Geklont & geklaut: Diese Filme sind völlig gleich!

Warum gibt es immer wieder Filme mit der gleichen Handlung?

Von Jonas Reichel am 11 min Lesezeit

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Kennst du das Gefühl: Du schaust einen Film und denkst plötzlich: "Moment mal! Das habe ich doch schon mal gesehen?" Plötzlich erinnerst du dich an einen ähnlichen Plot, Charaktere mit identischen Konflikten oder sogar Dialoge, die du exakt so schon einmal gehört hast. Egal ob Superhelden-Filme, romantische Komödien oder Horrorstreifen: Die Filmindustrie greift immer wieder auf bereits erprobte Erfolgsformeln zurück.

Aber warum ist das so? Ist es ein kreativer Stillstand, Faulheit der Drehbuchautoren oder steckt eine clevere Strategie dahinter? In diesem KinoCheck Original werfen wir einen Blick auf Filme, die erstaunlich ähnliche Geschichten erzählen, analysieren die Hintergründe und gehen der Frage nach: Woher kriegen wir endlich frische Filmideen?

Gewaltige Budgets und gewaltige Flops

Grund Nummer 1: Filme sind teuer. Vor allem Hollywood ist und war schon immer in erster Linie eine gewaltige Geldmaschine. Und dieser Faktor beeinflusst natürlich, welche Filme produziert werden.

Die Kosten für Hollywood-Produktionen sind in den vergangenen Jahrzehnten massiv gestiegen. Ein Grund dafür sind die immer aufwändigeren visuellen Effekte. Blockbuster wie "Avengers: Endgame" oder "Avatar: The Way of Water" haben Budgets von mehreren Hundert Millionen Dollar, weil sie unter anderem auf hoch entwickelte CGI-Technik, große Sets und aufwendige Stunts setzen. Aber auch die hohen Gagen der absoluten Topstars sollten nicht unterschätzt werden: Tom Cruise soll beispielsweise für seine Rolle in "Top Gun: Maverick" sage und schreibe 100 Millionen Dollar bekommen haben. Allein für diese Gage könnte man beispielsweise 10 Mal "The Brutalist" mit Adrien Brody drehen, dessen Gesamtbudget gerade mal bei 10 Millionen lag.

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Hinzu kommen die enormen Marketingkosten, die oft fast so hoch sind wie die Produktion selbst. Ein Blockbuster muss deshalb in der Regel das 2- bis 3-fache seines Produktionsbudgets einspielen, um allein die Kosten zu decken – nur alles darüber hinaus ist überhaupt erst ein Gewinn für die Filmemacher.

Okay, große Filme sind also ziemlich teuer. Doch was hat das Ganze jetzt damit zu tun, dass sich viele dieser Filme so stark ähneln? Ganz einfach: Wer auf bewährte Formeln setzt, geht ein geringeres Risiko ein. Durchaus verständlich: Warum sollte man seine Rezeptur verändern, wenn es bisher doch gut geschmeckt hat? Bestimmte Geschichten und Erzählmuster haben sich immer wieder als äußerst erfolgreich erwiesen und garantieren zumindest ein gewisses Maß an Zuschauerinteresse und somit auch ein Mindestmaß an Erfolg an den Kinokassen.

Denn auch wenn die Umsatzzahlen oft gigantisch erscheinen: Keiner der großen Filmverleiher könnte es sich bei den Kosten heutzutage leisten, mehrere Multimillionen-Dollar Flops in Folge abzuliefern. Experimente werden daher lieber bei kleinen Produktionen durchgeführt – und sobald davon etwas funktioniert, versucht man, die vermuteten Erfolgsfaktoren in größeren Produktionen zu kopieren. Erinnert ihr euch noch an den Trend der "Found Footage"-Filme? Nach günstigen Überraschungshits wie "Blair Witch Project" oder "Paranormal Activity" versuchten sich sogar High-Budget-Produktionen wie "Cloverfield" an dem gleichen Stil.

Zwillingsfilme

Durch die Wiederholung bestimmter Erzählmuster, Stile und Themen können Studios auf eine bestehende Fangemeinde zurückgreifen und somit das finanzielle Risiko reduzieren. Dieses Vorgehen führt jedoch dazu, dass ähnliche Geschichten und Elemente immer wieder auf der Leinwand erscheinen.

Ein interessantes Beispiel für die Produktion ähnlicher Filme ist das Phänomen der sogenannten Zwillingsfilme: Dabei handelt es sich um zwei Filme unterschiedlicher Studios, die nahezu gleichzeitig mit ähnlicher Thematik erscheinen. Ursachen hierfür können ein aktuelles Ereignis oder Jubiläum sein, das mehrere Autoren inspiriert – oder die Tatsache, dass ein Thema im Fokus des Zeitgeistes steht. Zwillingsfilme entstehen oft aufgrund eines Mixes aus Konkurrenz, Zufall und Trends in der Filmbranche. Manchmal geht auch ein freier Drehbuchentwurf – ein sogenanntes Spec Script – über verschiedene Schreibtische in Hollywood. Dessen Ideen werden dann einfach von mehreren Studios aufgegriffen. Hier ein paar Beispiele für Zwillingsfilme, die einigen von euch sicherlich auch schon aufgefallen sind.

White House Down" und "Olympus Has Fallen"

Folgende Story: Das Weiße Haus wird von Terroristen überfallen und nur ein einziger Held kann sich ihnen entgegenstellen. Natürlich geht es um "White House Down" – inszeniert von Roland Emmerich! Oder doch eher "Olympus Has Fallen" von Antoine Fuqua? Beide Filme stammen aus dem Jahr 2013, wurden also gleichzeitig produziert. In "Olympus Has Fallen" ist der Held ein ehemaliger Geheimdienstagent, der den Präsidenten retten muss. In "White House Down" hingegen ist es ein Polizist. Tonal unterscheiden sich beide Filme ein wenig – auf der einen Seite geht es etwas düsterer zu, der andere Film kommt etwas leichter daher.

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Moment mal: Ein Mann, der sich im Alleingang gegen eine Truppe von Terroristen in einem Gebäude stellen muss …hatten wir das nicht auch 1988 mit Bruce Willis in "Stirb Langsam"? Oder 2018 mit Dwayne Johnson in "Skyscraper"? Immerhin kümmerte sich Harrison Ford in "Air Force One" 1997 als Präsident noch selbst um die Bösewichte – und das in einem Flugzeug statt im Weißen Haus. Wie originell!

"Freundschaft Plus" und "Freunde mit gewissen Vorzügen"

Erinnert ihr euch an "Freundschaft Plus" und "Freunde mit gewissen Vorzügen", beide von 2011? Die Filme erzählen die Geschichte von zwei Menschen, die eine rein sexuelle Beziehung ohne romantische Bindung eingehen, aber sich schließlich – wer hätte es gedacht – doch ineinander verlieben. Die zentralen Themen sind die Schwierigkeiten, eine platonische Freundschaft in eine Romanze zu verwandeln und die emotionalen Herausforderungen einer solchen Beziehung. Der Unterschied zwischen den beiden Filmen liegt in den Charakteren und dem Ton: Während "Freundschaft mit gewissen Vorzügen" mehr auf Humor und leichten Dialog setzt, bietet "Freundschaft Plus" eine etwas ernsthaftere Herangehensweise.

"Antz" und "Das große Krabbeln"

Und seien wir mal ehrlich: Wer hat denn nicht schon mal gedacht, dass "Antz" und "Das große Krabbeln" ein und derselbe Film sind? Dass beide Animationsfilme auch noch gleichzeitig im Jahr 1998 veröffentlicht wurden, sorgte für zusätzliche Verwirrung. Die Geschichten sind kaum zu unterscheiden: Sie handeln von Insekten, die sich gegen die bestehende Gesellschaftsordnung auflehnen. In "Antz" geht es um eine Ameise, die sich gegen das starre Kastensystem ihrer Ameisenkolonie stellt und gegen eine Bedrohung kämpft.

In "Das große Krabbeln" erleben wir eine ähnliche Geschichte aus der Perspektive von Grashüpfern und Ameisen, bei der sich ein Außenseiter gegen die traditionellen Normen der Gemeinschaft stellt. Trotz ihrer Ähnlichkeit unterscheiden sich die Filme deutlich im Stil und in der Animationstechnik – "Antz" verwendet eine düstere, fast erwachsene Erzählweise, während "Das große Krabbeln" mehr auf humorvolle und kinderfreundliche Elemente setzt. Beide Filme behandeln jedoch ähnliche Themen von Individualismus, Gemeinschaft und Aufbegehren gegen Autorität.

Star Wars: Auf ewig die gleiche Geschichte

Aber auch abseits der Zwillingsfilme tritt das Phänomen ähnlicher Handlungen und Elemente immer wieder auf. "Star Wars: Episode 4 – Eine neue Hoffnung" und der 2015 veröffentlichte "Star Wars: Episode 7 – Das Erwachen der Macht" sind hervorragende Beispiele dafür. Beide Filme starten mit einem jungen, unerfahrenen Helden, der in eine größere galaktische Auseinandersetzung verwickelt wird. In beiden Filmen wird er in eine Mission verwickelt, bei der wichtige Informationen in einem Droiden gespeichert sind und diese in die Hände der Rebellion übergeben werden müssen. Beide Filme enthalten mit Kylo Ren und Darth Vader natürlich auch maskierte Schurken, die unseren Helden das Leben schwer machen. Am Ende muss die Basis der Bösewichte in die Luft gesprengt werden, da sie andere Planeten zerstören kann.

Ganz vereinfacht ist es dieselbe Geschichte: Es geht um den Kampf von Gut gegen Böse, den Aufstieg eines neuen Helden und die Unterdrückung durch das Imperium. "Episode 7" stellt nicht nur in großen Teilen eine Wiederholung der Geschichte dar, sondern kann auch als eine Art Hommage an den Klassiker interpretiert werden. Das Ziel: eine neue Generation von Fans gewinnen und die bestehenden Fans weiterhin mit dem guten alten "Star Wars"-Gefühl zufriedenstellen. "Eigenständig und neu" sieht da natürlich anders aus.

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Darum sind es immer die gleichen Geschichten

Natürlich haben die "Star Wars" Episoden 4 und 7 nicht exakt den gleichen Plot. Je ungenauer man auf Geschichten schaut, desto mehr Ähnlichkeiten fallen einem bei allen möglichen Filmen auf. Schon im antiken Griechenland wurde von Aristoteles versucht, bestimmte Grundformen von Geschichten zu finden, die seitdem eigentlich immer nur im Detail modifiziert werden. George Lucas hat zum Beispiel ganz bewusst die klassische "Heldenreise" aufgegriffen, um seinen ersten "Star Wars"-Film zu erzählen – nur eben im Weltall, aber mit Motiven aus Western, Samurai- und Weltkriegsfilmen.

Märchen, Mythen und klassische Erzählungen sind tief in der menschlichen Kultur verankert. Sie behandeln universelle Themen wie Liebe, Rache, Macht und Verlust, die in jeder Epoche relevant sind. Regisseure greifen oft auf diese Themen zurück, weil sie somit eine breite Zielgruppe ansprechen. Und diese Geschichten inspirieren dann wiederum andere Geschichtenerzähler.

Doch das Ergebnis muss deshalb nicht unbedingt das gleiche sein: Zwei Regisseure, die die gleiche Grundidee verwenden, können diese auf völlig unterschiedliche Weise umsetzen. So kann ein Thema wie "Der Aufstieg und Fall eines Charakters" in unzähligen Variationen erzählt werden: etwa als brutale Gangstergeschichte wie in "Scarface" oder als unterhaltsame Satire in "The Wolf of Wall Street".

Weiterhin spielt auch die Nostalgie eine wichtige Rolle: Viele Filmemacher möchten das Publikum auch bewusst an vergangene Werke erinnern oder eine neue Generation von Zuschauern mit klassischen Geschichten vertraut machen. Dies führt zu einer Wiederbelebung von alten Themen und Geschichten, die neu interpretiert oder in einem modernen Kontext erzählt werden: Die erfolgreiche Neuauflage von "Romeo und Julia" mit Leonardo DiCaprio hat 1996 zum Beispiel ein völlig neues Publikum für den vermeintlich angestaubten Klassiker von Shakespeare gewonnen.

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Sind wir zu anspruchsvoll?

Ein weiterer Grund, weshalb wir uns immer wieder über die scheinbare Ideenlosigkeit von Hollywood empören, sind wir selbst. Durch das Internet sind wir so gut informiert über das mediale Angebot wie noch nie zuvor. Nicht nur haben viele von uns vermutlich schon heute deutlich mehr Filme gesehen als unsere Eltern zusammen. Auch gibt es viel mehr Möglichkeiten, über Filme zu reden, sich darüber auszutauschen und zu lernen. Kurz: Wir haben echt viel Erfahrung mit Filmen. Und natürlich wird es dann immer schwieriger, uns wirklich etwas Neues zu bieten, was wir nicht schon in der einen oder anderen Form woanders gesehen haben.

Für die Filmemacher ist das ein Dilemma: Auf der einen Seite sind unsere Ansprüche gestiegen, auf der anderen Seite liegt der sichere Erfolg an den Kinokassen eher bei den bewährten Geschichten. Nicht ohne Grund lassen sich deshalb originelle Geschichten eher in günstigeren Produktionen finden, als bei den großen Blockbustern.

Natürlich gibt es auch noch eine dritte Kategorie: Relativ günstig produzierte Filme, die trotzdem immer das gleiche abliefern – eben genau das, was das Zielpublikum feiert. In wie vielen Rachethrillern hat Liam Neeson inzwischen mitgespielt? Wir haben aufgehört zu zählen.

Ein klarer Vorteil von Filmen mit altbekannter Handlung: Sie bieten eine gewisse Sicherheit und die Zuschauer wissen, was sie erwarten können. Oft lassen sich solche Filme auch viel einfacher dem potentiellen Publikum verkaufen: Niemand interessiert sich für anspruchsvolle Storywendungen in einem Jason Statham-Film. Jason gibt bösen Typen aufs Maul? Wunderbar! Kaum ein Fan wünscht sich hier wohl mehr Originalität in der Handlung. Diese will man eher bei der Gestaltung der Action und der coolen Sprüche.

Ein Teufelskreis

Doch die Wiederholung ewig gleicher Erfolgsformeln führt langfristig zu einem Problem: Wenn sich Filme zu sehr an den gleichen Mustern und Strukturen orientieren, kann dies zu einer kreativen Stagnation führen. Regisseure und Drehbuchautoren verlassen sich zu oft darauf, dass die Zuschauer das altbewährte Storytelling akzeptieren. Doch die ständige Wiederholung kann auch das Interesse des Publikums verringern und garantiert dann auch keine Kinoerfolge mehr. Stichwort: Superhelden-Müdigkeit.

Fazit

Ihr seht: Dass sich bestimmte Themen und Geschichten wiederholen, ist kein neues Phänomen. Und selbst in der Wiederholung kann ein gewisser Reiz liegen, wenn die neuen Interpretationen eigene, originelle Ideen mit einfließen lassen. Zu Recht verlieren die Zuschauer aber das Interesse, wenn sie durchschauen, dass die Filmemacher einfach nur generische Formeln wiederholen, die sie mit beliebigen Inhalten füllen.

Frische Impulse kommen dagegen oft aus kleinen Produktionen – vielleicht gerade weil sie etwas naiv an die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten ihrer Filmideen herangehen. Oder weil sie aufgrund ihrer geringen Kosten gar kein so großes Publikum erreichen müssen. Natürlich gibt es auch hier unendlich viel Einheitsbrei. Doch allein durch die schiere Masse entstehen auch einzelne Werke, die durch ungewöhnliche Ideen auffallen und für neue Trends auch in größeren Produktionen sorgen können.