiten. Das Drehbuch stammt von Zach Baylin, der sich bereits mit Biopics wie "King Richard" und "Bob Marley: One Love" einen Namen gemacht hat.
Im Zentrum der Geschichte steht Armstrongs Karriere, mit all ihren Höhen und Tiefen. Nach seinem erfolgreichen Kampf gegen den Krebs gelang dem Sportler ein spektakuläres Comeback, das in sieben Siegen bei der Tour de France gipfelte. Gleichzeitig begleiteten ihn über Jahre hinweg massive Dopingvorwürfe, die er stets zurückwies. Armstrongs späteres Geständnis markierte schließlich den Wendepunkt und das Ende seiner sportlichen Laufbahn. Tonal wird der Film als eine Mischung aus "F1" und "The Wolf of Wall Street" beschrieben. Uns könnten also exzessive Partys und mitreißende Rennsequenzen bevorstehen.
Der Lance Armstrong-Film ist übrigens nicht der einzige Titel, an dem Berger derzeit arbeitet. Aktuell befindet er sich noch mitten in den Dreharbeiten zu "The Riders", mit Brad Pitt in der Hauptrolle. In dem Film begibt sich Pitts Figur auf eine verzweifelte Suche nach seiner spurlos verschwundenen Ehefrau.
Ansonsten erwartet uns auch ein weiteres Projekt für Netflix. "Stradivarius" spielt im Norditalien des 18. Jahrhunderts, und thematisiert zwei Männer, die beide davon besessen sind, die perfekte Geige zu erschaffen. Aus anfänglichem Ehrgeiz entwickelt sich eine erbitterte Rivalität, die schließlich auch ihr persönliches Leben überschattet. Genauere Informationen gibt es bisher nicht
Edward Berger: Vom deutschen Fernsehen zur internationalen Regie-Elite
Edward Berger gehört zu den prägendsten deutschen Regisseuren der Gegenwart. Mit einem sicheren Gespür für dramatische Stoffe, moralische Konflikte und intensive Figurenzeichnungen hat er sich vom Fernsehregisseur zu einem international gefragten Filmemacher entwickelt. Seine Karriere steht beispielhaft für den erfolgreichen Übergang vom deutschen Markt nach Hollywood – ohne dabei künstlerische Kompromisse einzugehen.
Ausbildung und erste Schritte im Fernsehen
Geboren 1970 in Wolfsburg, studierte Edward Berger Regie an der Hochschule für Fernsehen und Film München sowie an der renommierten Tisch School of the Arts in New York. Diese internationale Ausbildung prägte früh seinen Blick für erzählerische Tiefe und visuelle Präzision. Seine ersten beruflichen Schritte machte Berger vor allem im deutschen Fernsehen, wo er an zahlreichen Serienformaten mitwirkte und sich schnell als stilistisch eigenständiger Regisseur profilierte.
Besonders seine Arbeiten für den "Tatort" machten innerhalb der Branche auf ihn aufmerksam. Berger nutzte das etablierte Format, um psychologisch dichte und atmosphärisch ungewöhnliche Episoden zu inszenieren, die sich klar vom klassischen Krimi abhoben.
Serien als Karrierebeschleuniger: Deutschland 83, Patrick Melrose und Your Honor
Einen entscheidenden Karriereschub erlebte Berger mit der gefeierten Serie "Deutschland 83". Das Spionagedrama vor dem Hintergrund des Kalten Krieges wurde international vermarktet und gilt als Meilenstein des deutschen Serienbooms. Die moderne Inszenierung und politische Relevanz machten Berger auch außerhalb Europas bekannt.
International weiter profilierte er sich mit der britischen Miniserie "Patrick Melrose", basierend auf den Romanen von Edward St Aubyn. Die Serie mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle wurde für ihre schonungslose Darstellung von Trauma, Sucht und gesellschaftlicher Dekadenz gefeiert. Berger inszenierte mehrere Episoden und bewies sein außergewöhnliches Talent für intime Charakterstudien.
Mit "Your Honor" folgte ein weiterer internationaler Serienerfolg. Die US-Serie mit Bryan Cranston erzählt von einem Richter, der aus Liebe zu seinem Sohn moralische und rechtliche Grenzen überschreitet. Berger prägte den düsteren Ton und die klaustrophobische Atmosphäre der Serie entscheidend mit und festigte seinen Ruf als Regisseur für moralisch hochkomplexe Stoffe.

Im Westen nichts Neues: Ein historischer Erfolg
Der größte Meilenstein in Edward Bergers Karriere folgte 2022 mit der Netflix-Neuverfilmung von "Im Westen nichts Neues". Die Adaption von Erich Maria Remarques Antikriegsroman wurde weltweit gefeiert und setzte neue Maßstäbe für deutschsprachige Produktionen. Berger verzichtete bewusst auf heroische Überhöhung und zeigte stattdessen den Ersten Weltkrieg als gnadenlose Maschinerie. Der Film gewann vier Oscars und war zudem als Bester Film nominiert – ein historischer Erfolg, der Berger endgültig in die erste Liga internationaler Regisseure katapultierte.

Macht, Intrigen und Glauben: Konklave
Ebenfalls international beachtet wurde "Konklave", ein Thriller um die Wahl eines neuen Papstes, mit Ralph Fiennes in der Hauptrolle. Berger inszenierte das Geschehen als spannungsgeladenes Kammerspiel hinter den verschlossenen Türen des Vatikans. Der Film beleuchtet politische Machtspiele, moralische Dilemmata und den Konflikt zwischen Glauben und Kalkül – Themen, die sich nahtlos in Bergers bisheriges Werk einfügen.

Ballad of a Small Player: Noir-Drama über Schuld und Identität
Mit "Ballad of a Small Player", der 2025 erschien, setzte Berger seinen internationalen Kurs konsequent fort. Der Film, basierend auf dem Roman von Lawrence Osborne, erzählt die Geschichte eines heruntergekommenen Glücksspielers, der sich in Asien vor seiner Vergangenheit versteckt – und dabei immer tiefer in ein Netz aus Schuld, Abhängigkeit und Selbsttäuschung gerät. Berger inszenierte das Werk als düsteres, atmosphärisch dichtes Noir-Drama, das weniger auf äußere Handlung als auf innere Zerrissenheit setzt. Der Film wurde für seine stilistische Konsequenz und die intensive Figurenzeichnung gelobt und unterstrich Bergers Fähigkeit, auch leise, existenzielle Stoffe wirkungsvoll umzusetzen.
Ein Regisseur mit klarer Handschrift
Edward Bergers Karriere ist geprägt von Konsequenz, Mut und stilistischer Klarheit. Seine Filme kreisen um Macht, Schuld, Ehrgeiz und moralische Grenzsituationen – getragen von einer präzisen Bildsprache und intensiven Charakterporträts. Mit Werken wie "Im Westen nichts Neues", "Konklave" und "Ballad of a Small Player" hat Berger bewiesen, dass er zu den wichtigsten europäischen Regisseuren seiner Generation zählt. Sein Weg im internationalen Kino scheint noch lange nicht abgeschlossen zu sein.
