Schräger Besuch aus der Zukunft! Unsere META-Filmkritik zu Good Luck, Have Fun, Don't Die
Wir verraten, ob sich Gore Verbinskis Sci-Fi-Film lohnt – und ordnen die Urteile anderer Kritiker ein
Mit "Good Luck, Have Fun, Don't Die" hat Gore Verbinski seine erste Regiearbeit seit fast zehn Jahren abgeliefert. Der Film mit Sam Rockwell ist ein wilder Mix aus Science-Fiction, Action und Comedy. Doch kann "Good Luck, Have Fun, Don't Die" überzeugen? Was sagen andere Kritiker dazu? Und deckt sich das mit unserer KinoCheck-Review oder widersprechen wir den anderen Urteilen? Das erfahrt ihr in unserer META-Filmkritik!
Darum geht's
Es beginnt wie ein seltsamer Witz. Geht ein Mann in einen Diner. Er sieht aus, als sei er vom Elektroschrotthändler seines Vertrauens eingekleidet worden. Verrichtet seine Notdurft vor den anderen Gästen. Wird aber nicht weiter beachtet. Die Gäste sind anderweitig beschäftigt. Starren lieber auf ihr Smartphone, scrollen auf Social Media. Dann behauptet er, dass er aus der Zukunft komme. Interessiert aber auch keinen. Die Pointe: Er stammt tatsächlich aus der Zukunft. Und die ist völlig im Eimer. Wegen Social Media.
Der von Sam Rockwell verkörperte Man From The Future wuchs in einer postapokalyptischen Welt auf, die von einer KI dominiert wird. Um die Versklavung der Menschheit zu verhindern, reist der kauzige Fremde in die Vergangenheit. Immer und immer wieder. 116 Mal hat er bereits den Diner in Los Angeles betreten, um aus den dortigen Gästen die ideale Truppe von Mitstreitern zusammenzustellen. Ohne Erfolg. Doch dieses Mal entwickeln sich die Dinge anders als sonst.

Interessanter Auftakt
Die Prämisse und Rockwells Outfit lassen an den nicht minder exzentrischen Zeitreise-Klassiker "12 Monkeys" von Terry Gilliam denken. Nicht das schlechteste Vorbild für einen Sci-Fi-Film, der vom verzweifelten Weltrettungsversuch eines zeitreisenden Helden erzählen will. Ohnehin macht die skurrile Eröffnungsszene von "Good Luck, Have Fun, Don't Die" Lust auf mehr. Findet offenbar auch Jenny Jecke von Moviepilot, die in ihrer überaus positiv gestimmten Kritik "den Drive, die Motivation, die reine Lust, mit der Gore Verbinski uns durch den knapp 10-minütigen Auftakt jagt" hervorhebt. Für sie ist die Anfangsszene im Diner ein Highlight des Films:
"Verbinski zaubert daraus einen der aufregendsten Momente des noch jungen Kinojahres, so entschlossen manövriert er das Publikum durch die Pointen und Twists, die die restlichen zwei Stunden des Films vorbereiten."
Ein vermeintlich beiläufiges Detail der Eröffnungsszene ist für Jecke besonders relevant. Ähnlich wie in Harold Ramis' Komödie "Und täglich grüßt das Murmeltier", der vom Zeitreisenden im Diner explizit erwähnt wird, musste auch der Held aus "Good Luck, Have Fun, Don't Die" immer und immer wieder den selben Tag durchleben. Wie er zu Beginn des Films erzählt, hat er bereits 116 Zeitschleifen hinter sich. Angesichts dessen entwickelt Jecke den wohl schönsten Gedanken ihrer Review:
"116 ist nämlich nicht irgendeine Zahl. Das mal verspielte, mal witzige, mal tieftraurige Science-Fiction-Spektakel zelebriert das Scheitern, denn darin liegt zumindest der Versuch begründet, etwas zu ändern oder zu erschaffen. 116 oder eben 117 Mal, wenn es sein muss."
Dystopische Miniaturen
In diesem Scheitern liegt tatsächlich eine gewisse Schönheit des Films, der an entscheidenden Stellen leider selbst ein wenig scheitert. Problematisch sind etwa die Rückblenden, die den Plot um den Zeitreisenden immer mal wieder unterbrechen und die Vorgeschichte einiger Diner-Gäste schildern. Die von Regisseur Verbinski und Drehbuchautor Matthew Robinson gewählte Struktur entzieht dem ansonsten rasant inszenierten Film ein wenig von seinem Drive. Das bemängeln auch andere Kritiker, etwa Brian Tallerico von RogerEbert.com:
"Gerade als wir uns auf die Flucht aus dem Diner einzulassen beginnen, springt 'Good Luck' in der Zeit zurück, was den Erzählfluss natürlich beeinträchtigt und Verbinski nur teilweise kompensieren kann. Diese Rückblenden sind thematisch wirkungsvoll, doch es hätte bessere Wege gegeben, sie in die Handlung zu integrieren, ohne dass diese jedes Mal an Schwung verliert, wenn sie auftauchen. Es ist Verbinskis stets energiegeladener Regie zu verdanken, dass der Film nicht völlig auseinanderfällt."
Inhaltlich sind die Rückblenden an sich von jeweils unterschiedlicher Qualität. Der "Fluch der Karibik"-Regisseur macht aus den Vorgeschichten der Diner-Gäste kleine, mehr oder minder in sich abgeschlossene Storys, die sich ebenso gut als kurze Folgen der Sci-Fi-Anthologie-Serie "Black Mirror" ausgeben könnten, wie zahlreiche andere Kritiker ebenfalls anmerken. Dystopische Miniaturen, die die Gefahren moderner Technologien auf die Spitze treiben.
Besonders gelungen: Die bitterböse Episode über eine Firma, die aus völlig selbstverständlich gewordenen Amokläufen an Schulen ein Geschäftsmodell macht. Indem sie den Eltern erschossener Kinder einfach geklonte Ersatzkinder anbietet, die als wandelndes Product Placement zuckerhaltiger Getränkemarken konzipiert werden. Waffengesetze ändern? Ne, lieber weiter konsumieren. So zynisch wie angemessen. Weniger gelungen: Die Episode über eine Horde von Schülern, die so lange aufs Handy starren, bis sie zu einer Horde von Zombies werden. Schon klar, sehr witzig, Jugendliche und ihr Handy. So belehrend wie banal.

Angriff der Smombies
Letzteres kritisiert auch Gabriel Göttel von Film-Rezensionen, der die Gesellschaftskritik in dem Film ohnehin als "eher einschläfernd als aufwühlend" bezeichnet und die Darstellung der Jugendlichen ebenso wenig originell findet:
"Dass Gen Z, respektive Alpha, wie Zombies keine Sekunde mehr den Blick vom Bildschirm abwenden kann, ist nämlich eine ironische Beobachtung, die schon 2015 mit dem unlustigen Jugendwort 'Smombie' in Deutschland geprägt wurde."
Christoph Petersen von Filmstarts dagegen schreibt:
"Ja, 'Good Luck, Have Fun, Don't Die' ist (noch) eine Menschen-starren-nur-noch-auf-Bildschirme-Abrechnung, von denen es in letzter Zeit nicht gerade wenige gab – aber dafür geht Gore Verbinski immer noch einen Schritt weiter und hat in der Zusammenarbeit mit seinem Drehbuchautor Matthew Robinson ('Love And Monsters') offenbar nie einen Einfall von vornherein als zu verrückt vom Tisch gewischt."
Wir finden: Da ist einerseits was dran. Dass der Film sich vor keiner noch so absurd anmutenden Idee scheut, macht einen beträchtlichen Teil seines Reizes aus. Konventionelles Blockbuster-Kino gibt's schließlich oft genug. Die flache "Menschen-starren-nur-noch-auf-Bildschirme-Abrechnung" in Verbinskis Film wird dadurch aber nicht weniger flach.
Kritik an der Technologiekritik
Was die technologiekritischen Aspekte der Story betrifft, gehen die Meinungen der Rezensenten ohnehin am meisten auseinander. Für die einen hat der Film nicht allzu viel Substantielles zu den Risiken künstlicher Intelligenz zu sagen. Andere wiederum loben, dass er ebenso sehr zum Nachdenken anrege wie unterhalte. Zu letzterer Fraktion zählt unter anderem YouTuber Chris Stuckman:
"Das Tolle an diesem Film ist, dass er Aspekte enthält, die man ganz klar ernst nehmen soll. Er ist gewissermaßen eine Warnung vor möglichen Zukunftsszenarien, aber gleichzeitig so witzig, unbeschwert und skurril, dass er die Grenzen des Absurden deutlich ausreizt."
Gänzlich anders sieht das Luke Hicks vom A.V. Club, der an dem Film kaum ein gutes Haar lässt. Sein vernichtendes Urteil:
"Diese alberne, simple Sci-Fi-Odyssee will zum Nachdenken anregen, doch die Ironie ihrer Banalität wirkt eher abstoßend als anregend."
Ganz so harsch würden wir das zwar nicht ausdrücken, aber ja: Tatsächlich ist die größte Schwäche des Films, dass ihm zum zentralen Thema – das Gefahrenpotential von Social Media und KI – nur selten etwas wirklich Originelles einfällt. Als Satire bleibt "Good Luck, Have Fun, Don't Die" zu harmlos. Zumal sich das Mittel der Übertreibung hier ohnehin als wenig ergiebig erweist, da es meist nur das Offensichtliche unterstreicht. Wie subtil sich Social Media und nun KI mitunter in unseren Alltag schleicht, wie das uns und unser Selbstverständnis zu verändern droht, das sind Zwischentöne, die man hier vergeblich sucht.
Sam Rockwell überzeugt – doch er ist nicht der Einzige
Auf was sich die meisten Kritiker und auch wir aber einigen können, ist Sam Rockwells überzeugende Darstellung des exaltierten Zeitreisenden. David Rooney vom Hollywood Reporter etwa bemängelt das Drehbuch, schreibt aber:
"Rockwell bringt wie immer eine willkommene Exzentrik ein, obwohl er durch Dialoge im Stich gelassen wird, die wenig Esprit versprühen."
YouTuber Robert Hofmann findet, der Film sei voll von "mal witzigen, mal kreativen, mal absurden, nicht immer funktionierenden Ideen". Über jeden Zweifel erhaben ist dabei aber Rockwell:
"Zumal auch bei dem weirdesten Kram, der mir erzählt wird, Sam Rockwell irgendwie es schafft, mir als Typ aus der Zukunft eine Erklärung zu liefern, bei der ich denke, ja, das klingt doch irgendwie auf seine Art nachvollziehbar."
Einer der wenigen Kritiker, die mit Rockwells Performance härter ins Gericht gehen, ist Joachim Kurz von Kino-Zeit. Er ist ohnehin wenig begeistert vom Film und schreibt:
"Selbst Rockwells permanentes Geschrei und exaltiertes Gehabe nutzt sich schnell ab und läuft zunehmend ins Leere."
Wir sind dagegen ebenfalls von Rockwells frenetischem Spiel überzeugt. Wollen an der Stelle aber auch die von der Kritik nur selten hervorgehobene Juno Temple in der Rolle einer alleinerziehenden Mutter besonders loben. Ihr Spiel changiert angesichts der geklonten Gruselversion ihres erschossenen Sohnes nahtlos zwischen Trauer und Unbehagen. Die mit Abstand nuancierteste Performance des Films!
Have Fun
Ansonsten sagt es der Titel des Films ja schon: "Have Fun". Der Spaß scheint für den versierten Verbinski an erster Stelle zu stehen. Und so inszeniert er die zentrale Handlung um den Zeitreisenden und die Restaurantrekruten als skurrile Action-Komödie, gewohnt souverän und immer absurder anmutend. Als nächtliche Odyssee ohne Atempause, in der die Helden vor schießwütigen Typen in Schweinemasken, gruseligen Killerspielzeugen und einer riesigen Katzenmonstrosität auf der Hut sein müssen. "Es ist, als würde man einen Tropfen Medizin in den Kuchen geben", beschreibt Verbinski seinen Ansatz, dem Komischen eine Prise Gesellschaftskritik unterzujubeln. Am Ende scheint es aber doch nur um den Kuchen zu gehen.
Fazit: In der Breite fällt das Urteil über Verbinskis Film relativ wohlwollend aus. Trotz gelegentlicher Kritik an der Handhabung der technologiekritischen Aspekte, gibt es nur selten vernichtende Reviews.
Wir bei KinoCheck finden: "Good Luck, Have Fun, Don't Die" sorgt als absurde Action-Komödie für jede Menge Spaß. Der gesellschaftskritische Ansatz des Sci-Fi-Films überzeugt dagegen weniger.
Ein eigenes Urteil könnt ihr euch schon bald im Kino bilden: Der Start von "Good Luck, Have Fun, Don't Die" ist am 12. März 2026.